Das Wichtigste in Kürze

Anfang April hat das Amtsgericht Charlottenburg die Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung für 175 Hotels der Revo Hospitality Group eröffnet. Der Betrieb läuft weiter, die Gehälter zahlen die Betriebsgesellschaften seit April wieder selbst. Verbindliche Investoren-Angebote sollen bis Ende April vorliegen.

Von 51 auf 250 Hotels – und dann die Wand

Revo Hospitality – bis 2025 unter dem Namen HR Group bekannt – startete 2008 mit einem einzelnen Hotel in Leipzig. 2020 zählte das Portfolio 51 Häuser. Dann begann ein Expansionsrausch: Die Gruppe wuchs auf rund 250 Hotels in zwölf europäischen Ländern, erzielte einen Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Euro und beschäftigte 8.300 Menschen. Einen Meilenstein setzte die Übernahme der H-Hotels-Gruppe im Februar 2025 – über 60 Häuser auf einen Schlag.

Das Problem: Die Übernachtungszahlen stiegen nicht wie erwartet, der geplante Umsatz für 2025 wurde verfehlt. Steigende Lohnkosten, höhere Mindestlöhne, Miet- und Energiepreise fraßen die Margen. Die schnelle Expansion erzeugte Doppelstrukturen und massive Integrationsprobleme. Laut North Data war der Konzern zuletzt mit 19,9 Millionen Euro überschuldet – und hat seit 2014 keine Gewinne mehr geschrieben.


White-Label-Modell: Das unsichtbare Risiko

Revo betreibt keine eigene Gastmarke, die du auf dem Türschild erkennst. Über der Tür steht Mövenpick, Mercure, Pullman, Hilton Garden Inn oder Vienna House by Wyndham. Wirtschaftlich geführt wird das Haus von Revo. Dieses White-Label-Modell verspricht Skaleneffekte – ein Betreiber, viele Franchise-Flaggen. Doch jede Marke verlangt eigene Standards, IT-Systeme, Berichtspflichten und Gebühren.

Gerät der Betreiber in Schieflage, gerät das gesamte Konstrukt ins Wanken. Kurz vor dem Insolvenzantrag sperrte Accor zeitweise die Buchungssysteme für Revo-Häuser – ein massiver operativer Schlag, der Stornoquoten hochjagte und den Liquiditätsdruck in Echtzeit verschärfte. COO Jonathan Mills verließ das Unternehmen im Umfeld der Krise.

Revo ist kein Einzelfall

Binnen 15 Monaten gerieten mit Lindner, Achat und Revo drei große deutsche Hotelbetreiber in die Insolvenz. Die Muster ähneln sich: hohe Fixkosten, starre Pachtverträge, wachstumsgetriebene Geschäftsmodelle und steigende Personal- und Energiekosten. Wyndham verbuchte nach der Revo-Pleite einen Sonderaufwand von 160 Millionen US-Dollar – inklusive Abschreibung der Vienna-House-Marke.


Aktueller Stand: Verkaufsprozess läuft auf Hochdruck

Am 1. April hat Revo einen Statusbericht veröffentlicht. Die Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung laufen jetzt offiziell für 175 Hotels. Die Sanierungsgeschäftsführer Gordon Geiser und Benedikt de Bruyn von GT Restructuring steuern den Prozess. Die Gehälter der rund 5.500 Mitarbeitenden zahlen die Betriebsgesellschaften seit April wieder selbst – aus dem laufenden Betrieb, nachdem das Insolvenzgeld Ende März auslief.

Laut Revo haben mehr als 100 Investoren die Unterlagen geprüft. Der Verkaufsprozess ist zweiphasig angelegt:

  1. Indikative Angebote bis Anfang April
  2. Verbindliche Angebote bis voraussichtlich Ende April 2026

Trotz der Stabilisierung haben einzelne Häuser den Betrieb eingestellt: das Aedenlife Hotel & Resort auf Rügen, das Mövenpick Hotel Frankfurt City, das Centro National Frankfurt und das Vienna House Easy in Hannover. Revo betont, dass keine weiteren Schließungen von Hotels in Eigenverwaltung geplant seien.

Was heißt das für dich als Fachkraft in einem betroffenen Haus? Dein Arbeitsplatz hängt jetzt davon ab, welcher Investor zuschlägt – und ob der dein Hotel überhaupt im Portfolio behalten will. Halte Kontakt zu deinem Betriebsrat und informiere dich über deine Rechte im Insolvenzverfahren.

Die Branche schaut gespannt auf Ende April. Dann entscheidet sich, ob Revo als Ganzes überlebt – oder in Einzelteile zerlegt wird. Für den DACH-Hotelmarkt ist eines jetzt schon klar: Das Modell "viel Wachstum, dünne Margen, fremde Marken" hat seinen Stresstest nicht bestanden.

HÄUFIGE FRAGEN

Warum ist die Revo Hospitality Group in die Insolvenz geraten?

Die Gruppe litt unter Überbuchung und fehlenden Übernachtungszahlen, während gleichzeitig Lohnkosten, Energiepreise und Mieten stiegen. Die schnelle Expansion auf 250 Hotels führte zu Doppelstrukturen und Integrationsproblemen, die die Margen aufzehrten.

Wie funktioniert das White-Label-Modell von Revo und welche Risiken birgt es?

Revo betreibt Hotels unter Fremdbranchen wie Mövenpick oder Hilton, muss aber für jede Marke separate Standards und IT-Systeme erfüllen. Wenn der Betreiber in Schieflage gerät, kann die Marke wie Accor die Buchungssysteme sperren, was massive operative Probleme verursacht.

Wie viele Hotels sind betroffen und wie sieht der aktuelle Verkaufsprozess aus?

175 Hotels sind in Insolvenz in Eigenverwaltung, mit über 100 Investoren die Unterlagen geprüft. Verbindliche Angebote sollen bis Ende April 2026 vorliegen, während rund 5.500 Mitarbeiter seit April wieder Gehalt aus dem Betrieb erhalten.

Welche anderen großen Hotelbetreiber sind ähnlich zusammengebrochen?

Innerhalb von 15 Monaten gerieten auch Lindner und Achat in Insolvenz. Alle drei Unternehmen litten unter hohen Fixkosten, starren Pachtverträgen und wachstumgetriebenen Geschäftsmodellen bei steigenden Personal- und Energiekosten.
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