Google I/O zeigt ziemlich klar, wohin sich Reisesuche bewegt: weg von einzelnen Suchanfragen, hin zu einem zusammengebauten Plan aus Inspiration, Vergleich, Buchung und Änderungen. Martin Soler schreibt auf HospitalityNet, dass dieser Flow OTAs, Metasuche und Reiseplanung neu sortieren dürfte.
Spannend ist vor allem die Frage, wer am Ende den Einstieg kontrolliert: Google, Expedia, Booking oder Airbnb. Eines ist laut Soler schon jetzt klar: Klassische Suche wirkt dafür zunehmend alt.
Was Google gerade anstößt
Die Richtung ist simpel: Reiseplanung wird nicht mehr als einzelne Suche gedacht, sondern als zusammenhängender Ablauf. Inspiration, Vergleich, Route, Erinnerung, Verspätung, kleine Entscheidungen — alles landet in einem Thread.
Genau das beschreibt Soler in seinem Kommentar auf HospitalityNet. Er geht davon aus, dass ein Nutzer bald eine komplette Familienreise nach London planen, mehrere Varianten testen und am Ende direkt im selben Umfeld weiterarbeiten kann. Noch hakt vieles. Aber die Struktur steht schon.
- Planung statt Suche: Google schiebt sich zwischen Inspiration und Buchung.
- Agenten statt Trefferliste: AI kann komplette Reiserouten zusammenstellen.
- OTAs bleiben relevant: Vor allem dort, wo Verfügbarkeit, Preise und Buchung sauber zusammenlaufen.
Warum das OTAs direkt trifft
Wenn Google den Einstieg in die Reiseplanung übernimmt, wird die Suchleiste zum Schaufenster und nicht mehr nur zum Wegweiser. Das ist für OTAs kein Randthema. Das trifft den Kern ihres Geschäfts.
Expedia, Booking, Airbnb: Wer hat die besten Karten?
Soler nennt Expedia als einen der stärksten Kandidaten, weil das Unternehmen Flüge, Hotels und Mietwagen schon lange bündelt. Booking bringt mit Booking.com, KAYAK und Rentalcars viel Datenbreite mit, aber die Bausteine hängen verteilt an mehreren Marken. Airbnb wiederum hat laut Soler starke Produktseite und gute Nutzerführung, aber weniger Reichweite in klassischen Buchungsdaten und Partner-APIs.
Das klingt nach einem Dreikampf. Ist es auch. Nur spielt das Match nicht mehr nur auf der Website, sondern direkt im Such- und Assistenzlayer von Google.
- Expedia: starke Bündelung von Reisebausteinen.
- Booking: viel Volumen, aber fragmentierte Produktwelt.
- Airbnb: gutes UX-Denken, aber schwächer bei breiter Drittanbieter-Integration.
Was Google mit Aktivitäten und Buchung macht
Die Webrecherche deutet schon an, dass Google Reise- und Freizeitangebote stärker über lokale Anbieter und spezialisierte OTAs sortiert. In den Suchergebnissen für Touren und Aktivitäten verschiebt sich die Gewichtung offenbar zugunsten lokaler Unternehmen. Das ist für Spezialisten kein gutes Signal.
Das Universal Shopping Cart-Problem
Soler spricht von einem universellen Warenkorb für Reisen: Hotel, Flug, Aktivität, Spa-Treatment, alles in einem Lauf. Das wäre stark. Aber genau hier wird es zäh. Denn der letzte Schritt — Verfügbarkeit, Umbuchung, Bezahlung, Storno, Service — macht oft den Großteil der Arbeit aus.
Für die Branche heißt das: Wer sich nur auf Inspiration verlässt, verliert. Wer aber sauber an Google andockt und Buchungslogik beherrscht, kann profitieren. Vor allem bei High-Intent-Reisen.
AI-Reiseplanung: Chance oder Risiko?
Dafür spricht
- Komplette Routen lassen sich schneller bauen.
- Nutzer bekommen weniger Reibung zwischen Suche und Buchung.
- OTAs mit breitem Inventar können stärker sichtbar werden.
Dagegen spricht
- Fehler in AI-Plänen bleiben ein echtes Problem.
- Der Buchungsteil ist technisch und operativ kompliziert.
- Google kann die Sichtbarkeit von Spezialisten schnell verschieben.
Was Hoteliers und Travel-Tech jetzt tun sollten
Für Hotels, Aktivitäten-Anbieter und Travel-Tech-Teams zählt jetzt nicht nur SEO, sondern Anschlussfähigkeit. Wenn Google künftig mehr von der Planung übernimmt, brauchst du klare Daten, saubere Verfügbarkeiten und Prozesse, die in Agenten-Logik funktionieren.
- Pflege Verfügbarkeiten und Preise strukturiert.
- Prüfe, wie dein Angebot in Google-Suchergebnissen auftaucht.
- Denke Buchung, Änderung und Support als einen Ablauf.
- Ist dein Content maschinenlesbar?
- Funktioniert mobile Buchung ohne Reibung?
- Hast du klare Schnittstellen für OTAs und Metasuche?
- Wird dein Produkt auch bei Aktivitäten sauber gefunden?
Was das für die Suche bedeutet
Die alte Logik „ein Suchbegriff, ein Treffer“ verliert an Kraft. Google entwickelt sich Richtung Assistent, nicht Richtung Linkverzeichnis. Soler zieht den Vergleich zur Zeit vor Online-Reiseportalen: Wer damals nur an der alten Suche festhielt, kam zu spät.
Genau da liegt der Punkt. OTAs verschwinden nicht. Aber ihre Rolle verschiebt sich. Sie werden eher Infrastruktur als Startpunkt. Und für die Branche ist das die eigentliche Nachricht aus der Google-I/O-Debatte.
Agentic search wird die Reisesuche nicht sofort umkrempeln. Aber die Richtung ist gesetzt: weniger Klicks, mehr zusammengesetzte Planung.


