Eine gemeinsame Studie von RMS und RoomPriceGenie zeigt: 42 % der Hospitality-Profis verbringen jede Woche ein bis drei Stunden damit, Probleme zu beheben, die durch schlecht integrierte Systeme entstehen. Das Ergebnis: ein neuer inoffizieller Job-Titel in der Branche – der „Hospitality Engineer“.
Eigentlich soll Technologie die Arbeit leichter machen. In der Hotellerie passiert gerade das Gegenteil. Wer heute ein Hotel oder eine Unterkunft betreibt, jongliert mit einem Dutzend Tools – PMS, Channel Manager, RMS, Buchhaltung, Einkauf, Gäste-Kommunikation – und verbringt dabei einen wachsenden Teil der Arbeitszeit damit, diese Systeme überhaupt zum Laufen zu bringen.
Der Hospitality Engineer Report 2026 von RMS und RoomPriceGenie liefert dazu erstmals konkrete Zahlen.
Was die Zahlen sagen
Was steckt hinter dem Begriff?
„Hospitality Engineer“ ist kein offizieller Job-Titel – noch nicht. Der Begriff beschreibt, was viele Hotelier:innen und Betriebsleitungen längst de facto tun: Sie sind nicht nur Gastgeber, sondern auch IT-Support, Daten-Analyst und Integrations-Manager in einem. Wer heute ein mittelgroßes Hotel betreibt, hat oft zehn oder mehr Softwarelösungen im Einsatz. Und je mehr Tools, desto mehr potenzielle Bruchstellen.
Das klassische Setup sieht so aus: ein PMS für Reservierungen, ein separates Tool für den Einkauf, ein anderes für die Buchhaltung – und Excel-Tabellen, die die Lücken dazwischen füllen. Auf den ersten Blick funktioniert das. Hinter den Kulissen erzeugt es täglich manuelle Arbeit.
Wo es konkret hakt
Fehlgeschlagene Syncs und Datenlücken
Wenn Verfügbarkeiten zwischen PMS und Channel Manager nicht synchron laufen, entstehen Überbuchungen oder verpasste Buchungen. Wenn das Revenue-Management-System nicht sauber auf aktuelle Belegungsdaten zugreift, sind Preisentscheidungen blind. Und wenn die Buchhaltung Zahlen aus dem PMS manuell abtippen muss, schleichen sich Fehler ein – jeden Tag.
Daten in Silos ohne Sichtbarkeit
Das Kernproblem ist nicht, dass zu viele Tools existieren. Es ist, dass sie nicht miteinander reden. Wer keine zentrale Datenbasis hat, trifft Entscheidungen auf Basis veralteter oder unvollständiger Informationen. Laut der Studie verlieren Betriebe dadurch nicht nur Zeit – sondern auch das Vertrauen in ihre eigenen Zahlen.
Komplexität wächst schneller als Kompetenz
Neue Tools kommen schneller in den Markt, als Teams geschult werden können. Das Ergebnis: Funktionen werden nicht genutzt, Integrationen falsch konfiguriert, Updates übersehen. Der Tech Stack wächst, der Nutzen stagniert.
- PMS und Channel Manager laufen nicht synchron – Überbuchungsrisiko steigt
- RMS greift auf veraltete Belegungsdaten zu – Preisempfehlungen sind ungenau
- Einkauf und Buchhaltung sind nicht verbunden – manuelle Datenübertragung, Fehlerquelle
- Gäste-Kommunikations-Tool kennt keine PMS-Daten – unpersonalisierte Nachrichten
- Kein zentrales Dashboard – KPIs kommen aus verschiedenen Quellen und stimmen nicht überein
- Update eines Systems bricht die Integration mit einem anderen
Was das für Betriebe bedeutet
42 % der Befragten investieren jede Woche ein bis drei Stunden in die Fehlerbehebung. Das klingt überschaubar. Auf ein Jahr gerechnet sind das bis zu 150 Stunden pro Mitarbeitenden – Zeit, die nicht für Gäste, Umsatz oder Weiterentwicklung genutzt wird. Für kleinere Betriebe ohne dedizierte IT-Abteilung trifft das die Geschäftsführung direkt.
Dazu kommt der versteckte Kostenfaktor: Falsch synchronisierte Daten führen zu Umsatzverlusten durch Unter- oder Überpreisungen. Manuelle Prozesse erhöhen die Fehlerquote. Und Teams, die mehr Zeit mit Systempflege als mit operativem Gastgebertum verbringen, sind auf Dauer frustriert.
Was Betriebe jetzt tun können
Die gute Nachricht: Es gibt klare Ansätze, um den „Hospitality Engineer“-Effekt zu reduzieren. Sie erfordern keine komplette Systemablösung – aber eine ehrliche Bestandsaufnahme.
- Tech-Stack-Audit: Welche Systeme sind im Einsatz? Welche kommunizieren tatsächlich miteinander? Wo entstehen manuelle Brücken?
- API-first denken: Neue Tools nur einführen, wenn sie dokumentierte, stabile APIs haben. Kein Tool ohne klaren Integrations-Pfad zum PMS.
- Einheitliche Datenbasis: Ein zentrales System (meist das PMS) als „Single Source of Truth“ definieren – alle anderen Tools holen sich Daten von dort, nicht umgekehrt.
- Integration aktiv testen: Integrationen nicht nur einrichten und vergessen. Regelmäßige Sync-Checks einplanen, am besten automatisiert mit Alarm bei Fehler.
- Vendor-Gespräch suchen: Anbieter konkret fragen: Welche Integrationen sind nativ, welche laufen über Dritte? Wer ist bei Sync-Fehlern verantwortlich?
- Wie oft wird die Integration mit unserem PMS live getestet?
- Was passiert bei einem Sync-Fehler – wer bemerkt es zuerst, wir oder ihr?
- Gibt es ein zentrales Dashboard für den Integration-Status?
- Welche Datenfelder werden tatsächlich übertragen – und welche nicht?
- Wie lange dauert es, eine neue Integration einzurichten und zu testen?
Der größere Trend dahinter
RMS und RoomPriceGenie stehen mit ihrer Studie nicht allein. Access Hospitality, HSMAI-Europe-Mitglied, kommt in einer separaten Untersuchung zu ähnlichen Schlüssen: Fragmentierung kostet Europas Hospitality-Sektor tausende Stunden und Millionen in verpassten Chancen. Das Muster ist überall dasselbe – zu viele Tools, zu wenig Verbindung zwischen ihnen.
Die Branche diskutiert seit Jahren über Digitalisierung. Was die Studie zeigt: Das Problem ist nicht fehlendes Tech, sondern fehlendes Zusammenspiel. Wer heute noch mit zehn isolierten Systemen und Excel als Bindeglied arbeitet, hat kein Technologie-Problem. Er hat ein Architektur-Problem.
Und das lässt sich lösen – aber nicht, indem man noch mehr Tools kauft.



