18 % aller Winterreisen bei DERTOUR (November 2025 bis Februar 2026) wurden allein gebucht. Solo Travel ist damit über alle Altersgruppen und Geschlechter hinweg ein fester Bestandteil des Reisemarkts – kein Nischenthema mehr. Solo Traveller buchen kurzfristiger, bleiben aber länger.
Fast jede fünfte Pauschalreise im vergangenen Winter ging auf Buchungen von Alleinreisenden zurück. Das zeigt das DERTOUR Reisebarometer Winter 2025/26, das der zweitgrößte deutsche Reiseveranstalter jetzt veröffentlicht hat. 18 % aller Buchungen im Zeitraum November 2025 bis Ende Februar 2026 stammten von Solo Travellern – ein Wert, der die Branche aufhorchen lässt.
Nicht Nische, sondern Normalfall
Wer allein verreist, ist längst kein Sonderfall mehr. DERTOUR-CEO Boris Raoul formuliert es direkt: „Solo Travel ist ein eigenständiges Segment mit sehr heterogenen Anforderungen. Wir begegnen ihnen mit speziell auf sie ausgerichteten Angeboten, die wir aktuell weiter ausbauen.“
Das hat praktische Konsequenzen für Reiseveranstalter, Hotels und Incomings gleichermaßen. Wer Solo Traveller bisher nur „punktuell mitbedient“ hat – wie Raoul es nennt –, dürfte an Buchungsvolumen verlieren. Der Markt differenziert sich aus, und die Erwartungen dieser Reisenden unterscheiden sich messbar von denen anderer Zielgruppen: bei Unterkunftstyp, Verpflegungsform, Buchungszeitpunkt und Reisedauer.
Wer reist allein? Ein breites Spektrum
Die Daten räumen mit einem hartnäckigen Bild auf: Solo Traveller sind keine homogene Gruppe. Ein Drittel der Alleinreisenden war zwischen 18 und 49 Jahre alt, zwei Drittel 50 oder älter. Besonders stark vertreten: über 65-Jährige mit 29 % – bei anderen Reisegruppen im gleichen Alter liegt der Anteil bei 21 %.
Sven Schikarsky, Geschäftsführer und Produktchef von DERTOUR sowie den Schwestermarken ITS und Meiers Weltreisen, ordnet das ein: „Das zeigt, dass Solo-Reisen unterschiedliche Lebensphasen begleiten, vom Schulabschluss, über den Berufseinstieg bis ins Rentenalter. Und wir sehen in unseren Daten auch: Das Thema gewinnt über den Lebensverlauf hinweg an Bedeutung.“
Geschlecht: kein eindeutiges Muster
44 % der Solo Traveller sind Frauen, 56 % Männer. Interessanter als die Gesamtverteilung ist der Verlauf: Jüngere Männer reisen häufiger allein, im höheren Alter holen Frauen deutlich auf. Ab 65 stellen Frauen einen überdurchschnittlich hohen Anteil der Alleinreisenden.
Kurzfristiger buchen, länger bleiben
Das Buchungsverhalten von Solo Travellern weicht spürbar vom Gesamtmarkt ab. Die durchschnittliche Vorauszeitfrist lag laut DERTOUR bei 74 Tagen – der Gesamtschnitt liegt bei 107 Tagen. Wer allein bucht, entscheidet sich also gut vier Wochen später als andere Reisende.
Gleichzeitig – und das ist für Hoteliers und Destinationen relevant – bleiben Solo Traveller tendenziell länger. Das verlängert den durchschnittlichen Aufenthalt und kann die Auslastung in ruhigeren Perioden stützen.
- Einzelzimmer konsequent anbieten und nicht mit Aufpreis bestrafen – Einzelzimmerzuschläge gelten in der Branche als Conversion-Killer für Solo Traveller
- Flexible Check-in-Optionen und Late-Booking-Angebote priorisieren, da Solo Traveller kurzfristiger buchen (Vorlauf: 74 statt 107 Tage)
- Gemeinschaftsflächen und Social-Dining-Formate anbieten – Alleinreisende suchen Kontaktmöglichkeiten, nicht Isolation
- Kommunikation zielgruppenspezifisch gestalten: Marketing, das nur Paare oder Familien zeigt, spricht 18 % potenzieller Buchenden gar nicht an
- Die über-50-Gruppe nicht vernachlässigen – zwei Drittel der Solo Traveller sind 50+, mit entsprechend anderen Erwartungen an Komfort und Service
Was die Zahlen für die Branche bedeuten
18 % Buchungsanteil klingt nach einer Minderheit. Für Veranstalter und Hotelbetriebe ist es aber ein Segment, das spezifische Produktanpassungen verlangt – und das wächst. DERTOUR plant laut eigenen Angaben, sein Solo-Travel-Angebot weiter auszubauen.
Für die Hotellerie heißt das konkret: Einzelzimmerpolitik, passende Buchungskanäle und soziale Angebote vor Ort rücken stärker in den Fokus. Wer dieses Segment ernst nimmt, sitzt an einem Markt, der über alle Lebensalter und Geschlechter hinweg stabil nachgefragt wird – und sich gerade von der Nische zur Normalität verschiebt.

