Der Bayerische Jura zwischen Amberg, Regensburg und Kelheim ist eine der unbekanntesten Reiseregionen Deutschlands – mit erstaunlich viel Substanz. Wer genauer hinschaut, findet Europas einziges Sandskigebiet mit Liftanlage, eine 700 Jahre alte Fürstenmumie und Tropfsteinhöhlen, die sich noch heute verändern. Der Tourismusverband Ostbayern hat sieben Highlights zusammengestellt, die sich besonders für Familien lohnen.
Wacholderheiden zwischen weißen Jurakalkfelsen, mäandernde Flüsse und unter der Erde eine Märchenwelt, die keine Menschenhand entworfen hat. Der Bayerische Jura erstreckt sich über die Landkreise Kelheim, Neumarkt i.d.OPf., Amberg-Sulzbach und den westlichen Teil des Landkreises Regensburg – und bleibt im großen Reise-Rauschen erstaunlich oft unerwähnt. Das ist ein Fehler.
Unter der Erde: Tropfsteine, die Zwerge formen
Tief im Kalkstein bei Velburg liegt die König-Otto-Tropfsteinhöhle – ein Raum, den niemand gebaut hat. Wer die Augen wandern lässt, entdeckt Formen, die aussehen wie ein kauernder Frosch, ein steinerner Zwerg oder ein Schloss aus Wasser und Kalk. Die Adventhalle, erst 1972 entdeckt, zeigt Stalagmiten und Stalaktiten in reinem Weiß.
Die Höhle lebt noch immer. Tropfen für Tropfen verändert sie sich weiter – in einer Geschwindigkeit, die weit außerhalb menschlicher Lebenserwartung liegt. Eine Audioführung erlaubt das Staunen im eigenen Tempo, ohne Gruppenführer im Nacken.
- Lage: Bei Velburg, Landkreis Neumarkt i.d.OPf.
- Adventhalle: 1972 entdeckt, Stalagmiten und Stalaktiten in Weiß
- Führung: Audioführung verfügbar, alle Altersgruppen
- Benannt nach König Otto von Griechenland, der aus dem bayerischen Königshaus stammte
700 Jahre alte Mumie in der Klosterburg Kastl
Kastl empfängt seine Besucher ohne große Ankündigung. Der Markt liegt still, die Burg thront auf dem Klosterberg – und erst auf den zweiten Blick zeigt sich das eigentliche Geheimnis. Im sogenannten Paradies, der Vorhalle der Klosterkirche, schlummert seit fast 700 Jahren die Mumie der kleinen Prinzessin Anna.
Kaiser Ludwig der Bayer besuchte Kastl im Januar 1319. Seine Tochter erkrankte, starb und wurde einbalsamiert. Heute ist sie als Mumie zu sehen. Der Zugang zur Kirche ist frei. Die Burganlage selbst – frisch renoviert, seit fast tausend Jahren über Kastl wachend – bietet einen Ausblick, der die gesamte Region zu Füßen legt. Die Route der Goldenen Straße von Tillyschanz an der tschechischen Grenze bis Nürnberg passiert Kastl ebenfalls, bekannt auch für sein spätgotisches Hauptportal und das gotische Hochgrab.
Sandski im August: Europas seltsamste Piste
Ein Berg aus 35 Millionen Tonnen feinstem Quarzsand ragt 120 Meter aus der Oberpfälzer Ebene. Und auf ihm fahren Menschen Ski – mitten im Sommer. Der Monte Kaolino bei Hirschau ist das einzige Sandskigebiet der Welt mit Liftanlage und war bereits mehrfach Schauplatz von Welt- und Europameisterschaften.
- Sandski, Sandboard, BigFoot oder Zipflbob: vier Möglichkeiten, die 200 Meter lange, 40 Grad steile Piste hinunterzukommen
- Sommerrodelbahn, Freibad, Adventure-Golf und Hochseilgarten drumherum
- Mehrfach Austragungsort internationaler Wettkämpfe
- Geeignet für alle Altersgruppen, kein Schneeerlebnis nötig
Sieben Täler und ein keltischer Ringwall
Wer Dietfurt an der Altmühl ansteuert, landet mitten in einem geografischen Kunststück: Sieben Täler laufen hier zusammen – das Tal der Weißen Laber, das Mühlbachtal, das Ottmaringer Tal und vier weitere. Zwischen ihnen erhebt sich der Wolfsberg, ein 140 Meter hoher Inselberg.
Auf dem Plateau liegt ein keltischer Ringwall, der vor fast 3.000 Jahren Menschen schützte, Händler kontrollierte und Feinde abschreckte. Entlang des Main-Donau-Kanals rollen Familienradler heute über ebenes Terrain durch dasselbe Tal – ohne von der Geschichte darunter viel zu ahnen.
Was die Region noch zu bieten hat
Die sieben Highlights des Tourismusverbands sind nur der Anfang. Der Bayerische Jura hat laut Verband auch Teile des römischen Limes zu bieten sowie das Kloster Weltenburg am Donaudurchbruch – eines der bekanntesten Benediktinerklöster Deutschlands. Dazu kommen die Wallfahrtskirche Habsberg und die Burgruinen Hohenburg und Kallmünz als lohnende Abstecher.
- Kloster Weltenburg am Donaudurchbruch – Benediktinerkloster mit Klosterbrauerei
- Wallfahrtskirche Habsberg – markanter Punkt im Naturpark Altmühltal
- Burgruinen Hohenburg und Kallmünz – Ausblicke über die Juratäler
- Römischer Limes – UNESCO-Welterbe, verläuft durch die Region
Der Bayerische Jura liegt zwischen Amberg im Norden, Regensburg im Osten und Kelheim im Süden. Die Region umfasst die Landkreise Kelheim, Neumarkt i.d.OPf., Amberg-Sulzbach und den westlichen Teil des Landkreises Regensburg. Regensburg ist per Bahn gut erreichbar, für die Einzelziele in der Region empfiehlt sich ein Auto oder ein Leihrad. Infos beim Tourismusverband Ostbayern.
Was den Bayerischen Jura auszeichnet: Er funktioniert nicht als Hype-Destination. Wer kommt, kommt wegen der Substanz. Tropfsteinhöhlen, historische Kuriositäten, bizarre Naturdenkmäler und ein Freizeitberg aus Industriesand – das ist eine Mischung, die sich nicht inszenieren lässt. Die ist einfach da.



