a&o Hostels hat eine 874-Mio.-Euro-Refinanzierung mit Apollo abgeschlossen. Das Geld sichert die nächste 500-Mio.-Euro-Expansionsphase ab. Ziel: Portfolio innerhalb von fünf Jahren verdoppeln. Gleichzeitig stecken drei große deutsche Hotelbetreiber – Revo, Lindner und Achat – in der Insolvenz. Ein Signal: Wer im Budget-Segment auf Eigentum statt Pacht setzt, steht in der Krise besser da.
Die Refinanzierung: Was steckt hinter den 874 Millionen?
a&o Hostels hat eine mehrjährige Refinanzierung über 874 Mio. Euro abgeschlossen. Kreditgeber: Fonds unter der Verwaltung von Apollo (NYSE: APO). Gesichert ist das Darlehen durch das gesamte Portfolio von 44 Hostels in 32 europäischen Städten. Das vorrangige Darlehen ersetzt eine bestehende Fazilität mit Apollo und finanziert die nächste Wachstumsphase im Volumen von 500 Mio. Euro.
Zur Einordnung: Ende 2023 hatten StepStone Group und Proprium Capital Partners die Übernahme von a&o unterstützt – für rund 800 Mio. Euro von TPG Real Estate. Schon damals flossen 500 Mio. Euro in ein erstes Expansionsprogramm. In nur 24 Monaten hat a&o seitdem rund 11.500 Betten zugekauft – in Manchester, London, Berlin, Brüssel, Antwerpen und Heidelberg.
- 44 Hostels in 32 Städten, 10 europäische Länder
- Rund 30.000 Betten unter Management
- 2,8 Mio. Gäste und 6,6 Mio. Übernachtungen (2024)
- 116 Mio. Euro Umsatz im ersten Halbjahr 2025 (Vorjahr: 110 Mio.)
- 73 % Zimmerauslastung (H1 2025)
- Gegründet 2000 von Oliver Winter in Berlin
Das Tempo ist beachtlich. Allein im zweiten Halbjahr 2024 kamen Brighton, Antwerpen und Brüssel dazu. Im Februar 2025 öffnete Florenz. Und in Berlin hat a&o gerade einen Bürokomplex nahe dem Checkpoint Charlie gekauft – die Umwandlung zum größten Hostel Europas mit 2.500 Betten ist geplant.
Warum Revo, Lindner und Achat scheiterten – und a&o nicht
Drei große Betreiber-Insolvenzen innerhalb von 15 Monaten. Das ist kein Zufall, sondern ein Muster.
- Revo Hospitality Group (ehemals HR Group): Im Januar 2026 Insolvenz für rund 140 Gesellschaften beantragt. Inzwischen sind 175 Hotels im Verfahren, rund 5.900 Beschäftigte betroffen. Ursache: Wachstum von 51 auf 250 Hotels seit 2020, ohne dass die Übernachtungszahlen mithielten. Hohe Pacht- und Franchisekosten bei Marken wie Accor, Wyndham und IHG.
- Lindner Hotels AG: Im Dezember 2024 Insolvenz angemeldet, 13 Standorte betroffen. Verfahren im August 2025 abgeschlossen – aber mit geschrumpftem Portfolio und der Holding, die im Herbst 2025 ebenfalls in die Insolvenz rutschte.
- Achat Hotels: Ende 2024 Insolvenz in Eigenverwaltung, nach acht Monaten restrukturiert. Portfolio von vorher über 40 auf 32 Hotels reduziert.
Der gemeinsame Nenner: langfristige Pachtverträge, steigende Fixkosten bei Energie, Personal und Mieten – und ein Geschäftsmodell, das auf Fremdmarken und geleasten Immobilien basiert. Wenn die Auslastung sinkt, wird die Kostenlast erdrückend.
a&o dagegen kontrolliert seine Immobilien überwiegend als Eigentümer, operiert unter einer einzigen starken Marke und bedient mit dem Budget-Segment ein Publikum, das auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten reist. Schulklassen, Backpacker, Familien – das sind keine Gäste, die bei Konjunkturschwäche ins Fünf-Sterne-Hotel wechseln. Sie suchen günstig und gut. Genau das liefert a&o.
Hostel-Markt boomt – und wird zur institutionellen Assetklasse
Der europäische Hostel-Markt soll zwischen 2025 und 2030 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 5,8 % zulegen. Laut Grand View Research erreicht das Marktvolumen bis 2030 rund 3,8 Mrd. US-Dollar. Auch JLL prognostiziert Wachstum auf 8,2 Mrd. Euro bis 2029.
Treiber: eine wachsende Zahl preisbewusster Reisender, steigende Europa-Touristenzahlen und der Trend zu Erlebnisreisen bei jüngeren Zielgruppen. Dazu kommt: Große institutionelle Investoren entdecken Hostels als Anlageklasse. Brookfield kaufte 2025 Generator Hostels für rund 775 Mio. Euro. StepStone und Proprium sicherten sich a&o Ende 2023 für circa 800 Mio. Euro.
a&o plant, sein Portfolio in fünf Jahren zu verdoppeln. In der Pipeline: ein Neubau in Heidelberg (Eröffnung 2027), der Berlin-Mega-Hostel-Umbau mit 610 Zimmern und 2.500 Betten, dazu die Integration der übernommenen Schulz Hotels. Auch London, Dublin, Paris, Madrid, Barcelona und Lissabon stehen auf der Wunschliste.
Die Botschaft ist klar: Während die klassische Pacht-Hotellerie unter Kostendruck wankt, wird das Budget-Segment mit starkem Eigenkapital und Eigentümermodell zur sicheren Wette. Für die Branche ist das ein Lehrstück. Für dich als Fachkraft ein Hinweis, wo die Arbeitsplätze der nächsten Jahre entstehen.

