MakeMyTrip, Indiens führende Online-Reiseplattform und aktuell an der Nasdaq gelistet, prüft eine Zweitnotierung an indischen Börsen. Die interne Umstrukturierung läuft – ein konkreter Zeitplan fehlt noch. Größtes Hindernis: Indien verbietet aktuell Dual-Listings.
Strukturumbau als erster Schritt
Der Schritt kam still, aber er kam. MakeMyTrip hat seine indischen Kernmarken unter einem einzigen Dach zusammengeführt. Konkret: redBus India wurde in MakeMyTrip India eingegliedert. Das klingt nach Verwaltungsakt – ist aber die Voraussetzung für alles, was danach kommen soll.
CFO Dipak Bohra erklärte auf dem Earnings Call zum Geschäftsjahr März 2026: „We completed our internal restructuring to combine all our key brands operating in India under a single entity with the merger of redBus India into MakeMyTrip India. These steps were undertaken to enable the company to evaluate a potential listing of the overall India business at the appropriate stage, which will strengthen our brand further in India and allow access to a differentiated and new pull of capital across institutional and material investors.“
Konkrete Daten? Fehlanzeige. COO Mohit Kabra machte deutlich, dass vor einer möglichen Notierung noch mehrere rechtliche, steuerliche und regulatorische Prozesse abgeschlossen werden müssen.
Das eigentliche Problem: Dual-Listing verboten
Hier liegt der Knoten. MakeMyTrip ist an der Nasdaq in New York gelistet – und Indien erlaubt aktuell keine gleichzeitige Notierung an ausländischen und inländischen Börsen. Das Unternehmen müsste entweder die Nasdaq-Notierung aufgeben oder eine Struktur finden, die rechtlich wasserdicht ist.
- MakeMyTrip ist seit 2010 an der Nasdaq gelistet
- Indien untersagt Dual-Listings für ausländisch notierte Konzerne
- Eine Lösung könnte die Ausgliederung der India-Business-Einheit als eigenständige Gesellschaft sein
- Laut Bloomberg hat MakeMyTrip die Bank Axis Capital sowie weitere Top-Investmentbanken mandatiert
- Ein IPO im ersten Quartal 2027 gilt als mögliches Szenario – offiziell bestätigt ist nichts
KI als Wachstumsmotor
Parallel zum IPO-Drama treibt MakeMyTrip die KI-Integration konsequent voran. Der hausinterne Assistent Myra übernimmt inzwischen einen signifikanten Anteil der Kundeninteraktionen – von Buchungsabschlüssen bis zur Entlastung des menschlichen Kundenservice. Genaue Zahlen nennt das Unternehmen nicht öffentlich, die Richtung aber schon: Conversion-Rate rauf, Support-Aufwand runter.
Inlandsreisen federn internationale Schwäche ab
Das Geschäftsjahr bis März 2026 verlief trotz geopolitischer Turbulenzen stabil. Der Grund: Während der internationale Reiseverkehr durch regionale Konflikte unter Druck geriet, legte das Inlandsgeschäft deutlich zu.
- Bus-Ticketing (redBus) mit starkem Wachstum
- Cab-Buchungen als wachsendes Segment
- Hotel-Buchungen im Inland mit hoher Nachfrage
- Lokaltourismus als stabilisierender Faktor
Das zeigt: MakeMyTrip ist längst kein reines Flug-Buchungsportal mehr. Die Plattform deckt die gesamte Reisekette ab – und profitiert davon, dass Indien selbst zum Reiseziel geworden ist.
Warum der Heimatmarkt strategisch Sinn ergibt
Indiens Kapitalmarkt wächst. Die Zahl der Demat-Konten – also Wertpapierdepots – hat die 150-Millionen-Marke überschritten. Retailinvestoren stürzen sich auf Tech- und Konsumwerte. Ein MakeMyTrip-IPO in Mumbai oder Delhi würde auf eine breite Käuferbasis treffen, die das Produkt kennt und nutzt.
Für das Unternehmen bedeutet eine Inlandsnotierung auch: Zugang zu lokalem institutionellem Kapital, gestiegene Markenpräsenz und möglicherweise günstigere Bewertungsvielfache in einem Markt, der Growth-Stories anders bewertet als Wall Street.
- Gegründet: 2000 in Indien
- Hauptsitz: Gurugram (Haryana)
- Börsennotierung: Nasdaq (seit 2010)
- Kernmarken: MakeMyTrip, Goibibo, redBus
- Produkte: Flüge, Hotels, Busse, Cabs, Ferienpakete
- Größter Einzelaktionär: Trip.com Group (ehemals Ctrip)


