Ryanair hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Rekordgewinn eingeflogen, 208 Millionen Passagiere befördert und ist laut CEO Michael O'Leary bis Ende Mai praktisch schuldenfrei. Gleichzeitig warnt O'Leary davor, bis zu zehn Prozent der Sommerflüge zu streichen – falls der Kerosinpreis durch den Iran-Konflikt weiter steigt. Und er verknüpft die Treibstoffprognose direkt mit Donald Trumps Kalkül vor den US-Midterms.
Rekord auf dem Papier, Fragezeichen in der Luft
208 Millionen Passagiere, Rekordgewinn, Ende Mai schuldenfrei: Ryanaits Jahreszahlen klingen nach einem Lehrbuchquartal. Doch auf dem anschließenden Analysten-Call sprach Michael O'Leary mehr als eine Stunde – und der interessantere Teil begann, als er das Thema Treibstoff aufmachte.
Ryanair hat nach dem Kursrutsch durch Trumps Zollankündigungen die Kerosin-Absicherung deutlich hochgefahren. O'Leary sprach davon, die Hedging-Position "signifikant" ausgebaut zu haben, solange die Preise unten lagen. Das gibt dem Unternehmen kurzfristig Luft – aber eben nur kurzfristig.
- 208 Millionen Passagiere befördert
- Rekordgewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr
- Schuldenfreiheit bis Ende Mai 2025 erwartet
- Europa größte Airline gemessen an Passagierzahlen
- Mögliche Flugstreichungen: bis zu 10 % im Sommer, falls Kerosinpreise weiter steigen
Trump, Iran und die Midterm-Rechnung
Der ungewöhnlichste Teil des Calls: O'Leary verknüpfte die Straße von Hormus direkt mit US-Innenpolitik. Seine These – öffentlich belegt durch die Websuche-Fundstellen zum Analysten-Call – lautet sinngemäß, dass Trump ein Interesse daran hat, die Ölpreise vor den Midterms niedrig zu halten. Eskaliert der Iran-Konflikt und schließt die Straße von Hormus, steigen die Energiepreise, was politisch ungemütlich wird. O'Leary glaubt daher, dass Washington einen Deal sucht – oder zumindest keine offene Konfrontation.
Das ist kein Airline-Thema im klassischen Sinne. Aber für eine Airline, die Kerosin als größten Kostentreiber hat, ist Geopolitik schlicht Betriebswirtschaft.
Bis zu 10 % der Sommerflüge könnten gestrichen werden – das ist die Zahl, die O'Leary in den Raum gestellt hat. Nicht als Ankündigung, sondern als Warnung für den Fall, dass der Kerosinpreis weiter anzieht.Was das für Reisende bedeutet
Ryanair ist in Europa der klarste Indikator für den Kurzstrecken-Freizeitmarkt. Wenn O'Leary von nervösen Konsumenten spricht, ist das kein PR-Satz – das Unternehmen transportiert mehr Menschen auf europäischen Strecken als jede andere Airline.
Konkret: Wer im Sommer 2025 mit Ryanair gebucht hat, muss sich jetzt keine Sorgen machen. Die Warnung bezieht sich auf ein Szenario, das noch nicht eingetreten ist. Aber wer noch plant: Frühzeitig buchen und Flex-Optionen prüfen macht Sinn, wenn die Unsicherheit bleibt.
- Gebuchte Flüge: aktuell kein Handlungsbedarf
- Noch offene Sommerpläne: bald entscheiden, Preise sind volatil
- Alternativrouten checken: besonders bei Iran-nahen Überfluggebieten relevant
- Reisekrankenversicherung mit Stornoschutz prüfen
Boeing, Konkurrenten und eine düstere Prognose
O'Leary äußerte sich laut Skift-Bericht auch zu Boeing – der Hersteller liefert Ryanair seit Monaten zu spät. Die verzögerten 737-MAX-Auslieferungen begrenzen das Wachstum direkt. O'Leary machte keinen Hehl daraus, dass er Boeings Recovery-Tempo für unzureichend hält.
Noch schärfer: Er deutete an, dass einige europäische Wettbewerber das Jahr möglicherweise nicht überstehen. Namen nannte er nicht – aber die Ansage ist für einen CEO einer börsennotierten Airline ungewöhnlich offen.
Einordnung für die Branche
Was O'Leary auf solchen Calls macht, ist im Grunde makroökonomisches Framing für Investoren. Die Botschaft: Ryanair ist gut positioniert, der Rest des Marktes weniger. Das ist Strategie, keine Nächstenliebe.
Trotzdem: Die Faktenlage gibt ihm recht, dass 2025 ein schwieriges Jahr für europäische Airlines wird. Hohe Kerosinkosten, gebremste Konsumlaune nach Jahren von Nachholeffekten und geopolitische Unsicherheiten – das trifft Carrier mit dünnen Margen hart. Ryanair hat durch sein Kostenmodell und die Absicherungsstrategie mehr Puffer als die meisten. Wie viel Puffer reicht, hängt am Ende an einer Straße, die O'Leary für unwahrscheinlich geschlossen hält – aber eben nicht für ausgeschlossen.


