TikTok testet gerade Hotel-Metasearch-Cards, die direkt im Nutzerfeed erscheinen und zu OTAs wie Expedia und Booking.com weiterleiten. Damit wird die App zur Konkurrenz für Google Hotels, Trivago und Co. – und Hotels müssen ihre Distributionsstrategie neu denken.
TikTok mischt sich in ein Geschäft ein, das bislang Google, Trivago und Kayak unter sich aufgeteilt haben: Hotel-Metasuche. Die Plattform befindet sich derzeit in der Beta-Phase und zeigt ausgewählten Nutzern Hotelkarten direkt im For-You-Feed – mit Preisinformationen und einem direkten Link zur Buchung bei Expedia oder Booking.com.
Was klingt wie ein Feature-Update, ist eigentlich ein strategischer Schritt, der die gesamte Hotel-Distribution betrifft.
Von der Inspiration zur Buchung – ohne App-Wechsel
TikTok hat mit dem TikTok Shop bereits bewiesen, dass die Plattform Nutzer vom ersten Impuls bis zum Kauf begleiten kann. Der klassische Marketing-Funnel – Awareness, Consideration, Conversion – läuft dort innerhalb weniger Minuten ab, ohne dass jemand die App verlässt.
Genau dieses Prinzip überträgt TikTok jetzt auf Reisen. Ein User sieht ein Video über Lissabon, scrollt weiter, bekommt eine Hotelkarte eingeblendet – und kann direkt buchen. Keine Google-Suche, kein separates Metasearch-Tool, kein Direktbuchungsversuch des Hotels.
- Hotelkarten erscheinen kontextuell im For-You-Feed – also nicht nur bei aktiver Suche
- Die Karten zeigen Preisinformationen und leiten zu OTA-Partnern wie Expedia oder Booking.com weiter
- TikTok bezieht die Preis- und Verfügbarkeitsdaten offenbar über API-Verbindungen zu den OTA-Partnern
- Das Feature befindet sich noch in der Beta-Phase – ein globaler Rollout ist noch nicht angekündigt
Was das für Hotels und OTAs bedeutet
OTAs als Gewinner der ersten Runde
Expedia und Booking.com sind offizielle Beta-Partner – sie profitieren kurzfristig von einem neuen Traffic-Kanal mit einer jungen, buchungsaffinen Zielgruppe. Für die OTAs ist das zunächst positiv: mehr Sichtbarkeit, mehr Buchungen, ohne eigene Infrastruktur aufzubauen.
Hotels verlieren Direktbuchungspotenzial
Für Hotels ist das Bild komplizierter. TikTok schickt Nutzer direkt zu OTAs – und nicht zur Hotelwebsite. Das bedeutet: höhere Kommissionen, weniger Kundendaten, weniger Direktkontakt. Genau das, was die Branche seit Jahren mit Kampagnen wie „Book Direct“ zu vermeiden versucht.
Google Hotels bekommt neue Konkurrenz
Bisher war Google die unangefochtene Nummer eins, wenn es darum geht, Suchabsicht und Metasearch zu verknüpfen. TikTok greift das nicht frontal an – sondern flankiert es. Die Plattform greift Nutzer früher im Funnel ab: nicht wenn sie aktiv nach einem Hotel suchen, sondern wenn sie sich noch inspirieren lassen. Das ist ein anderes Spielfeld, aber ein sehr lukratives.
Was Hoteliers jetzt tun sollten
Das Beta-Stadium bedeutet: Es gibt noch Zeit, sich zu positionieren. Wer TikTok bisher als Marketingkanal ignoriert hat, sollte das überdenken – nicht wegen viraler Tanzvideos, sondern weil die Plattform dabei ist, eine vollständige Buchungsstrecke aufzubauen.
- TikTok-Präsenz aufbauen, bevor Metasearch-Karten flächendeckend erscheinen
- Content-Strategie auf Inspiration + Conversion ausrichten, nicht nur Awareness
- OTA-Profile bei Expedia und Booking.com aktuell halten – die liefern die Daten für TikTok
- Direktbuchungsanreize (z. B. Rabatte, Extras) prominent kommunizieren, um OTA-Traffic gegenzusteuern
- Entwicklung beobachten: Wann kommt der globale Rollout? Gibt es künftig auch Direktbuchungs-APIs für Hotels?
Das große Bild: Plattformen werden zu Buchungskanälen
TikTok ist nicht allein. Instagram testet Shopping-Features, Pinterest hat Reise-Inspiration seit Jahren als Kernkompetenz, und auch YouTube experimentiert mit integrierten Buchungslinks. Die Richtung ist klar: Soziale Plattformen wollen den Buchungsmoment selbst besitzen – nicht nur die Inspiration davor.
Für die Hotellerie bedeutet das: Distribution wird komplexer. Die Frage ist nicht mehr nur „Google oder Metasearch?“, sondern „Welcher Feed zeigt morgen meinen Zimmerpreis – und wo lande ich dann?“
Das TikTok-Metasearch-Feature ist noch Beta – aber die Richtung ist eindeutig. Wer die Plattform weiter als reines Unterhaltungsmedium behandelt, könnte in ein paar Jahren feststellen, dass dort längst Buchungsentscheidungen fallen.



