Die Zahl der im Bau befindlichen Hotelzimmer in den USA ist laut CoStar-Daten vom März 2026 den 15. Monat in Folge gesunken. Aktuell befinden sich 136.990 Zimmer im Bau. Einziger Lichtblick: Das Luxussegment wächst gegen den Trend – mit einem Plus von 4,5 % und einem Rekordwert von 102 Projekten im ersten Quartal 2026.
Fünfzehn Monate. So lange schrumpft der US-amerikanische Hotelbau-Pipeline schon – ohne Pause, ohne Erholung. Die aktuellen CoStar-Daten für März 2026 bestätigen den Trend: 136.990 Hotelzimmer befinden sich noch im Bau, aber die Jahresvergleichswerte zeigen nach unten. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr liegt laut Lodging Econometrics bei rund 5 % im ersten Quartal 2026.
Warum der Bau-Boom vorbei ist
Die Gründe sind bekannt – und sie verstärken sich gegenseitig. Steigende Baukosten machen neue Projekte teurer, die Finanzierung schwieriger und die Renditeerwartungen unsicherer. Gleichzeitig schwächelt die Hotelnachfrage, und die wirtschaftliche Unsicherheit in den USA hält Investoren zurück.
- Baukosten: Material- und Lohnkosten sind seit 2020 deutlich gestiegen und bleiben auf hohem Niveau.
- Schwächere Nachfrage: Die Post-Covid-Reiselust hat sich normalisiert – besonders im Business-Segment bleibt die Erholung hinter den Erwartungen zurück.
- Wirtschaftliche Unsicherheit: Zinsniveau, Inflation und geopolitische Risiken lassen Investoren zögern, neue Projekte zu starten.
Das Ergebnis: Weniger Projektstarts, längere Entscheidungszeiträume, mehr abgebrochene oder verschobene Vorhaben. Der Pipeline-Rückgang ist kein kurzfristiger Ausreißer – er zieht sich jetzt über mehr als ein Jahr.
Luxus läuft – trotzdem
Während das Gesamtbild trüb ist, zeigt das Luxussegment ein anderes Bild. 102 Luxus-Hotelprojekte befanden sich laut Lodging Econometrics im ersten Quartal 2026 in der Pipeline – ein Rekordwert, 16 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Das prozentuale Wachstum von 4,5 % ist der stärkste Wert aller Segmente.
Das zeigt: Kapital fließt weiterhin – aber selektiv. Wer investiert, setzt auf die Zahlungsbereitschaft wohlhabender Reisender. Das Luxussegment gilt als konjunkturresistenter als Budget- oder Midscale-Hotels, weil die Zielgruppe weniger preissensibel auf wirtschaftliche Schwankungen reagiert.
Was das für die Branche bedeutet
Ein schrumpfendes Neubauvolumen klingt auf den ersten Blick nach schlechten Nachrichten – ist für bestehende Häuser aber auch eine Entlastung. Weniger neue Kapazität bedeutet weniger Wettbewerb um dieselben Gäste. RevPAR-Wachstum wird so einfacher, solange die Nachfrage stabil bleibt.
Mittel- bis langfristig könnte der anhaltende Rückgang aber ein Problem werden. Wenn Projektentwickler jetzt keine neuen Häuser starten, fehlen in drei bis fünf Jahren die Kapazitäten – genau dann, wenn die Konjunktur möglicherweise wieder dreht. Das ist das klassische Dilemma zyklischer Immobilienmärkte.
Welche Segmente besonders unter Druck stehen
- Budget & Economy: Schwache Margen und hohe Baukosten machen neue Projekte kaum rentabel.
- Midscale: Starker Wettbewerb durch bestehende Häuser, kaum Differenzierungspotenzial für Neubauten.
- Extended Stay: War lange ein Wachstumstreiber – steht jetzt vor ähnlichen Finanzierungshürden wie andere Segmente.
Welche Segmente Chancen haben
- Luxury & Upper Upscale: Rekordpipeline zeigt Investorenvertrauen
- Lifestyle-Hotels in urbanen Märkten: Differenzierung durch Design und Konzept
- Resorts in Freizeitdestinationen: Leisure-Nachfrage bleibt robust
Blick nach vorn: Wann dreht die Pipeline?
Eine Erholung hängt vor allem von drei Faktoren ab: Zinsentwicklung, Baukosten und Nachfrage-Stabilität. Sollte die US-Notenbank Fed die Zinsen im zweiten Halbjahr 2026 senken, könnte das Finanzierungsumfeld für neue Projekte wieder attraktiver werden. Bis sich das in neuen Baugenehmigungen und tatsächlichen Projektstarts niederschlägt, dauert es aber erfahrungsgemäß weitere sechs bis zwölf Monate.
Wer die Pipeline-Entwicklung als Frühindikator für die Marktlage liest, sollte also nicht vor 2027 mit einer spürbaren Erholung rechnen. Bis dahin profitieren bestehende Häuser – besonders im Luxury-Segment – von einem strukturell knappen Angebot.
