Air India streicht von Mai bis Juli 2026 rund 100 Flüge täglich – betroffen sind vor allem Langstrecken nach Europa, Nordamerika, Australien und Singapur. Grund: explodierende Kerosinpreise und gesperrter Luftraum durch den Iran-Konflikt. Die Verluste der Airline übersteigen laut Berichten 2,3 Milliarden US-Dollar.
Es ist ein doppelter Schlag für Air India: Kerosin wird teurer, die Umwege durch gesperrten Luftraum machen Langstrecken länger – und beides trifft gleichzeitig. Von Mai bis Juli 2026 zieht die Airline die Konsequenz und kürzt ihr internationales Streckennetz erheblich.
Welche Routen betroffen sind
Die Streichungen treffen vor allem jene Routen, die ohnehin auf knappen Margen fliegen. Konkret betroffen:
- Europa-Verbindungen (u. a. London, Frankfurt, Paris)
- Nordamerika (u. a. New York, Chicago, San Francisco)
- Australien (u. a. Melbourne, Sydney)
- Singapur
Einige Flüge wurden bereits im April und Mai reduziert. Weitere Einschnitte sind für Juni und Juli geplant. Insgesamt will Air India bis zu 100 Flüge täglich streichen – ein Mix aus Inlandsflügen und internationalen Verbindungen.
Der Iran-Konflikt verlängert jeden Flug
Hinter dem Timing steckt mehr als nur Kerosinpreis-Pech. Seit der Iran-Konflikt die Überflugrechte über große Teile des Nahen Ostens einschränkt, müssen Airlines Umwege fliegen – manchmal hunderte Kilometer mehr pro Strecke. Das bedeutet: mehr Treibstoff, mehr Kosten, mehr Zeit am Gate, mehr Crew-Stunden.
Ausgehender CEO Campbell Wilson beschrieb die Lage intern als einen massiven Anstieg der Kerosinpreise kombiniert mit Luftraumsperrungen, der die Wirtschaftlichkeit mehrerer Routen scharf verschlechtert habe. Preiserhöhungen und Treibstoffzuschläge wurden versucht – doch laut Wilson ist die Nachfrage schlicht zu fragil für weitere Aufschläge.
- Verluste: Über 2,3 Milliarden US-Dollar (kumuliert)
- Flugstreichungen: Rund 100 Flüge/Tag von Mai bis Juli 2026
- Betroffene Regionen: Europa, Nordamerika, Australien, Singapur
- Hauptursachen: Kerosinpreise, Iran-Luftraumsperrung, schwache Nachfrage
- CEO-Situation: Campbell Wilson scheidet aus, Nachfolger-Shortlist läuft
Eine Branche unter Druck
Air India steht damit nicht allein. Der Verband der indischen Fluggesellschaften (Federation of Indian Airlines) warnt offen vor einem Bruch – und fordert staatliche Eingriffe. Konkret auf der Wunschliste: Steuererleichterungen auf Kerosin und eine Deckelung der Kerosin-Abgaben.
Indien besteuert Flugkraftstoff im Vergleich zu anderen großen Luftfahrtmärkten besonders hoch. Das macht indische Carrier strukturell teurer – und in turbulenten Zeiten anfälliger.
CEO-Suche läuft parallel
Mitten in der operativen Krise sucht Air India einen neuen CEO. Campbell Wilson, der die Airline nach der Privatisierung durch die Tata Group aufgebaut hat, verlässt das Unternehmen. Eine Shortlist mit Kandidaten soll laut Berichten bereits bestehen – Namen wurden bislang nicht offiziell kommuniziert.
Die Situation ist heikel: Wer den Job übernimmt, erbt ein Unternehmen mit dreistelligen täglichen Flugstreichungen, Milliarden-Verlusten und einer Flotte, die nach jahrelangem Investitionsstau gerade erst modernisiert wird. Air India hat zuletzt massiv in neue Maschinen investiert – unter anderem bei Boeing und Airbus bestellt – doch das zahlt sich erst mittelfristig aus.
Was das für Reisende bedeutet
Wer in den kommenden Wochen mit Air India nach Europa, in die USA oder nach Australien fliegen will, sollte die Buchungslage genau beobachten. Stornierungen und Umbuchungen auf andere Carriers oder Routen sind möglich. Besonders betroffen dürften Verbindungen sein, die ohnehin nur wenige Male pro Woche operiert werden.
- Buchungsbestätigung per E-Mail regelmäßig prüfen
- Flugstatus 72 Stunden vor Abflug erneut kontrollieren
- Umbuchungsoptionen frühzeitig anfragen – vor allem bei Strecken nach Europa und Nordamerika
- Reiseversicherung mit Airline-Insolvenz- und Streichungsschutz empfehlenswert
