Das Wichtigste in Kürze

Die Fürgast Betriebsgastronomie GmbH aus Seiersberg-Pirka südlich von Graz hat Insolvenz angemeldet. Verbindlichkeiten von rund 11,4 Millionen Euro stehen im Raum, 47 Mitarbeiter und rund 100 Gläubiger sind betroffen. Ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung soll den Betrieb von Hotel und Restaurant „Das Grambacher“ sichern.

Nächster Insolvenzfall in der steirischen Gastro-Szene: Die Fürgast Betriebsgastronomie GmbH, Betreiberin von Hotel und Restaurant „Das Grambacher“ im südsteirischen Seiersberg-Pirka, hat am Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände Creditreform und KSV1870.

Die Zahlen: Millionenschulden, kaum Spielraum

Laut Eigenantrag weist das Unternehmen Verbindlichkeiten von rund 11,4 Millionen Euro auf. Die Überschuldung beziffert sich auf etwa 4 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen Aktiva zu Liquidationswerten – eine Konstellation, die wenig Puffer lässt.

ZAHLEN & FAKTEN Insolvenz Fürgast Betriebsgastronomie GmbH
11,4 Mio. €
Gesamtverbindlichkeiten
Laut Eigenantrag beim Landesgericht Graz.
~4 Mio. €
Überschuldung
Differenz zwischen Verbindlichkeiten und Aktiva zu Liquidationswerten.
47
Betroffene Mitarbeiter
Laut KSV1870 und AKV direkt vom Verfahren betroffen.
~100
Gläubiger
Gläubigerzahl laut Creditreform.
Quelle: Creditreform, KSV1870, AKV – Stand Insolvenzantrag 2025

Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung: Was das bedeutet

Das Gericht hat ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Das heißt konkret: Ein gerichtlich bestellter Masseverwalter übernimmt die Kontrolle über das Unternehmen – die bisherige Geschäftsführung verliert die freie Verfügungsgewalt. Ziel ist trotzdem die Fortführung, kein sofortiger Verkauf oder Liquidation.

Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung – kurz erklärt
  • Ein Masseverwalter übernimmt die Kontrolle über das Unternehmen
  • Der Betrieb läuft weiter – Gäste, Personal und Lieferanten bleiben zunächst an Bord
  • Ein Sanierungsplan muss ausgearbeitet und von der Gläubigerversammlung angenommen werden
  • Gläubiger erhalten in der Regel eine Quote – also nur einen Teil ihrer Forderungen
  • Scheitert der Plan, droht die Umwandlung in ein Konkursverfahren

Betrieb läuft – aber wie lange noch?

Hotel und Restaurant „Das Grambacher“ in Seiersberg-Pirka bleiben vorerst offen. Die Fortführung ist erklärtes Ziel des Verfahrens. Ob das gelingt, entscheidet sich in den nächsten Wochen: Der Sanierungsplan muss stehen, die rund 100 Gläubiger müssen zustimmen.

Für die 47 Beschäftigten ist die Lage angespannt. Lohnforderungen aus der Zeit vor Insolvenzantrag sind durch den Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) abgesichert – ein zumindest partielles Sicherheitsnetz. Die Weiterbeschäftigung hängt aber davon ab, ob der Masseverwalter den laufenden Betrieb wirtschaftlich aufrechterhalten kann.

Die Steiermark erlebt damit einen weiteren Gastro-Insolvenzfall innerhalb kurzer Zeit – ein Muster, das sich österreichweit wiederholt.

Kein Einzelfall: Gastro unter Druck

Die Insolvenz der Fürgast Betriebsgastronomie reiht sich in eine Serie von Schließungen und Insolvenzen in der österreichischen und steirischen Gastro- und Hotellandschaft ein. Gestiegene Energie- und Lebensmittelkosten, höhere Personalkosten durch Kollektivvertragserhöhungen und eine verhaltene Konsumnachfrage drücken die Margen – besonders in Segmenten, die Betriebsgastronomie und klassische Hotellerie kombinieren.

  • Energiekosten: Auch nach dem Rückgang der Extrempreise bleibt der Sockel deutlich über dem Vor-2022-Niveau
  • Personal: KV-Erhöhungen von teils über 8 % in den vergangenen zwei Jahren schlagen direkt auf die Lohnkosten durch
  • Nachfrage: Betriebsgastronomie leidet zusätzlich unter dem Homeoffice-Effekt – weniger Büropräsenz bedeutet weniger Mittagsgäste
  • Zinsen: Wer in den Niedrigzinsjahren investiert hat, spürt jetzt die Refinanzierungskosten

Ob der Sanierungsplan für Das Grambacher hält, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Der Ausgang ist ungewiss – aber die Alternative wäre ein Konkursverfahren mit unkalkulierbaren Folgen für Personal und Gläubiger.

HÄUFIGE FRAGEN

Was ist die Fürgast Betriebsgastronomie GmbH?

Die Fürgast Betriebsgastronomie GmbH mit Sitz in Seiersberg-Pirka südlich von Graz betreibt Hotel und Restaurant „Das Grambacher“. Das Unternehmen hat 47 Mitarbeiter beschäftigt.

Wie hoch sind die Schulden der Fürgast Betriebsgastronomie?

Laut Eigenantrag beim Landesgericht Graz belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund 11,4 Millionen Euro. Die Überschuldung beträgt etwa 4 Millionen Euro.

Bleibt Das Grambacher trotz Insolvenz geöffnet?

Ja, der Betrieb soll im Rahmen des Sanierungsverfahrens fortgeführt werden. Ob das gelingt, hängt vom Sanierungsplan und der Zustimmung der rund 100 Gläubiger ab.

Was bedeutet Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung?

Ein gerichtlich bestellter Masseverwalter übernimmt die Kontrolle über das Unternehmen. Die Geschäftsführung verliert die freie Verfügungsgewalt, der Betrieb läuft aber weiter, solange der Sanierungsplan trägt.

Sind die Löhne der Mitarbeiter bei einer Gastro-Insolvenz gesichert?

Lohnforderungen aus der Zeit vor dem Insolvenzantrag sind über den Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) abgesichert. Die Weiterbeschäftigung hängt davon ab, ob der Masseverwalter den Betrieb wirtschaftlich weiterführen kann.
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