Laut einer aktuellen Umfrage der Meetings Industry Association (MIA) sind 73 % der britischen Event-Fachleute vom andauernden Nahost-Konflikt betroffen. Veranstaltungen werden verschoben, Buchungen stocken, internationale Kunden zögern beim Vertragsabschluss. Die MIA arbeitet jetzt gemeinsam mit der Anwaltskanzlei CMS und dem Versicherungsspezialisten InEvexco an konkreten Lösungsansätzen.
Was die Zahlen bedeuten
73 % – das klingt nach einer Mehrheit. Und das ist es auch. Mehr als zwei von drei britischen Event-Profis spüren die Auswirkungen des Nahost-Konflikts direkt in ihrem Tagesgeschäft. Das ist keine diffuse Stimmungslage, sondern messbare Belastung: Veranstaltungen werden abgesagt oder in das Jahr 2027 verschoben, Buchungsdiaries füllen sich langsamer als üblich, und Kunden unterschreiben Verträge später – oder gar nicht.
Besonders betroffen: Veranstaltungen mit internationalem Bezug. Überall dort, wo Redner, Delegierte oder Gäste aus dem Ausland anreisen, ist die Unsicherheit am größten. Kunden halten sich Optionen offen, bitten um Raumbindungen ohne verbindliche Zusage und verhandeln nachträglich Vertragsklauseln um – mit dem Ziel, mehr Flexibilität bei kurzfristigen Absagen zu gewinnen.
Wie die Branche konkret leidet
Die MIA-Befragung zeichnet ein differenziertes Bild der Belastungen. Es gibt nicht den einen Schaden – es sind viele kleine Risse, die sich durch den Alltag der Branche ziehen.
- Verschiebungen statt Absagen: Größere Veranstaltungen landen im Terminplan 2027 – Absagen wären für viele Kunden noch teurer.
- Zögernde internationale Kunden: Delegierte, Redner und Gruppen aus dem Ausland bestätigen Teilnahmen später oder gar nicht.
- Lücken im Buchungskalender: Weniger Voranfragen, mehr unverbindliche Anfragen, längere Entscheidungsprozesse.
- Nachträgliche Vertragsverhandlungen: Kunden fordern flexiblere Stornobedingungen, oft erst nach bereits abgeschlossenen Verträgen.
- Hold-Space-Anfragen ohne Commitment: Räume werden gebunden, ohne dass verbindliche Zahlen oder Verträge folgen.
Die Antwort der MIA: Verträge und Versicherungen neu denken
Die MIA setzt auf eine Dreier-Allianz. Gemeinsam mit der internationalen Anwaltskanzlei CMS und dem auf Veranstaltungen spezialisierten Versicherungsanbieter InEvexco entwickelt der Verband praxisnahe Empfehlungen – für Vertragsklauseln, die Unsicherheit abfedern, und Versicherungslösungen, die Buchungsvertrauen stärken.
„Die aktuelle politische Lage ist schwer vorherzusagen, was bedeutet, dass klare, praktische Orientierung umso wichtiger ist, um Organisationen zu helfen, informierte Entscheidungen zu treffen und das Vertrauen in unsicheren Zeiten aufrechtzuerhalten.“
– Shonali Devereaux, CEO der Meetings Industry Association (MIA)
Der Fokus liegt dabei auf dem Entscheidungsprozess: Wer konkrete Antworten auf die Frage „Was passiert, wenn?“ hat, unterschreibt eher. Vertragsflexibilität und ein belastbares Versicherungsnetz sind keine Nice-to-haves mehr – sie sind Buchungsvoraussetzung geworden.
Was Event-Profis jetzt tun können
- Force-Majeure-Klauseln in bestehenden Vertragsvorlagen prüfen und ggf. aktualisieren – gilt für politische Krisen explizit?
- Veranstaltungsversicherung auf Abdeckung bei geopolitischen Ereignissen prüfen (nicht nur Unwetter oder Insolvenz).
- Kommunikation mit internationalen Kunden proaktiv führen: Stornobedingungen transparent kommunizieren, bevor Anfragen stagnieren.
- Hold-Space-Anfragen mit klaren Deadlines verknüpfen – keine offenen Optionen ohne Rückmeldepflicht.
- Erfahrungen mit der MIA teilen: [email protected] – die Verbandsarbeit basiert auf Rückmeldungen aus der Praxis.
Einordnung: Mehr als ein britisches Problem
Die MIA-Daten kommen aus Großbritannien – aber die Dynamik kennen viele MICE-Profis auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Überall dort, wo internationale Formate, ausländische Referenten oder global aufgestellte Unternehmenskundschaft zum Standard gehören, wirkt geopolitische Instabilität direkt ins Buchungsgeschäft. Die Zahlen aus London sind ein Frühindikator, kein Sonderfall.
Was bleibt: Die Branche braucht smarte Absicherungsmechanismen – keine Wartehaltung. Wer jetzt Verträge und Versicherungen anpasst, ist besser aufgestellt als wer hofft, dass sich die Lage bis zum Event klärt.
