American Airlines hat seine Gewinnprognose für 2026 massiv nach unten korrigiert. Steigende Kerosinpreise kosten die Airline bis zu vier Milliarden Dollar zusätzlich. Gleichzeitig laufen frühe Gespräche über eine mögliche Revenue-Sharing-Partnerschaft mit Alaska Airlines.
American Airlines erwartet für 2026 jetzt einen bereinigten Gewinn je Aktie zwischen minus 40 Cent und plus 1,10 Dollar. Zum Vergleich: Noch vor kurzem lag die Prognose bei 1,70 bis 2,70 Dollar. Der Hauptgrund ist ein drastischer Anstieg der Kerosinpreise, der die Kostenrechnung um bis zu vier Milliarden Dollar aufbläht.
Kerosin als Kostentreiber Nummer eins
Jet-Fuel-Preise gehören seit jeher zu den größten Risikofaktoren im Airline-Business. Doch die aktuelle Lage ist laut Branchenbeobachtern besonders scharf. Ausgelöst durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten sind die Kerosinpreise deutlich gestiegen — und treffen die Fluggesellschaften zu einem Zeitpunkt, an dem sie ihre Kapazitäten nach der Pandemie gerade wieder hochgefahren haben.
American Airlines hatte bereits im ersten Quartal 2026 einen Nettoverlust verbucht. Winterstürme und hohe Treibstoffkosten belasteten gleichzeitig — eine doppelte Belastung, die die Airline nun zum Handeln zwingt.
- Alte EPS-Prognose: 1,70 bis 2,70 Dollar
- Neue EPS-Prognose: minus 0,40 bis plus 1,10 Dollar
- Erwartete Mehrkosten durch Kerosin: bis zu 4 Mrd. Dollar
- Q1 2026: Nettoverlust (genaue Höhe nicht öffentlich bestätigt)
- Aktie: fiel nach Guidance-Revision um rund 4,24 %
Wie reagieren andere Airlines?
American ist nicht allein. Laut Cirium-Daten haben 19 der 20 weltweit größten Airlines ihre Flugkapazitäten im Mai reduziert. Die Reaktionen auf die Kostensteigerung unterscheiden sich aber deutlich.
Während American den Rotstift bei der Gewinnprognose ansetzt, berichten Delta und andere Carrier von einer starken Nachfragelage, die die höheren Treibstoffkosten bislang zumindest teilweise ausgleicht. Airline-CEOs betonen, dass die Reiselust der Passagiere weiterhin robust sei — ob das dauerhaft reicht, bleibt offen.
Der entscheidende Unterschied zur Tarifrunden-Krise 2025: Damals zogen viele Airlines die Guidance komplett zurück. Jetzt geben sie zumindest neue Bandbreiten aus.Partnerschaft mit Alaska Airlines im Gespräch
Um die Kosten abzufedern und die Reichweite zu erhöhen, führt American Airlines nach Skift-Informationen frühe Gespräche mit Alaska Airlines über eine mögliche Revenue-Sharing-Partnerschaft. Details sind noch nicht bekannt — die Gespräche befinden sich in einem sehr frühen Stadium.
Revenue-Sharing-Deals sind in der Branche etabliert: Sie erlauben es Airlines, gegenseitig Passagiere auf die Netze des Partners zu buchen, ohne die Kosten einer Fusion zu tragen. Für American könnte das mehr Marktabdeckung an der US-Westküste bedeuten, wo Alaska traditionell stark ist.
Fusionsgerüchte mit United — American dementiert
Parallel kursierten Berichte über mögliche Fusionsgespräche zwischen American Airlines und United Airlines. American hat diese Gerüchte klar dementiert. Auch US-Präsident Trump hat sich öffentlich gegen eine solche Fusion ausgesprochen — womit das Thema politisch vorerst vom Tisch ist.
Was das für die Branche bedeutet
Steigende Kerosinkosten treffen nicht nur die Airlines direkt. Höhere Ticketpreise bedeuten für Reiseveranstalter, Hotels und Destinationen weniger zahlungskräftige Gäste — oder schlicht weniger Buchungen auf bestimmten Strecken. Wer seine Kundenkalkulation an günstige Flüge geknüpft hat, sollte die Entwicklung der kommenden Monate genau beobachten.
Analysten wie Wells Fargo haben ihr Kursziel für American Airlines bereits auf 12 Dollar gesenkt. Rothschild & Co. Redburn stufte die Aktie auf Neutral zurück. Die Stimmung am Markt ist vorsichtig — und das dürfte sich auf Investitionsentscheidungen in der gesamten Reisebranche auswirken.



