Das 25hours Hotel beim Wiener Museumsquartier hat seine Lobby nach mehrmonatigem Umbau neu eröffnet. BWM Designers & Architects – das Büro, das das Haus bereits 2013 aus einem Studentenwohnheim entwickelt hat – zeichnet für das Redesign verantwortlich. Neu: ein 12-Plätze-Kino, ein Apero-Tresen und Wandkunst von zwei Künstlern. 2027 folgt die Renovierung der Suiten.
Ein Zirkus wird erwachsener. So lässt sich die Idee hinter dem Lobby-Umbau des 25hours Hotels beim Museumsquartier auf den Punkt bringen. Das Wiener Büro BWM Designers & Architects hat den Eingangsbereich neu zoniert, mit Kunst bespielt und das ursprüngliche Zirkus-Thema um Wien als Kulturstadt erweitert.
Neue Raumaufteilung mit klarer Logik
Die Rezeption zeigt jetzt zum Eingang hin – ankommende Gäste stehen ihr damit direkt gegenüber, nicht mehr seitlich versetzt. Klingt nach Detail, verändert den ersten Eindruck aber spürbar. Der hauseigene 25hours things Shop wurde luftiger gestaltet, wirkt großzügiger als zuvor.
Am neuen Apero-Tresen lässt sich tagsüber arbeiten, abends funktioniert er als Bar. Und dann ist da noch das Kino: zwölf Sitzplätze, wechselndes Programm zu verschiedenen Tageszeiten – von modernen Klassikern wie Harry Potter bis zu noch nicht kommunizierten Titeln.
- Architekturbüro: BWM Designers & Architects, Wien (bereits verantwortlich für Umbau 2013)
- Kino: 12 Sitzplätze, wechselndes Filmprogramm
- Apero-Tresen: tagsüber Coworking, abends Bar
- Teppiche: laut Hotel vollständig aus neuseeländischer Wolle
- Nächster Schritt: Suiten-Renovierung ab 2027
Das Zirkus-Rot bleibt – bekommt aber Gesellschaft
Bunte Akzente ergänzen das klassische Zirkus-Rot, das sich weiterhin in den Teppichen der Zimmerflure, den Samtvorhängen und Polstern findet. Die Teppichflächen bestehen laut Hotel vollständig aus neuseeländischer Wolle.
Die Idee war, Ereignisse zu schaffen, die Aufsehen erregen – ein Spektakel für alle, mit Attraktionen, die sich zwischen Realität und Illusion bewegen.
– Erich Bernard, BWM Designers & Architects
Zwei Künstler, zwei Ansätze
David Meran: Wien als Bühne
Im Eingangsbereich steht ein zentrales Säulenelement – Titel: „4 Akte in Wolle“. Der in Wien lebende Künstler David Meran hat darauf vier Texte angebracht, formuliert als Regieanweisungen:
- „Du bist (Pause) hier“
- „Nichts fehlt (Pause) jetzt“
- „Alles ruht (Pause) in dir“
- „Bleib noch (Pause) etwas“
Je nach Blickwinkel treten die Anweisungen unterschiedlich in Erscheinung. Wien als Theaterstadt wird hier zur gestalterischen Referenz – das Ankommen im Hotel als dramaturgischer Moment.
Spencer Chalk-Levy: Barockes Graffiti in den Aufzügen
Für Lobbywände und Aufzüge ist der in New York aufgewachsene Künstler Spencer Chalk-Levy verantwortlich. Seine großformatigen, narrativen Bildwelten arbeiten mit Trompe-l'œil – auf flachen Oberflächen erzeugt er dreidimensionale Wirkungen. Besonders deutlich wird das in den orangenen und pinken Fahrstühlen, in denen aufgemalte Wandverzierungen optische Täuschungen produzieren.
Trompe-l'œil – die Technik, die Chalk-Levy hier einsetzt, hat ihre Wurzeln in der Barockmalerei des 17. Jahrhunderts und erlebt gerade ein Revival in der zeitgenössischen Hotelgestaltung.Unsere neue Lobby ist für uns weit mehr als nur ein Raum – sie ist ein lebendiges Statement voller Kreativität und Lebensfreude. Ich bin unglaublich stolz auf all die Künstler und Designer, die mit so viel Leidenschaft und Fantasie hier etwas ganz Besonderes geschaffen haben. Wir blicken voller Vorfreude nach vorne: 2027 beginnen wir mit der Renovierung unserer Suiten und schlagen damit ein neues, aufregendes Kapitel auf.
– Patricia Rzehatschek, General Managerin 25hours Hotel Wien beim Museumsquartier
Was das für die Branche bedeutet
Der Umbau zeigt einen Trend, der sich durch viele Lifestyle-Hotels zieht: Die Lobby als Aufenthaltsort statt als Durchgangszone. Coworking, Bar und Kino in einem Raum – das funktioniert, wenn die Zonierung stimmt. BWM hat das hier mit der Ausrichtung der Rezeption und dem flexiblen Apero-Tresen gelöst.
Kunst als fester Bestandteil des Raumkonzepts ist kein neues Mittel, aber die Entscheidung, zwei Künstler mit klar unterschiedlichen Handschriften einzusetzen – einen lokalen, einen internationalen –, gibt dem Haus eine Tiefe, die über Dekoration hinausgeht. Das Zirkus-Thema bleibt erkennbar, ohne museal zu wirken. Das ist schwieriger, als es aussieht.


