Im März 2026 brachen Touristenzahlen aus Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Bahrain um fast 80 Prozent ein – ausgelöst durch den Iran-Krieg und die damit verbundenen Luftraumsperrungen. Trotzdem stiegen Gesamtankünfte und Hotelauslastung in der Türkei im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr. Saudi-Arabien bildete die Ausnahme unter den Golf-Staaten: plus 24 Prozent.
Die Zahlen sind eindeutig. Nur 691 Kuwaiter reisten im März nach Istanbul, Antalya oder Kappadokien – dazu 606 Staatsangehörige der Vereinigten Arabischen Emirate, 394 Katarer und 265 Bahrainis. Das türkische Kulturministerium veröffentlichte die Daten, die einen Rückgang von knapp 80 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zeigen.
Der Grund liegt auf der Hand: Der Iran-Krieg hat weite Teile des regionalen Luftraums gesperrt oder für Fluggesellschaften praktisch unbefliegbar gemacht. Wer von Dubai oder Doha in die Türkei fliegen wollte, zahlte entweder deutlich mehr oder fand gar keinen Flug.
Europa und Saudi-Arabien als Puffer
Deutschland, Russland, Bulgarien und Großbritannien zählen laut Ministeriumsdaten zu den vier stärksten Quellmärkten im ersten Quartal 2026 – und sie haben die Gulf-Lücke zumindest teilweise gefüllt. Die Gesamtzahlen ausländischer Ankünfte legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, ebenso wie die Hotelauslastung.
Saudi-Arabien sticht dabei besonders hervor. Während die anderen Gulf-Staaten einbrachen, wuchsen die saudischen Besucher um 24 Prozent. Die wahrscheinliche Erklärung: Saudi-Arabien ist weniger auf die direkt betroffenen Flugrouten angewiesen und hat in den vergangenen Jahren eigene Langstreckenkapazitäten ausgebaut – unter anderem über Saudia und die neue Billigfluggesellschaft flynas.
Was das für die Branche bedeutet
Gulf-Gäste sind für die Türkei kein Randthema. Reisende aus GCC-Staaten gehören zu den ausgabefreudigsten Segmenten – Luxushotels in Istanbul, Strandresorts in Antalya und Bodrum profitieren besonders. Ein anhaltender Einbruch würde dort deutliche Spuren hinterlassen, auch wenn die Gesamtzahlen noch stimmen.
Saudi-Arabien hat seine Luftfahrtkapazitäten in den letzten Jahren systematisch ausgebaut. Saudia und flynas bedienen Direktrouten in die Türkei, die weniger durch die gesperrten iranischen Lufträume beeinträchtigt werden als Verbindungen aus den Emiraten oder Katar. Das erklärt, warum Riad den regionalen Trend gebrochen hat – und warum das Wachstum von 24 Prozent kein Zufall ist.
Analysten sehen laut Skift im zweiten Quartal 2026 den entscheidenden Test: Erholen sich die Zahlen, sobald sich die Lage im Luftraum normalisiert – oder ist das Gulf-Segment dauerhaft umstrukturiert?
Die offenen Fragen für Q2 und danach
Die Türkei hatte sich für 2026 vorgenommen, den Tourismusrekord von 2025 zu übertreffen. Das bleibt ambitioniert. Die Unsicherheiten stapeln sich:
- Wie lange halten die Luftraumsperrungen an?
- Wie schnell erholen sich Ticketpreise und Verbindungen aus dem Gulf?
- Hält die europäische Nachfrage aus Deutschland, Russland und Großbritannien an?
- Welche Effekte hat der Iran-Konflikt auf das globale Reisevertrauen insgesamt?
Das GCC-Segment macht laut Branchenbeobachtern rund 15 Prozent der asiengebundenen Transferpassagiere aus – ein Einbruch dort wirkt sich auf die gesamte regionale Luftfahrtlogistik aus, nicht nur auf Türkei-Direktflüge.
Türkei bleibt ein Sonderfall
Bemerkenswert ist, wie gut sich die türkischen Gesamtzahlen trotz des Einbruchs aus dem Nahen Osten halten. Das zeigt, wie diversifiziert die Türkei als Reiseziel inzwischen aufgestellt ist – mit starker europäischer Basis, wachsendem Interesse aus Russland und der Fähigkeit, Ausfälle aus einem Segment durch andere Märkte abzufedern.
Ob das reicht, um die Rekordziele zu erreichen, bleibt offen. Klar ist: Die Türkei zeigt mehr Widerstandsfähigkeit als viele Wettbewerber in der Region – und das ist für Hoteliers und Reiseveranstalter, die dort investiert haben, zumindest eine solide Grundlage.

