Die globale Hotelpipeline wächst weiter – aber nicht überall gleichmäßig. Asien-Pazifik führt das Feld mit knapp 983.000 Zimmern unter Vertrag an. Die Americas sind laut CoStar-Daten zum zweiten Quartal 2025 die einzige Weltregion mit einem Rückgang im Jahresvergleich: minus 5,3 Prozent auf 878.114 Zimmer.
Asien-Pazifik übernimmt die Führung
Mit 982.629 Zimmern unter Vertrag steht Asien-Pazifik an der Spitze der globalen Hotelentwicklung. Das ist kein Ausreißer, sondern die Fortsetzung eines klaren Trends: Die Region investiert massiv in neue Kapazitäten – getrieben durch wachsende Mittelschichten, boomenden Binnentourismus in Märkten wie Indien und China sowie staatliche Infrastrukturprogramme in Südostasien.
Zum Vergleich: Europa hat zuletzt mehrere Quartale in Folge mit Pipeline-Rückgängen gekämpft – erst im Q3 2024, dann wieder im Q1 2025. Steigende Baukosten, Zinsdruck und regulatorische Hürden bremsen dort viele Projekte aus.
Americas: Baustopp statt Bauboom
Der Rückgang in den Americas ist differenzierter als die Schlagzahl vermuten lässt. Wer genauer schaut, sieht: Die Planung wächst noch – die Umsetzung schrumpft. Konkret:
- Im Bau: 189.102 Zimmer – ein Rückgang von 9,3 Prozent
- Final Planning: 303.528 Zimmer – plus 1,5 Prozent
- Planungsphase: 410.322 Zimmer – plus 6,4 Prozent
- Gesamt unter Vertrag: 902.952 Zimmer – plus 1,1 Prozent
Das bedeutet: Projekte werden geplant, aber nicht gebaut. Hohe Finanzierungskosten, Materialpreise und Arbeitskräftemangel bremsen den Spatenstich. Vor allem der US-Markt leidet – trotz 138.922 Zimmern im Bau ist das für die weltgrößte Hotelwirtschaft verhältnismäßig wenig.
Naher Osten und Afrika: Sonderfall mit Kontext
Auch der Nahe Osten und Afrika zeigten laut CoStar-Daten zum Ende des zweiten Quartals 2025 einen Rückgang in der Gesamtpipeline. Das ist bemerkenswert, denn noch vor wenigen Quartalen galt die Region – angetrieben durch Mega-Projekte in Saudi-Arabien (NEOM, Red Sea Global) und den Ausbau in den VAE – als eine der dynamischsten Märkte weltweit.
Der aktuelle Rückgang dürfte teils auf Basis-Effekte zurückgehen: Viele Projekte, die 2022–2023 in die Pipeline eingetragen wurden, sind inzwischen in Bau übergegangen oder fertiggestellt – und rutschen damit aus der Statistik.
CoStar erfasst Hotels als „Under Contract“, wenn sie sich in einer von drei Phasen befinden: aktiv im Bau, in finaler Planung (Baugenehmigung vorhanden, Finanzierung gesichert) oder in früher Planungsphase. Die Gesamtzahl ist also breiter als die reine Bautätigkeit – sie zeigt die Entwicklungsabsicht eines Markts.
Was das für die Branche bedeutet
Für Hotelbetreiber, Investoren und Fachkräfte in der Branche lassen sich aus den CoStar-Daten drei klare Schlüsse ziehen:
- Asien-Pazifik bleibt der dynamischste Wachstumsmarkt – wer internationale Karrierechancen sucht, schaut dorthin
- Die USA planen viel, bauen aber wenig – wer auf den Markt wartet, muss länger warten als erwartet
- Europa kämpft weiter mit Kostendruck und Regulierung – neue Projekte brauchen dort besonders starke Rendite-Argumente
- Pipeline-Zahlen sind Vorlaufindikatoren: Was heute geplant wird, eröffnet in 3–5 Jahren – und beeinflusst dann Wettbewerb, Preise und Jobangebot
