Das Start-up Nunc aus Konstanz verkauft ein zweiteiliges System aus Siebträgermaschine und Mühle für rund 2.700 Euro. NFC-Chips in den Kaffeepods steuern automatisch Mahlgrad, Wasserdruck und Brühtemperatur. Im Test liefert das System konstant gute Ergebnisse – hat aber einige blinde Flecken.
Wer morgens um sieben keinen Bock hat, Mahlgrad zu justieren und Tamperdruck zu üben, war bisher auf Kapseln oder Vollautomaten angewiesen. Nunc will das ändern – mit einem System, das Siebträger-Espresso vollautomatisch produziert, ohne den Nutzer aus dem Prozess zu drängen. Das klingt widersprüchlich. Im Test ist es das nicht unbedingt.
Was Nunc anders macht als andere Siebträger
Nunc kommt aus Konstanz und verkauft kein einzelnes Gerät, sondern ein Ökosystem: Mühle und Siebträgermaschine als zwei separate Einheiten, die per Bluetooth kommunizieren. Das ist kein Designunfall. Geht die Mühle kaputt, muss nur die Mühle eingeschickt werden – nicht das gesamte System. Wer wenig Küchenplatz hat, kann beide Geräte getrennt aufstellen.
Das eigentliche Herzstück steckt im Kaffeepod: eine kleine Dose mit 120 Gramm Bohnen und einem NFC-Chip. Sobald der Pod in die Mühle eingesetzt wird, liest die Maschine Sorte, Röstdatum und Öffnungsdatum. Dazu kommen Sensordaten zu Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit und Mahlscheiben-Temperatur. Aus all dem berechnet das System automatisch Mahlgrad, Wasserdruck, Durchfluss und Brühtemperatur. Der Hersteller spricht von bis zu 3.000 berücksichtigten Datenpunkten – überprüfbar ist das nicht. Was überprüfbar ist: Das Ergebnis im Glas.
- Preis: ca. 2.700 Euro (Mühle + Maschine)
- Kaffeepods: 120 g Bohnen, mit NFC-Chip
- Kommunikation zwischen Geräten: Bluetooth
- Sensorik: Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit, Mahlscheiben-Temperatur
- Tamper: federgelagert, konstantem Druck
- Milchaufschäumer: automatisch, mit Temperatursteuerung
- App: Füllstandsanzeige und weitere Einstellungen
- Hersteller: Nunc, Konstanz (Deutschland)
Was im Test wirklich funktioniert
Die Crema sitzt. Kein überextrahierter Shot, keine schlaffe Oberfläche. Wer noch nie einen Siebträger in der Hand hatte, bekommt mit Nunc einen Espresso hin, der sich im direkten Vergleich nicht verstecken muss. Das Tampen – das Verdichten des Kaffeemehls im Siebträger – übernimmt ein federgelagerter Tamper mit konstantem Druck. Menschliche Fehler fallen hier einfach weg.
Besonders stark ist der Bohnenwechsel. Bei herkömmlichen Siebträgern bedeutet ein Sortenwechsel: Mühle leeren, reinigen, neu kalibrieren. Das kostet Zeit und Nerven – weshalb die meisten es schlicht lassen. Bei Nunc reicht es, den Pod zu tauschen. Die Maschine liest den neuen Chip, passt alle Parameter automatisch an.
Der Milchaufschäumer arbeitet ebenfalls automatisch und trifft die gewünschte Temperatur zuverlässig. Die Textur taugt für Latte Art – die Kunst selbst muss man allerdings noch mitbringen.
Wo das System an seine Grenzen stößt
Nunc ist nicht ohne Schwächen. Wer morgens im Halbschlaf schnell einen Espresso will, wird von der Portionierzeit überrascht: rund eine Minute dauert es, begleitet von einem rhythmischen Klackgeräusch, während die Mühle die Bohnen abwiegt. Das ist kein Drama – aber es ist hörbar.
- Milchschaum ohne Unterschied: Cappuccino und Flat White bekommen dieselbe Konsistenz – obwohl beide eigentlich eine andere Schaumtextur brauchen.
- Heißwasser mit Limit: Nach etwa 200 ml braucht die Pumpe eine Pause. Tee aus der Nunc zu brühen ist möglich, aber zäh.
- Kein Tassenvorwärmer: Eine Ablagefläche mit Aufwärmfunktion fehlt komplett.
- Füllstand unsichtbar: In die Pods lässt sich nicht hineinsehen. Die Maschine warnt erst, wenn die letzte Bohne durch ist – wer früher Bescheid wissen will, muss die App öffnen oder den Pod schütteln.
Der fehlende Füllstandsindikator wirkt wie ein vergessenes Detail in einem ansonsten sorgfältig durchdachten System. Im schlimmsten Fall bricht eine Extraktion mittendrin ab.
Für wen lohnt sich Nunc – und für wen nicht
2.700 Euro sind kein Spontankauf. Zum Vergleich: Die Sage Barista Touch Impress – ebenfalls für Einsteiger konzipiert, mit automatischer Tamperfunktion – liegt bei rund 900 bis 1.100 Euro. Modelle mit PID-Temperaturregelung und integriertem Mahlwerk starten ab etwa 500 Euro und liefern ebenfalls konstante Ergebnisse.
- Du wechselst regelmäßig zwischen Sorten und willst keine manuelle Neukalibrierung
- Du willst Barista-Ergebnisse ohne Einarbeitung
- Du schätzt modulares Design und einfache Reparierbarkeit
- Du betreibst ein Büro, eine Lounge oder ein Serviced Apartment mit Selbstbedienung
Wer dagegen Spaß am Handwerk hat – am Tüfteln, am Einstellen, am Optimieren –, wird mit Nunc nicht glücklich. Das System nimmt bewusst die Kontrolle weg. Für manche ist das Befreiung. Für andere ist es der eigentliche Grund, sich einen Siebträger anzuschaffen.
Für Hotels, Coworking-Spaces oder Boutique-Unterkünfte, die ihren Gästen Selbstbedienungs-Espresso anbieten wollen, hat das System einen klaren Vorteil: kein Schulungsaufwand, kein Barista nötig, konstante Qualität. Der hohe Anschaffungspreis relativiert sich bei gewerblicher Nutzung schneller als im privaten Haushalt. Allerdings gilt auch hier: Die Pod-Bindung bedeutet eine laufende Abhängigkeit vom Nunc-Sortiment.
Fazit: Solides Versprechen, ein paar offene Baustellen
Nunc liefert, was es verspricht: konstanten Espresso ohne Lernkurve. Das NFC-Pod-System ist durchdacht, der Bohnenwechsel ist ein echter Fortschritt, die Verarbeitung ist stark. Wer 2.700 Euro ausgibt und morgens einfach nur einen guten Kaffee will, bekommt genau das.
Die blinden Flecken – fehlende Füllstandswarnung, lange Portionierzeit, kein Tassenvorwärmer – sind keine Dealbreaker, aber sie zeigen, dass das System noch nicht fertig gedacht ist. Version 2.0 dürfte interessant werden.

