Die Caravanserei in Oranienburg (Brandenburg) hat einen 1.800 m² großen Küchengarten eröffnet und betreibt eine eigene Biogasanlage zur Stromversorgung. Das Resort bei Berlin verbindet Tiny-House-Hotel, Camping und Spa mit einem durchgedachten Energie- und Ernährungskonzept – von der Eigenproduktion bis zur Abwärmenutzung.
Kräuter direkt aus dem Beet, Strom aus Biogas, ein Schwimmteich ohne Chlor – und Spargel vom Nachbarhof in Kremmen. Die Caravanserei im Oranienburger Ortsteil Schmachtenhagen, rund 45 Minuten nördlich von Berlin, hat sich einiges vorgenommen. Das neue Resort auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernmarktes versucht, das oft strapazierte Versprechen vom naturverbundenen Reisen tatsächlich einzulösen – und zwar über alle Betriebsbereiche hinweg.
1.800 Quadratmeter Küchengarten – und ein Verkaufsautomat
Im Zentrum des Konzepts steht ein Küchengarten mit Gewächshaus, der rund 1.800 m² umfasst. Hier wachsen Tomaten, Salate, Kräuter, Beeren, Rotkohl und Kohlrabi – alles, was die Küche des Resorts direkt verarbeiten kann. Was nicht selbst angebaut wird, kommt aus der Region: Spargel aus dem benachbarten Kremmen, weitere Produkte von Partnerbetrieben in der Umgebung.
Auch zwischen den regulären Mahlzeiten funktioniert das Prinzip: Ein Verkaufsautomat auf dem Gelände ist rund um die Uhr mit regionalen Produkten wie Eiern und Wurst bestückt. Klein, aber konsequent.
Unser Küchengarten ist mehr als nur ein kulinarisches Element – er steht sinnbildlich für unser Verständnis von Nachhaltigkeit. Wir wollen zeigen, dass bewusster Umgang mit Natur, regionale Wertschöpfung und moderner Tourismus kein Widerspruch sind, sondern sich ideal ergänzen.
– Oliver Wandel, Geschäftsführer der Caravanserei
Biogas, Abwärme, Ladesäulen: Energiekonzept mit System
Beim Thema Energie geht die Caravanserei über Solar-Panels auf dem Dach hinaus. Eine eigene Biogasanlage versorgt das gesamte Resort mit Strom – gespeist aus nachwachsenden Rohstoffen aus der unmittelbaren Umgebung. Die dabei entstehende Abwärme wird nicht einfach verpuffen gelassen, sondern für die Beheizung der Gebäude genutzt. Ein klassisches Beispiel für Kraft-Wärme-Kopplung auf Resortebene.
Gleichzeitig betreibt das Resort Ladesäulen für Elektrofahrzeuge – betrieben mit dem selbst erzeugten Ökostrom. Der Kreislauf schließt sich damit weitgehend vor Ort.
- Biogasanlage mit nachwachsenden Rohstoffen aus der Region
- Abwärmenutzung zur Gebäudeheizung (Kraft-Wärme-Kopplung)
- Ladesäulen für E-Fahrzeuge mit eigenem Ökostrom
- Naturnaher Schwimmpool ohne chemische Zusätze – gereinigt über Pflanzen und Filtersysteme
- Kein Baumfällungen beim Bau – stattdessen neue Lebensräume geschaffen
Biodiversität statt Bagger: Was beim Bau entschieden wurde
Dass das Konzept nicht erst nach der Eröffnung beginnt, zeigt ein Blick auf die Bauphase. Bereits bei Planung und Bau wurde darauf geachtet, kein einziges Baum auf dem Gelände zu fällen. Stattdessen entstanden neue Hecken, bepflanzte Wälle, Blühwiesen und Staudengärten – gezielt angelegt, um die Artenvielfalt auf dem Gelände zu fördern.
Das ist keine Selbstverständlichkeit. Viele Resortprojekte dieser Größenordnung stehen spätestens beim Thema Erschließung vor dem Konflikt zwischen Natur und Bauzeitplan. Die Caravanserei hat diesen Konflikt offenbar früh zugunsten des Bestands entschieden.
Naturnaher Schwimmpool ohne Chlor – gereinigt über Pflanzen und biologische Filtersysteme. Wer das bereits aus alpinen Biohotels kennt, weiß: Technisch ist das lösbar. Die Herausforderung liegt in der Betriebspflege.Das Resort: Tiny Houses, Camping, Spa – was geboten wird
Die Caravanserei richtet sich an ein breites Publikum: Paare, Familien, Alleinreisende. Das Angebot kombiniert 30 Tiny Houses in unterschiedlichen Designs mit einem Campingplatz mit 150 Stellplätzen. Dazu kommen ein Spa-Bereich und das Restaurant mit saisonaler, regionaler Küche. Ab 2026 sollen laut Unternehmensangaben weitere Freizeit- und Sportmöglichkeiten folgen.
- Unterkunft: 30 Tiny Houses + 150 Camping-Stellplätze
- Gastronomie: Restaurant mit eigenem Küchengarten und regionalen Partnern
- Wellness: Spa-Bereich + naturnaher Schwimmteich
- Mobilität: E-Ladesäulen auf dem Gelände
- Eigenversorgung: Biogasanlage + 1.800 m² Anbaufläche
Was das für die Hotellerie bedeutet
Resorts, die Nachhaltigkeit als Betriebsprinzip und nicht als Marketingfolie verstehen, werden in den nächsten Jahren unter Druck geraten – nicht wegen Idealismus, sondern wegen Energiekosten und Gästenachfrage. Die Caravanserei ist ein kleines Haus in Brandenburg, kein Grand Hotel. Aber das Modell – Eigenproduktion, Kreislaufenergie, regionale Einbindung – lässt sich skalieren.
Wer in Hotellerie oder Gastronomie nach Anregungen sucht, wie Farm-to-Table über den Marketingslogan hinausgehen kann, findet hier ein konkretes Beispiel: 1.800 m² Anbaufläche, ein Lieferant aus dem Nachbarort und eine Biogasanlage, die den Strom gleich mitproduziert. Das ist mutig – und bei einem Resort dieser Größe auch wirtschaftlich riskant. Ob das Modell langfristig trägt, zeigt sich in den nächsten Saisonen.



