Die Primestar Group gehört zu den größten Multi-Brand-Hotelbetreibern in Deutschland und Österreich – über 4.300 Zimmer in A-Städten, starke Franchisepartnerschaften mit weltweit bekannten Marken. Roland Rausch, Eigentümer und Chairman, spricht im Interview über das Elbtower-Projekt in Hamburg, die neue Luxusmarke June Lux und den konkreten KI-Einsatz im Betrieb. Das Interview führte Anna Ntemiris.
Elbtower: Primestar übernimmt das Luxushotel
Lange stand das Hamburger Elbtower-Projekt ohne Hotelbetreiber da – nachdem die Luxusmarke Nobu sich zurückgezogen hatte. Jetzt ist klar, wer das Fünf-Sterne-Haus mit 195 Zimmern und Suiten betreiben wird: die Primestar Group, die den Zuschlag vom Investorenkonsortium um Immobilieninvestor Dieter Becken erhalten hat.
Das Elbtower-Projekt gilt als eines der markantesten Hochhaus- und Smart-City-Objekte Deutschlands. Für Primestar ist es ein klares Signal nach oben – weg vom reinen Franchisebetrieb, hin zum Premiumsegment mit eigenem Profil.
June Lux: Eigenmarke im Premiumbereich
Parallel zum Elbtower-Deal verkündete Primestar am 14. April 2026 den Start von June Lux – einer neuen Marke, die sich klar im Premiumbereich positioniert. June als Markenname war im Portfolio bereits verankert; Lux ist die Erweiterung nach oben.
Was das für den Betrieb bedeutet: höhere Servicestandards, andere Zielgruppen, anderes Pricing. Und eine eigene Markenstory, die nicht von einem internationalen Franchisegeber vorgegeben wird – das ist für einen Betreiber wie Primestar ein anderes Spielfeld.
- Markteinführung: 14. April 2026
- Positionierung: Premiumsegment, eigenständige Markenführung
- Erstes Leuchtturmprojekt: Elbtower Hamburg, 195 Zimmer
- Ergänzung zum bestehenden Multi-Brand-Ansatz mit internationalen Franchisepartnern
KI im Hotelbetrieb: Mehr als Buzzword
Primestar setzt nach eigenen Angaben auf digitale und smarte Lösungen als Teil der Betriebsstrategie. Künstliche Intelligenz ist dabei kein Randthema – Roland Rausch spricht im Interview konkret über den Einsatz im Alltag.
- Revenue Management: KI-gestützte Preissysteme wie IDeaS oder Duetto analysieren Nachfragemuster und passen Raten automatisch an
- Gästekommunikation: Chatbots und automatisierte Pre-Stay-Nachrichten reduzieren manuellen Aufwand an der Rezeption
- Personalplanung: Prognosemodelle helfen, Dienstpläne effizienter zu erstellen und Überstunden zu reduzieren
- Energiemanagement: Smarte Systeme steuern Heizung, Kühlung und Beleuchtung in Echtzeit nach Belegung
Multi-Brand statt Monokultur: das Primestar-Modell
Was Primestar von vielen anderen Betreibern unterscheidet: kein einzelnes Markenkonzept, sondern ein Portfolio aus verschiedenen Franchiselabels – von der Mittelklasse bis jetzt ins Luxussegment. Das Unternehmen ist damit operativ breiter aufgestellt als reine Markenhotels, trägt aber auch das Risiko, mehrere Betriebskulturen gleichzeitig zu managen.
Der Wechsel an der Spitze – ein erfahrener Hotelmanager wurde laut Brancheninformationen für Operations und Markenstrategie geholt – zeigt, dass Primestar die nächste Wachstumsphase mit frischer Führung angehen will.
Was das Interview zeigt
Roland Rausch positioniert Primestar klar als Betreiber, der nicht auf eine Marke oder ein Segment setzt – sondern auf Breite, Eigenständigkeit und Tech-Integration. Das ist ein anderes Modell als etwa IHG- oder Hilton-Franchisees, die sich in einen engen Markenrahmen fügen. Primestar will den Rahmen selbst mitgestalten – mit June Lux als erstem echten Eigengewächs im Premiumbereich.
Ob der Elbtower tatsächlich als Zugpferd für weitere Luxus-Deals funktioniert, entscheidet sich in den nächsten zwei bis drei Jahren. Das Hochhausprojekt in Hamburg ist politisch und baulich noch immer mit Unsicherheiten behaftet. Für Primestar ist der Deal trotzdem ein Statement: Wir spielen jetzt in einer anderen Liga.


