58 % der globalen Hospitality-Recruiter bevorzugen Empfehlungen gegenüber Kaltbewerbungen. Ein Viertel hält Hochschulabsolventen für schlecht auf den Arbeitsalltag vorbereitet. Wer während des Studiums aktiv Netzwerke aufbaut, hat laut der Studie der Regent's University London deutlich bessere Einstiegschancen.
Der Abschluss liegt auf dem Tisch, das Anschreiben ist poliert, die Noten stimmen – und trotzdem landet die Bewerbung im Stapel. Klingt ungerecht? Ist es vielleicht auch. Aber es ist Realität: Wer einen Job in der Hospitality-Branche sucht, braucht heute mehr als akademisches Wissen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Regent's University London, für die globale Hospitality-Recruiter zu ihren Einstellungspräferenzen befragt wurden.
Empfehlung schlägt Kaltbewerbung – fast immer
Das Ergebnis ist eindeutig: 58 % der Recruiter stellen Absolventinnen und Absolventen lieber ein, wenn eine Empfehlung aus dem eigenen Netzwerk dahintersteht. Nicht weil die Qualifikation unwichtig wäre – sondern weil das wahrgenommene Risiko bei Graduierten gestiegen ist.
44 % der Befragten sagen, sie vertrauen Kandidatinnen und Kandidaten mehr, wenn sie eine persönliche Verbindung zu ihnen haben. 38 % sehen Empfehlungen als direkten Risikopuffer. Das ist kein Bauchgefühl, das ist Einstellungsstrategie.
Das Misstrauen gegenüber Absolventen ist real
Hinter den Zahlen steckt ein strukturelles Problem: Die Branche zweifelt. 22 % der Recruiter glauben, dass Hospitality-Absolventinnen und -Absolventen arbeitsscheu sind und es ihnen an Selbstreflexion mangelt. Ein Viertel hält sie schlicht für nicht bereit für die Praxis.
Das klingt hart. Aber es erklärt, warum Empfehlungen so viel Gewicht haben – sie reduzieren die Unsicherheit, die mit einer unbekannten Person automatisch mitkommt. Wer im Netzwerk des Recruiters bereits positiv aufgefallen ist, trägt schon eine Art Vorab-Empfehlung mit sich.
Was Universitäten liefern müssen – und was nicht reicht
Die Studie macht auch deutlich, wo Hochschulen punkten können. Ein Viertel der Recruiter nennt die Qualität von Career Services und Alumni-Networking-Events als entscheidenden Faktor bei der Bewerberbewertung. 17 % sagen, der Zugang zu Industriepartnern während des Studiums ist ausschlaggebend.
Und dann ist da noch die Praxiserfahrung: Zwei Fünftel der Recruiter geben an, dass Kandidatinnen und Kandidaten mit echtem On-the-Job-Erlebnis während des Studiums bessere Chancen haben. Theorie allein reicht nicht.
„The graduate job market is more competitive than ever, so it's crucial that institutions prepare candidates for the realities of modern business to give them the best possible chances of securing the roles in hospitality they deserve. While good grades and theoretical knowledge remain important to prove competence, strong networks and practical experience play an equally significant role in helping graduates to stand out.“
– Geoff Smith, Vice-Chancellor und CEO, Regent's University London
Was das für deinen Karrierestart bedeutet
Networking ist keine optionale Freizeitaktivität. Es ist Teil der Jobsuche – und zwar ein zentraler. Die Studie zeichnet ein klares Bild davon, was Recruiter von zukünftigen Mitarbeitenden erwarten. Hier sind die wichtigsten Hebel:
- Networking-Events der Hochschule aktiv nutzen – nicht nur hingehen, sondern Gespräche suchen
- LinkedIn-Profil frühzeitig aufbauen und mit Branchenkontakten vernetzen
- Praktika und Werkstudentenstellen als Netzwerk-Investition verstehen, nicht nur als CV-Lücken-Füller
- Alumni-Netzwerke der Hochschule gezielt ansprechen – viele helfen gerne
- Kontakte aus Praktika pflegen: ein kurzes Update nach dem Praktikum reicht oft schon
- Branchenevents (z.B. ITB, INTERNORGA, AHLA-Veranstaltungen) auch als Student besuchen
Der Trend hält an – und wird stärker
15 % der befragten Recruiter glauben, dass ein bestehendes professionelles Netzwerk in den nächsten fünf Jahren noch wichtiger für die Beschäftigungsfähigkeit von Absolventinnen und Absolventen wird. Das ist keine Überraschung: In einer Branche, die auf Beziehungen aufgebaut ist – von der Gästebindung bis zur Lieferantenzusammenarbeit – gelten dieselben Regeln auch für den Arbeitsmarkt.
Wer heute studiert, sollte das Networking nicht auf nach dem Abschluss verschieben. Der beste Zeitpunkt war gestern. Der zweitbeste ist jetzt.
Die Studie wurde von der Regent's University London durchgeführt, die in London ansässig ist und u. a. einen Studiengang Luxury Hospitality Management anbietet. Die Universität kooperiert nach eigenen Angaben mit globalen Unternehmen und Branchenführern, um Studierenden direkte Zugänge zu Branchennetzwerken zu ermöglichen. Die genaue Stichprobengröße und Methodik der Befragung wurden im veröffentlichten Artikel nicht ausgewiesen.
