Roland Fasel, seit April 2026 Präsident der Capella Hotel Group, will die Marke innerhalb eines Jahres in die Riege der Top-Ultra-Luxury-Brands hieven – neben Aman, Rosewood, Six Senses und Belmond. Sein Rezept: bewusste Knappheit, radikale Personalisierung und kein Wachstum um des Wachstums willen.
Drei Monate im Amt, ein klares Ziel: Roland Fasel gibt Capella ein Jahr, um in der obersten Liga des Ultra-Luxus anzukommen. Der neue Präsident der Capella Hotel Group nennt Aman, Rosewood, Six Senses und Belmond als direkte Wettbewerber – und macht keinen Hehl daraus, dass er genau dort mitspielen will.
By next year, I need to make it into that triangle of those four or five brands.
– Roland Fasel, Präsident Capella Hotel Group, gegenüber Skift
Knappheit als Strategie
Capella betreibt heute eine überschaubare Anzahl von Hotels – und das ist Programm. Fasel sieht in der Seltenheit der Marke einen echten Wettbewerbsvorteil, den er nicht durch schnelles Wachstum verwässern will. Viele der Capella-Häuser entstehen aus der Restaurierung von Kulturgütern und historischen Gebäuden. Das braucht Zeit – und genau das schützt die Marke vor inflationärer Expansion.
„Growth becomes growth for the sake of growth, and if you don't have the people following, the culture following, it becomes just another building“, sagte Fasel gegenüber Skift. Kein Satz, der sich nach PR anhört – er beschreibt damit exakt das Problem, das zahlreiche Luxusmarken in den letzten Jahren durchgemacht haben: zu viele Häuser, zu wenig Seele.
Personalisierung als Differenzierungsmerkmal
Wenn Capella nicht über Größe konkurriert, muss die Marke über etwas anderes gewinnen. Fasels Antwort ist konsequente Personalisierung – und zwar auf einem Niveau, das größere Ketten strukturell kaum liefern können. Je kleiner das Portfolio, desto mehr Aufmerksamkeit kann jedes einzelne Haus, jeder einzelne Gast bekommen.
- Aman – extrem kleines Portfolio (~35 Resorts), strikte No-Massentourismus-Positionierung, hohe Wiederkehrer-Quote
- Rosewood – wächst stärker, setzt auf „A Sense of Place“-Philosophie und lokale Einbettung
- Six Senses – Wellness-Fokus, Heritage-Gebäude, starke Nachhaltigkeits-Story, seit 2019 Teil der IHG-Gruppe
- Belmond – ikonische Einzelhäuser und Orient-Express-Züge, seit 2019 unter LVMH
- Capella – bisher Nischenposition, jetzt gezielter Angriff auf dieses Segment
Patina übernimmt die Wachstumsrolle
Was Capella bewusst langsam hält, soll Patina kompensieren. Die Zweitmarke der Gruppe übernimmt den Wachstumsauftrag – und gibt Fasel die Freiheit, das Flagship in Ruhe zu schärfen. Das ist ein klassisches Zwei-Marken-Modell, das im Luxussegment Sinn ergibt: eine Marke für Prestige und Knappheit, eine für Skalierung und Reichweite.
Kann das klappen?
Ein Jahr ist ambitioniert. Markenwahrnehmung im Ultra-Luxussegment baut sich nicht über Kampagnen auf – sie entsteht durch Erlebnisse, durch Weiterempfehlungen, durch die richtigen Gäste in den richtigen Häusern. Aman hat Jahrzehnte gebraucht, um den Status zu erreichen, den Fasel in zwölf Monaten anpeilt.
Gleichzeitig: Der Zeitpunkt ist nicht schlecht. Rosewood wächst aggressiv, Six Senses verliert durch die IHG-Einbettung etwas von seiner Exklusivitäts-Aura, Belmond ist tief in den LVMH-Kosmos integriert. Ein unabhängiger, konsequenter Ultra-Luxury-Player mit Heritage-Fokus hat durchaus eine Lücke, in die er stoßen kann.
- Klare Positionierung gegen die Top-5 – kein Ausweichen ins Mittelfeld
- Wachstumsdisziplin: Heritage-Restaurierungen limitieren Expansion strukturell
- Patina als Wachstumsvehikel entlastet die Capella-Marke
- Personalisierung als zentrales Differenzierungsmerkmal
- Roland Fasel mit nachgewiesener Luxus-Hotellerie-Erfahrung (u.a. Four Seasons, Rocco Forte)
Was die Branche beobachtet
Fasels Amtsantritt im April 2026 fiel in eine Phase, in der Ultra-Luxury-Hospitality global wächst – getrieben von Affluent Travellern, die nach dem Ende von COVID-Restriktionen zunehmend Erlebnis über Preis stellen. Skift Research dokumentiert diesen Trend seit 2023 konsistent: Das obere Preissegment performt besser als das Mittelfeld.
Capella hat die Ausgangslage. Ob Fasel die Lücke zwischen aktuellem Status und Aman-Niveau in einem Jahr schließen kann – das wird 2027 die Buchungszahlen, die Presse und die Gäste beantworten.


