Das Wichtigste in Kürze

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte sind im April 2026 um 1,7 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen – der stärkste Anstieg seit Mai 2023. Haupttreiber: Mineralölerzeugnisse (+35,5 % gegenüber April 2025). Nahrungsmittel dagegen sind günstiger geworden, Butter sogar um fast 39 %.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat die Zahlen am 20. Mai 2026 veröffentlicht: Erzeugerpreise gewerblicher Produkte legten im April 2026 um 1,7 % gegenüber April 2025 zu. Zum Vormonat März 2026 kletterten sie um 1,2 %. Für Hotels, Restaurants und Cateringunternehmen bedeutet das: Die Kosten in mehreren wichtigen Ausgabenbereichen ziehen gleichzeitig an.

Mineralöl reißt die Energiepreise nach oben

Energie war im April 2026 insgesamt 2,0 % teurer als im Vorjahresmonat. Der Haupttreiber ist eindeutig: Mineralölerzeugnisse verteuerten sich um 35,5 % gegenüber April 2025 – und um weitere 10,7 % allein gegenüber März 2026. Destatis nennt als Ursache die anhaltenden Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten.

Im Detail sehen die Preisbewegungen bei Mineralölprodukten so aus:

  • Leichtes Heizöl: +57,6 % gegenüber April 2025 (−1,6 % gegenüber März 2026)
  • Rohbenzin (Naphtha): +47,4 % gegenüber April 2025 (+19,9 % zum Vormonat)
  • Kraftstoffe: +34,0 % gegenüber April 2025 (+2,2 % zum Vormonat)

Gegenläufig entwickeln sich Erdgas und Strom. Erdgas kostete über alle Abnehmergruppen hinweg 3,1 % weniger als im Vorjahresmonat, Strom sogar 4,7 % weniger. Fernwärme verbilligte sich um 0,6 %. Für Betriebe, die ihre Energiebeschaffung auf Gas oder Strom ausgerichtet haben, gibt es also zumindest hier eine gewisse Entlastung.

Energie-Überblick April 2026 vs. April 2025
  • Energie gesamt: +2,0 %
  • Mineralölerzeugnisse: +35,5 %
  • Kraftstoffe: +34,0 %
  • Leichtes Heizöl: +57,6 %
  • Erdgas: −3,1 %
  • Strom: −4,7 %
  • Fernwärme: −0,6 %

Quelle: Destatis, Pressemitteilung Nr. 169 vom 20. Mai 2026

Nahrungsmittel: Entlastung bei Butter und Schwein

Für die Gastronomie gibt es auch gute Nachrichten. Nahrungsmittelpreise sanken insgesamt um 2,5 % gegenüber April 2025. Butter war satte 38,8 % günstiger als vor einem Jahr. Schweinefleisch kostete 11,0 % weniger als im April 2025 – allerdings zog es zum Vormonat März 2026 schon wieder um 3,0 % an.

Anders sieht es bei Rindfleisch aus: +9,0 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Wer Rindfleisch auf der Speisekarte führt, spürt das direkt im Wareneinsatz.

ZAHLEN & FAKTEN Nahrungsmittelpreise April 2026 vs. April 2025
−38,8 %
Butter
Deutlichster Preisrückgang bei Nahrungsmitteln gegenüber April 2025.
günstiger
+9,0 %
Rindfleisch
Teurer als April 2025 – spürbar für Restaurants mit Fleischkarte.
teurer
−2,5 %
Nahrungsmittel gesamt
Verbrauchsgüter insgesamt 1,0 % günstiger als im April 2025.
günstiger
Quelle: Destatis, Pressemitteilung Nr. 169, 20. Mai 2026

Metalle und Vorleistungsgüter: Druck auf die Lieferkette

Vorleistungsgüter – also Waren, die in die Produktion anderer Güter einfließen – verteuerten sich um 2,6 % gegenüber April 2025. Metalle sprangen dabei besonders stark: +9,1 % zum Vorjahresmonat. Edelmetalle trieben diesen Anstieg laut Destatis maßgeblich an.

Für die Hospitality-Branche ist das vor allem mittelbar relevant: Wer Renovierungen plant, Küchenequipment kauft oder Möbel bestellt, merkt den Metalldruck über höhere Lieferantenpreise – auch wenn diese nicht sofort auf der Rechnung stehen.

Investitionsgüter wie Maschinen (+1,9 %) und Kraftwagen (+1,3 %) wurden ebenfalls teurer. Gebrauchsgüter legten um 1,9 % zu.

Was das für Hotellerie und Gastronomie bedeutet

Der Erzeugerpreisindex ist kein direktes Maß für das, was im Einkauf eines Hotels oder Restaurants ankommt – aber er ist ein zuverlässiger Frühindikator. Was auf Produzentenebene teurer wird, landet mit einigen Wochen Verzögerung auf der Lieferantenrechnung.

Redaktions-Einschätzung: Der Mineralölpreisschock trifft Betriebe mit hohem Fuhrpark- oder Lieferaufwand am härtesten – Cateringunternehmen, Housekeeping-Flotten und Kühllogistik sollten ihre Verträge prüfen.
  • Energiebeschaffung: Laufende Strom- und Gasverträge überprüfen – die Preise dort sind gesunken
  • Wareneinsatz Fleisch: Rindfleisch-Anteil auf der Karte gegen günstigere Alternativen abwägen
  • Butter-Budget: Massiv günstiger als vor einem Jahr – Konditorei und Frühstücksbuffet profitieren
  • Investitionsplanung: Metallpreise (+9,1 %) bei Renovierungs- und Equipmentbudgets einrechnen
  • Kraftstoffe: Lieferanten mit hohem Fahraufwand werden Preiserhöhungen weitergeben

Der konjunkturelle Ausblick bleibt dabei angespannt. Die deutschen Exporte sinken 2026 laut Branchenberechnungen zum vierten Mal in Folge, während der Welthandel um 1,7 % zulegt. Die Nahost-Krise belastet die Erholung zusätzlich. Für die Hospitality-Branche, die auf stabile Gästezahlen und Konsumbereitschaft angewiesen ist, ist das kein Rückenwind.

HÄUFIGE FRAGEN

Warum sind die Erzeugerpreise im April 2026 so stark gestiegen?

Der stärkste Treiber ist der Mineralölpreisanstieg (+35,5 % gegenüber April 2025), ausgelöst durch die anhaltenden Kriegshandlungen im Iran und Nahen Osten. Dazu kommen höhere Metall- und Vorleistungsgüterpreise.

Welche Lebensmittelpreise sind im April 2026 gesunken?

Butter war 38,8 % günstiger als im April 2025, Schweinefleisch 11,0 % günstiger. Nahrungsmittelpreise sanken insgesamt um 2,5 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Was bedeutet der Erzeugerpreisanstieg für Restaurants und Hotels?

Erzeugerpreise sind ein Frühindikator – was auf Produzentenebene teurer wird, landet mit einigen Wochen Verzögerung bei Lieferanten. Besonders Betriebe mit hohem Kraftstoff- oder Metallbedarf spüren den Druck zuerst.

Sind Strom und Gas auch teurer geworden?

Nein – Strom sank um 4,7 % und Erdgas um 3,1 % gegenüber April 2025. Fernwärme war 0,6 % günstiger. Betriebe mit Gas- oder Stromverträgen können hier profitieren.

Wann gab es zuletzt einen so starken Erzeugerpreisanstieg?

Der letzte stärkere Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat war im Mai 2023 mit +2,5 %. Seitdem hatte sich das Preiswachstum abgeschwächt.
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