Das Wichtigste in Kürze

74 % der Reisenden weltweit berücksichtigen bei der Reiseplanung inzwischen extreme Wetterereignisse – vor allem Hitzewellen. 31 % haben im letzten Jahr eine Reise geändert oder storniert. Das zeigt der neue Nachhaltigkeitsbericht von Booking Holdings, für den 32.500 Reisende in 35 Märkten befragt wurden.

Hitze schlägt sich inzwischen direkt im Buchungsverhalten nieder. Laut dem Booking Holdings Sustainability Report 2026 geben fast drei Viertel aller Reisenden an, bei der Wahl von Reiseziel und Reisezeitraum explizit auf extreme Wetterbedingungen zu achten – jeweils 74 % beim Ziel und beim Timing. Das ist kein Nischenphänomen mehr.

Noch konkreter: 31 % haben in den letzten zwölf Monaten eine Reise geändert oder komplett abgesagt – oft noch vor Reiseantritt. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 %) sagt, bestimmte Ziele seien zum bevorzugten Reisezeitpunkt inzwischen zu heiß zum Besuchen.

Umverteilung statt Rückzug

Was die Daten deutlich machen: Reisende hören nicht auf zu reisen. Sie reisen anders. Nachfrage verschiebt sich – weg von überhitzten Hauptsaisondestinationen, hin zu kühleren Regionen und in die Schultersaison. „Mai ist das neue Juli“ ist keine Marketingphrase mehr, sondern messbare Realität.

Besonders spürbar ist der Effekt in populären Mittelmeerregionen. Hitzewellen und Übertourismus treffen dort gleichzeitig auf – und verstärken sich gegenseitig. Reisende meiden nicht nur die Hitze, sondern auch die Massen.

Zahlen aus dem Booking Holdings Report 2026
  • 32.500 befragte Reisende in 35 Märkten weltweit
  • 74 % berücksichtigen Extremwetter bei der Wahl des Reiseziels
  • 74 % berücksichtigen Extremwetter bei der Wahl des Reisezeitraums
  • 31 % haben eine Reise geändert oder storniert wegen Extremwetter oder Naturkatastrophen
  • 55 % sagen, bestimmte Ziele sind zum Wunschzeitpunkt zu heiß

Coolcations: Der Trend zu kühlen Destinationen

Was früher als Nerd-Begriff galt, ist im Mainstream angekommen: „Coolcations“ – Urlaub bewusst in kühlen Regionen. Norwegen statt Italien, Schottland statt Spanien, Island statt Kroatien. Klimadaten und Reiseplanung rücken enger zusammen.

Buchungsplattformen reagieren darauf. Wetterintegration in Reise-Tools gewinnt an Bedeutung – Reisende wollen nicht nur Preise und Verfügbarkeiten vergleichen, sondern auch Temperaturen und Wetterrisiken direkt im Buchungsprozess sehen.

  • Schultersaison-Buchungen nehmen in klassischen Sommerdestinationen zu
  • Interesse an nordeuropäischen und hochgelegenen Zielen wächst deutlich
  • Wetter-Filter und Klimadaten in Buchungstools werden stärker genutzt
  • Corporate Travel treibt Nachfrage nach zertifiziert nachhaltigen Unterkünften

Nachhaltigkeit: Nachfrage da, Angebot noch dünn

Der Report zeigt auch: Das Interesse an zertifiziert nachhaltigen Unterkünften wächst – besonders im Geschäftsreisebereich. Unternehmen stehen unter Druck, ihre Reise-Emissionen zu reporten, und buchen entsprechend selektiver.

Das Problem: Zertifizierte Unterkünfte machen noch immer nur einen kleinen Teil der Gesamtlistings aus. Das Angebot hält mit der Nachfrage nicht Schritt – eine Lücke, die für Hotels mit echter Nachhaltigkeitsstrategie und entsprechenden Zertifizierungen ein klares Differenzierungspotenzial darstellt.

Für Hotels in überhitzten Top-Destinationen ist das ein konkretes Signal: Wer die Schultersaison attraktiver gestaltet – durch Angebote, Preisgestaltung und Kommunikation – fängt Nachfrage auf, die sonst wegbricht.

Was das für die Hospitality-Branche bedeutet

Die Daten aus dem Booking Holdings Report sind kein abstraktes Klimastatement. Sie sind Buchungsrealität. Hotels, Resorts und Betreiber in Sonnendestinationen müssen ihre Saison-Strategie neu denken – nicht weil es politisch korrekt ist, sondern weil Gäste es verlangen.

  • Revenue Management: Schultersaison-Preisstrategien und -pakete stärker ausbauen
  • Produktentwicklung: Hitze-resiliente Angebote – Innenpool, abendliche Aktivitäten, klimatisierte Erlebnisse
  • Kommunikation: Transparenz über Temperaturen und beste Reisezeiten als Buchungsargument, nicht als Risiko
  • Zertifizierung: Nachhaltigkeitszertifizierungen werden im Corporate-Segment zum Buchungskriterium

Die Verschiebung läuft bereits. Wer jetzt seine Saison-Strategie anpasst, profitiert. Wer wartet, verliert Buchungen an Wettbewerber, die schneller reagiert haben.

HÄUFIGE FRAGEN

Wie viele Reisende ändern ihre Pläne wegen Extremhitze?

Laut dem Booking Holdings Sustainability Report 2026 haben 31 % der befragten Reisenden im letzten Jahr eine Reise geändert oder storniert – wegen Extremwetter oder Naturkatastrophen. 74 % berücksichtigen Hitze inzwischen bei der Wahl des Reiseziels.

Was sind Coolcations?

Coolcations bezeichnen Urlaube, bei denen Reisende bewusst kühlere Destinationen wählen – etwa Norwegen statt Spanien oder Schottland statt Kroatien. Der Trend wächst direkt als Reaktion auf zunehmende Hitzewellen in klassischen Sommerdestinationen.

Was bedeutet der Klimatrend für Hotels in Sonnendestinationen?

Hotels müssen ihre Saisonstrategien anpassen: Schultersaison-Angebote ausbauen, hitzeresilientere Erlebnisse entwickeln und transparent über beste Reisezeiten kommunizieren. Nachhaltigkeitszertifizierungen gewinnen vor allem im Geschäftsreisesegment an Bedeutung.

Hören Menschen wegen der Hitze auf zu reisen?

Nein – die Daten zeigen eine Umverteilung, keinen Rückzug. Reisende weichen in kühlere Regionen und die Schultersaison aus, statt komplett auf Reisen zu verzichten.

Wie groß ist das Angebot an nachhaltig zertifizierten Unterkünften?

Obwohl die Nachfrage nach zertifizierten Unterkünften wächst – besonders im Corporate Travel –, machen diese noch immer nur einen kleinen Teil der Gesamtlistings auf Plattformen wie Booking.com aus. Das Angebot hält mit der Nachfrage nicht Schritt.
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