Der Michelin Guide stellt seinen Grünen Stern ein und startet stattdessen das redaktionelle Format „Mindful Voices“. Ab 1. Juni 2026 rücken Köche, Hoteliers und Weinproduzenten ins Rampenlicht – zunächst in Europa, dann weltweit. Deutschland bekommt seinen ersten Auftritt am 23. Juni in Frankfurt.
Seit 2020 vergab der Michelin Guide den Grünen Stern an Restaurants mit besonderem Nachhaltigkeits-Engagement. Jetzt ist Schluss damit. Der Guide kündigt das Ende der Auszeichnung an und ersetzt sie durch etwas grundsätzlich anderes: kein Symbol, kein Stern, sondern eine redaktionelle Bühne für Menschen.
Was „Mindful Voices“ konkret bedeutet
„Mindful Voices“ ist kein neues Bewertungssystem. Es ist ein Content-Format – und das ist der entscheidende Unterschied zum Grünen Stern. Statt eine Auszeichnung zu vergeben, porträtiert der Guide Persönlichkeiten aus drei Bereichen:
- Gastronomie (Startphase ab Juni 2026)
- Hotellerie (folgt in späteren Ausbaustufen)
- Weinbau (ebenfalls geplant, kein Datum kommuniziert)
Die ausgewählten Personen erscheinen auf allen Plattformen des Guides: Website, App, Social Media, gedruckte Ausgaben und das hauseigene Magazin. Dazu kommen Auftritte bei Guide-Veranstaltungen. Der Michelin Guide nutzt das Format also als Mehrkanalstrategie – Porträt, Hintergrundartikel, Event-Präsenz.
„Mindful Voices gibt all jenen eine Stimme, die in ihren jeweiligen Bereichen neue Wege beschreiten. Dieses neue Konzept spiegelt wider, was unsere Inspektorinnen und Inspektoren vor Ort erleben: inspirierende Begegnungen mit Menschen aus der Gastronomie, Hotellerie und dem Weinbau.“
– Gwendal Poullennec, Internationaler Direktor des Michelin Guide
Zeitplan: Wann und wo startet das Format?
Das Rollout läuft in Etappen. Zwei Daten stehen fest:
- 1. Juni 2026 – Premiere bei der Michelin-Verleihung für die nordischen Länder in Kopenhagen
- 23. Juni 2026 – Deutschland-Auftritt bei der Verleihung in Frankfurt am Main
Danach soll das Format weltweit ausgerollt werden. Der Guide ist aktuell in mehr als 60 Reisedestinationen aktiv – das gibt dem Format erhebliche globale Reichweite, sobald der Rollout abgeschlossen ist.
Eingeführt 2020, würdigte der Grüne Stern Restaurants mit überdurchschnittlichem Nachhaltigkeits-Engagement: von regionalem Einkauf über Foodwaste-Reduktion bis zu sozialen Initiativen. Er war explizit kein Qualitätsstern im klassischen Sinne, sondern eine separate Kategorie. Nun endet er – ohne direkten Ersatz als Auszeichnung. Was stattdessen kommt, ist kein Symbol, sondern Sichtbarkeit.
Warum dieser Schritt mehr bedeutet als ein Rebranding
Der Wechsel vom Stern zum Storytelling-Format ist keine kosmetische Änderung. Er zeigt, wohin sich der Michelin Guide strategisch bewegt.
Weg von der reinen Gastronomie
Der Guide hat in den vergangenen Jahren sein Portfolio systematisch erweitert: Hotellerie und Weinbau sind dazugekommen. „Mindful Voices“ ist das erste übergreifende Format, das alle drei Bereiche verbindet. Das ist konsequent – und signalisiert, dass der Guide sich nicht mehr als reiner Restaurantführer versteht.
Menschen statt Orte
Sterne kleben an Adressen. Persönlichkeits-Formate folgen Menschen. Das ist auch für Köche und Hoteliers relevant: Wer als „Mindful Voice“ porträtiert wird, trägt diese Sichtbarkeit mit – unabhängig davon, ob er oder sie das Restaurant oder Hotel wechselt.
Content als Reichweiten-Strategie
Ein Stern erscheint einmal im Jahr in einer Liste. Ein Porträt, ein Magazinartikel, ein Event-Auftritt – das erzeugt kontinuierlichen Content über das ganze Jahr. Der Guide positioniert sich damit stärker als Medienmarke, nicht nur als Bewertungsinstitution.
„Mindful Voices“ ist kein Nachhaltigkeits-Award. Es ist ein redaktionelles Konzept ohne feste Kriterienliste.Was das für die Branche bedeutet
Für Hoteliers und Gastronomen ändert sich die Ausgangslage: Der Grüne Stern war ein klares, messbares Signal nach außen – sichtbar in Listings, buchbar als Marketing-Argument. „Mindful Voices“ funktioniert anders. Wer ausgewählt wird, erhält redaktionelle Sichtbarkeit, keinen Stern auf der Visitenkarte.
Offen bleibt, nach welchen Kriterien der Guide die porträtierten Persönlichkeiten auswählt. Bislang hat Michelin keine konkreten Auswahlkriterien kommuniziert. Das unterscheidet „Mindful Voices“ grundlegend vom Grünen Stern, der zumindest einen thematischen Rahmen – Nachhaltigkeit – definiert hatte.


