White Lotus Season 4 dreht im Hôtel Martinez (Hyatt) in Cannes und im Château de la Messardière (Airelles) in Saint-Tropez – kein Four Seasons mehr. Gleichzeitig zeigen neue Daten: Extremhitze verändert globale Reisemuster, und New Yorks Airbnb-Regulierung hat ein ernstes Compliance-Problem.
Drei News aus der Reisewelt, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben – aber zusammen zeigen, wie stark sich die Branche gerade verändert.
Der Drehort-Wechsel, den die Hotelbranche bemerkt hat
Wer The White Lotus kennt, kennt das Muster: exotischer Schauplatz, Fünf-Sterne-Kulisse, ein Hotel als stiller Hauptdarsteller. Staffel 1 spielte im Four Seasons Maui, Staffel 2 im Four Seasons San Domenico Palace auf Sizilien, Staffel 3 in Thailand – ebenfalls Four Seasons. Das war kein Zufall, sondern eine Partnerschaft mit enormer Sichtbarkeit.
Für Season 4 ist Four Seasons raus. Stattdessen: das Hôtel Martinez in Cannes – ein ikonisches Haus an der Croisette, das zur Hyatt-Gruppe gehört – sowie das Château de la Messardière in Saint-Tropez unter der Marke Airelles. Côte d'Azur statt Asien, Riviera-Glamour statt Tropenresort.
- Season 1 (2021): Four Seasons Resort Maui at Wailea, Hawaii
- Season 2 (2022): Four Seasons San Domenico Palace, Taormina/Sizilien
- Season 3 (2025): Thailand – Four Seasons Ko Samui u.a.
- Season 4 (2026): Hôtel Martinez (Hyatt), Cannes + Château de la Messardière (Airelles), Saint-Tropez
Was dieser Wechsel für Hotelmarken bedeutet
Der sogenannte „White Lotus Effect“ ist in der Branche gut dokumentiert: Nach jeder Staffel steigen die Buchungsanfragen für die Drehorte sprunghaft an. Gäste wollen das Set erleben, das Frühstück im Speisesaal sehen, den Pool buchen. Das ist organisches Marketing auf Premium-Niveau – und schwer mit klassischer Werbung zu kaufen.
Dass Hyatt jetzt diesen Effekt bekommt, ist ein echter Coup. Und für Four Seasons ist es zumindest ein Signal: Die Exklusivität der Partnerschaft ist weg. Ob das strategische Entscheidung war oder schlicht bessere Konditionen von Hyatt – dazu gibt es keine verifizierten Aussagen.
Extremhitze: Wenn das Klima den Reisekalender umschreibt
Parallel zum Glamour-Drama an der Riviera verändert sich die Reisewelt aus einem anderen Grund: Es wird zu heiß. Nicht nur gefühlt – sondern messbar, mit konkreten Folgen für Buchungsverhalten.
Laut einer aktuellen Analyse von Skift verlagern Reisende ihre Trips zunehmend in kühlere Monate oder weichen auf Destinationen mit moderateren Temperaturen aus. Klassische Sommer-Hochburgen wie Spanien, Griechenland oder Dubai kämpfen in den Spitzenmonaten mit Temperaturen jenseits der 40-Grad-Marke – für viele Gäste keine Ferienidee mehr, sondern ein Gesundheitsrisiko.
- Frühjahrs- und Herbstbuchungen steigen in traditionellen Sommerzielen
- „Coolcations“ – Reisen in kühlere Regionen – werden als Trend stärker sichtbar
- Hotels in Nordeuropa, Skandinavien und Hochgebirgsregionen profitieren
- Peak-Season-Pricing wird in Hitze-Regionen zunehmend hinterfragt
Für Revenue Manager heißt das: Das Saisonmodell der letzten Jahrzehnte stimmt so nicht mehr. Wer die Buchungsdaten der nächsten zwei, drei Jahre auswertet, wird feststellen, dass „Hochsaison“ sich verschiebt. Wer das früh erkennt und die Pricing-Strategie anpasst, hat einen echten Vorteil.
„Coolcations“ – Reisen in Regionen mit angenehmen Sommertemperaturen – sind kein Nischen-Trend mehr.New Yorks Airbnb-Gesetz: Ein Drittel hält sich nicht dran
New York City hat 2023 mit dem Local Law 18 die strengsten Kurzzeit-Vermietungsregeln der USA eingeführt: Wer seine Wohnung über Plattformen wie Airbnb anbietet, braucht eine Registrierung, muss selbst anwesend sein und darf maximal zwei Gäste gleichzeitig beherbergen. Das Ziel: den angespannten Wohnungsmarkt entlasten und illegale Hotel-Apartments stoppen.
Das Ergebnis ist ernüchternd. Laut aktuellen Daten verstoßen knapp 27 Prozent der offiziell genehmigten Kurzzeit-Inserate in New York gegen die neuen Regeln. Ein Viertel der „approved listings“ ist also de facto illegal.
- Local Law 14 (2023): Registrierungspflicht für alle Kurzzeit-Vermieter in NYC
- Maximal 2 Gäste, Host muss vor Ort sein
- 27 % der genehmigten Listings verstoßen laut Stadtangaben aktuell gegen die Regeln
- Nach Einführung des Gesetzes brach das Airbnb-Angebot in NYC drastisch ein
Was das für die Hotellerie bedeutet: Der erhoffte Effekt – weniger Konkurrenz durch illegale Ferienwohnungen, mehr Nachfrage für reguläre Hotels – tritt nur teilweise ein. Solange die Durchsetzung lückenhaft bleibt, bleibt auch der Marktdruck bestehen. Für Hotels in Manhattan und Brooklyn, die seit Jahren mit Preis-Dumping durch nicht-lizenzierte Apartments kämpfen, ist das keine gute Nachricht.
Gleichzeitig zeigt der Fall NYC, wie schwer es ist, Plattform-Ökonomie zu regulieren: Selbst wenn die Regeln streng sind, fehlt es an Kapazitäten zur Kontrolle. Andere Städte – Wien, Amsterdam, Barcelona – beobachten New York genau. Was dort funktioniert oder scheitert, beeinflusst die nächste Regulierungswelle in Europa.



