Deutsche Urlauber buchen häufiger nah gelegene Ziele – und länger. Bei Center Parcs liegt der Anteil von Aufenthalten mit sieben oder mehr Nächten aktuell bei rund 30 Prozent, sonst sind es 12 bis 15 Prozent. Geopolitische Unsicherheiten, Klimabewusstsein und der Wunsch nach planbarem Urlaub treiben den Trend. Der klassische Fernflug verliert als Hauptreise an Bedeutung.
Geopolitik, Klimadebatte und schlechte Erfahrungen am Flughafen tun gerade gemeinsam das, was Nachhaltigkeitskampagnen allein nie geschafft haben: Sie bringen die Deutschen dazu, ihren Jahresurlaub umzuplanen. Statt Langstreckenflug und Fünf-Sterne-Resort buchen viele jetzt Ferienpark, Zugticket und Fahrrad. Der Trend zum erdgebundenen Reisen ist 2026 kein Nischenphänomen mehr.
Buchungszahlen zeigen den Schwenk
Die Zahlen von Center Parcs sind konkret: Aufenthalte mit mindestens sieben Nächten machen derzeit rund 30 Prozent aller Buchungen aus. In einem normalen Jahr bewegt sich dieser Wert zwischen 12 und 15 Prozent. Das ist mehr als eine Verdopplung.
Laut Ibo Degirmenci, Sales Director bei Center Parcs, fällt dabei besonders der hohe Anteil an Erstgästen auf – Menschen also, die das Konzept Ferienpark bisher gemieden haben und jetzt bewusst nach einer Alternative zum Fernziel suchen. Das deutet darauf hin, dass der Trend keine Verschiebung innerhalb der Stammklientel ist, sondern neue Zielgruppen erschließt.
Viele Gäste wünschen sich heute einen Urlaub, der möglichst stressfrei beginnt und überschaubar bleibt. Planbarkeit und Nähe werden wichtiger – genauso wie das Gefühl, sich während des Aufenthalts flexibel und sicher bewegen zu können.
– Frank Daemen, Geschäftsführer Center Parcs Deutschland
Was den Nahurlaub gerade attraktiv macht
Es ist kein einzelner Faktor, der den Fernflug als Haupturlaub ablöst – es ist ein Bündel aus Motiven, das sich gegenseitig verstärkt:
- Sicherheit und Planbarkeit: Streiks, Flugausfälle, politische Instabilität in beliebten Urlaubsregionen machen Fernreisen riskanter – nicht im Sinne von Gefahr, sondern im Sinne von Verlässlichkeit.
- Klimabewusstsein: Aktuelle Studien zeigen, dass ein Großteil der Reisenden Urlaub künftig klimabewusster organisieren will. Kurze Anreise per Auto oder Bahn passt dazu besser als Langstreckenflug.
- Weniger Ortswechsel: Ein Ziel, eine Unterkunft, eine Woche – das Konzept „slow travel“ gewinnt auch bei Familien mit Kindern an Attraktivität.
- Kostenkontrolle: Fernreisen werden teurer. Kerosinsteuer-Debatten, gestiegene Hotelpreise in Übersee und teure Flughafentransfers machen den Nahurlaub preislich konkurrenzfähiger.
Center Parcs als Profiteur – und als Fallbeispiel
Center Parcs betreibt Ferienparks in Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Belgien und Frankreich – alle mit Eigenanreise per Auto oder Bahn erreichbar. Das Konzept war immer auf längere Aufenthalte ausgelegt: wetterunabhängige Badewelten, Indoor-Spielbereiche, Spa, Fahrradverleih und geführte Naturerlebnisse. Was früher eher als Familiennotlösung galt, wird jetzt als bewusste Wahl positioniert.
Die Groupe Pierre et Vacances Center Parcs – europäischer Marktführer im Nahtourismus – hat dafür den Strategieplan „Reinvention 2025“ gestartet. Schwerpunkte: erneuerbare Energien, energieeffiziente Bauweise, Biodiversitätsprojekte und Ladeinfrastruktur für E-Autos.
- Standorte in DE, NL, BE, FR, DK – alle mit Eigenanreise erreichbar
- Überdachte Badewelten und Indoor-Bereiche für wetterunabhängigen Aufenthalt
- Fahrradverleih, Sportprogramme, geführte Naturerlebnisse vor Ort
- E-Ladestationen auf dem Parkgelände
- Aufenthalte von 2 Nächten bis mehreren Wochen buchbar
- Anteil 7+-Nächte-Buchungen: aktuell ~30 % (Normalwert: 12–15 %)
Was das für die Reisebranche bedeutet
Der Trend trifft unterschiedliche Segmente der Branche sehr verschieden. Wer auf Nahtourismus setzt – Ferienparks, Campingplätze, Ferienhäuser in Deutschland und Westeuropa, Zugreiseveranstalter – kann gerade stark zulegen. Wer auf Fernflug-Pauschalreisen spezialisiert ist, spürt den Gegenwind.
Reiseveranstalter berichten branchenweit von anhaltend hoher Nachfrage nach Eigenanreise-Zielen, insbesondere innerhalb Deutschlands und in europäischen Nachbarländern. Anbieter wie Wikinger Reisen mit ihrem Rad- und Aktivreise-Programm oder Zugreiseanbieter wie Byway profitieren strukturell von diesem Schwenk.
Fazit: Nahurlaub braucht keine Entschuldigung mehr
Wer 2026 seinen Jahresurlaub in einem Ferienpark in der Eifel oder an der Nordseeküste verbringt, muss das niemandem mehr erklären. Die Motive – weniger Stress, mehr Kontrolle, besseres Klima-Gewissen – sind salonfähig. Ob das ein dauerhafter Strukturwandel ist oder sich nach Normalisierung der geopolitischen Lage wieder verschiebt, bleibt offen. Kurzfristig profitieren jedenfalls alle Anbieter, die auf Nähe, Naturerlebnis und unkomplizierte Anreise setzen.
