Der Reise- und Tourismussektor im Nahen Osten wuchs 2025 um 5,3 % und übertraf damit den globalen Durchschnitt von 4,1 % deutlich. Haupttreiber war Saudi-Arabien mit einem Sektorwachstum von 7,4 % und einem explosiven Anstieg bei Business-Travel-Ausgaben. Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs im Februar 2026 droht ein massiver Einbruch.
Die Zahlen lesen sich wie eine Erfolgsstory: der World Travel & Tourism Council (WTTC) dokumentiert in seinem aktuellen Economic Impact Research, dass der Mittlere Osten 2025 weltweit die zweitschnellstwachsende Tourismusregion war. 5,3 % Sektorwachstum, 385,8 Milliarden US-Dollar Beitrag zum Welt-BIP, 7,1 Millionen gestützte Jobs. Die Ausgaben internationaler Besucher stiegen um 5,2 % – fast doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt von 3,2 %.
Und dann kam der 28. Februar 2026.
Saudi-Arabien als Wachstumsmotor
Innerhalb der Region sticht ein Land heraus: Saudi-Arabien. Das Königreich erwirtschaftete laut WTTC 178 Milliarden US-Dollar im Tourismussektor und macht damit rund 46 % des gesamten regionalen Sektor-BIPs aus. Das Sektorwachstum lag bei 7,4 % – nahezu doppelt so hoch wie der globale Schnitt.
Der entscheidende Faktor: Business Travel. Die Ausgaben internationaler Geschäftsreisender in Saudi-Arabien sprangen um mehr als 55 % – ein Wert, der in keiner anderen Region annähernd erreicht wurde. Investitionsgipfel, Mega-Events im Rahmen der Vision 2030 und eine aggressive internationale Wirtschaftsdiplomatie haben das Land als Zieldestination für Geschäftsreisende weltweit positioniert.
Was Business Travel so stark trieb
Saudi-Arabien hat in den vergangenen Jahren systematisch auf internationale Wirtschaftsevents gesetzt. Investitionsgipfel wie das Future Investment Initiative Forum ziehen regelmäßig Tausende Entscheider aus aller Welt nach Riad. Dazu kommen Sportevents (Formel 1, LIV Golf, Boxkämpfe) und der Aufbau neuer Wirtschaftszonen wie NEOM, die ihrerseits internationale Delegationen und Projektteams ins Land bringen.
Das Resultat: Business Travel ist in Saudi-Arabien kein Begleitphänomen mehr, sondern ein strategischer Sektor. Laut WTTC-Daten trägt das Königreich inzwischen fast die Hälfte des gesamten regionalen Sektor-BIPs im Tourismus.
„The Middle East continued to deliver strong Travel & Tourism growth in 2025, with Saudi Arabia playing a central role in driving this success and emerging as a leader in the region, with growth nearly double the global average.“
– Gloria Guevara, President & CEO, WTTC
Der Bruch: Iran-Krieg und seine Folgen
Was als Erfolgsstory begann, steht seit dem 28. Februar 2026 unter einem anderen Vorzeichen. Der Ausbruch des Iran-Kriegs hat die Wachstumsprognosen für die Region abrupt gekappt.
Laut WTTC kostet der Konflikt den Nahen Osten schätzungsweise 600 Millionen US-Dollar täglich an internationalen Besucherausgaben. Oxford Economics hat im März 2026 ebenfalls stark revidierte Prognosen für internationale Ankünfte und Ausgaben in der Region für das Gesamtjahr 2026 veröffentlicht.
- Internationale Geschäftsreisende meiden die Region zunehmend — Events werden verschoben oder ins Ausland verlagert.
- Airline-Verbindungen in den Nahen Osten werden ausgedünnt, Kapazitäten reduziert.
- Hotels in den Golfstaaten — insbesondere in Saudi-Arabien und den VAE — berichten von sinkenden Buchungsvolumen aus Europa und Nordamerika.
- Saudi-Arabiens Vision 2030 Tourismusziel (150 Millionen Besucher bis 2030) gerät unter Druck.
- Langfristige Investitionsprojekte wie NEOM dürften Verzögerungen bei der internationalen Projektbesetzung erfahren.
Geopolitik als Joker für den Tourismus
Die Zahlen aus dem WTTC Economic Impact Research 2026 zeigen ein grundlegendes Spannungsfeld: Tourismuswachstum in politisch instabilen Regionen ist fragil, egal wie stark die Fundamentaldaten sind. Saudi-Arabien hatte 2025 alles richtig gemacht – Infrastruktur, Events, Visastrategie. Aber kein Land kann sich gegen geopolitische Schocks vollständig absichern.
Für Fachkräfte in Hotellerie und MICE-Branche, die mit dem Nahen Osten arbeiten, bedeutet das: die Planbarkeit für 2026 ist gering. Wer Projekte oder Events in der Region hat, braucht belastbare Ausweichszenarien – und muss die Lageentwicklung enger im Blick behalten als in anderen Zielmärkten.
