Expedia Group übernimmt CarTrawler, eine irische B2B-Plattform für Mietwagen und Bodenverkehr. Es ist bereits der zweite große Zukauf des Konzerns in diesem Jahr – nach der Übernahme der Erlebnis-Buchungsplattform Tiqets. Der Deal soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden.
Zwei große Deals in einem Jahr – das hat Expedia Group zuletzt 2015 geschafft. Jetzt wiederholt der Konzern das Kunststück: Nach der Übernahme von Tiqets kommt mit CarTrawler der nächste B2B-Zukauf. Das Ziel dahinter ist klar formuliert: Expedia will zur One-Stop-Shop-Lösung für Reiseanbieter werden.
Was CarTrawler ins Portfolio bringt
CarTrawler ist in Dublin ansässig und spezialisiert auf B2B-Lösungen rund um Mietwagen, Bodenverkehr und Reiseversicherung (Insurtech). Das Unternehmen arbeitet im Hintergrund – Endkunden kennen den Namen meist nicht, buchen aber täglich über seine Technologie.
Für Expedia füllt der Zukauf eine konkrete Lücke: Mietwagen und Ground Transport gehörten bislang nicht zu den stärksten Feldern des Konzerns. CarTrawler bringt fertige B2B-Infrastruktur mit, die Expedia direkt in sein bestehendes Partnernetzwerk integrieren kann.
- Hauptsitz: Dublin, Irland
- Geschäftsmodell: Rein B2B – Mietwagen, Bodenverkehr, Insurtech
- Übernahmestatus: Angekündigt Mai 2026, Closing erwartet H2 2026
- Käufer: Expedia Group
- Kontext: Zweiter B2B-Deal von Expedia in 2026 nach Tiqets
Gorin baut das B2B-Geschäft konsequent aus
Expedia-CEO Ariane Gorin kennt das B2B-Geschäft von innen: Bevor sie vor zwei Jahren die Konzernführung übernahm, leitete sie genau diese Einheit. Ihre Strategie ist erkennbar – weniger Consumer-Wettbewerb mit Booking.com und Google, dafür mehr Infrastruktur für Reiseanbieter, Airlines und Distributoren.
Tiqets stärkte das Portfolio um Touren und Erlebnisse. CarTrawler ergänzt jetzt den Bodenverkehr und bringt Insurtech-Kompetenz mit. Zusammen ergibt das eine deutlich breitere Angebotspalette für B2B-Partner, die Reiseprodukte bündeln wollen.
Die Integrations-Herausforderung
Zwei große Übernahmen gleichzeitig zu verdauen ist selten einfach. Expedia hat das zuletzt 2015 versucht – damals mit gemischten Ergebnissen. Diesmal kommen Tiqets und CarTrawler beide aus dem B2B-Bereich, was die Integration theoretisch vereinfacht: gleiche Zielgruppe, ähnliche technische Anforderungen, kein Consumer-Frontend, das angepasst werden muss.
Trotzdem: Zwei parallele Integrationsprojekte binden Ressourcen. Engineering-Teams, Produktmanagement, Compliance – alles muss doppelt gesteuert werden. Ob Expedia das reibungslos hinbekommt, wird sich spätestens in der zweiten Jahreshälfte zeigen.
- Tiqets: Erlebnisse & Aktivitäten – Integration läuft
- CarTrawler: Mietwagen, Bodenverkehr, Insurtech – Closing H2 2026
- Beide Deals: rein B2B, kein Consumer-Rebranding nötig
- Größte Herausforderung: parallele technische Integration
Was das für die Branche bedeutet
Für Reiseveranstalter, Airlines und OTAs, die CarTrawler heute als Lieferanten nutzen, ändert sich zunächst wenig – der Deal muss erst abgeschlossen und die Systeme integriert werden. Mittelfristig dürfte CarTrawlers Technologie tiefer in Expedias Partner-Ökosystem eingebettet werden.
Konkurrenten wie Booking Holdings bauen ihr B2B-Geschäft über andere Wege aus – vor allem durch organisches Wachstum und API-Partnerschaften. Expedias Zukauf-Strategie ist aggressiver, aber auch teurer. Ob sich das rechnet, hängt davon ab, wie schnell Gorin die neuen Assets in echten Umsatz verwandelt.


