Jeremy McCarthy, früher Group Director of Leisure, Spa & Wellness bei Mandarin Oriental, beschreibt „Leisure“ als freien Raum für bewusste Zeit statt Leerlauf. Er verbindet den Begriff mit Aristoteles, dem griechischen scholē und der Frage, was Hotels mit der freien Zeit ihrer Gäste wirklich anfangen.
Sein Punkt ist simpel: Wer Leisure nur als Nichtstun versteht, greift zu kurz. In der Luxushotellerie geht es um Erholung, Auswahl und Erlebnisse, die nach dem Aufenthalt noch nachwirken.
Was McCarthy an „Leisure“ stört
McCarthy schreibt, dass er das Wort „leisure“ lange nicht mochte. Für ihn klang es nach Untätigkeit, nach Liegestuhl, nach ziellosem Blättern in Zeitschriften. Genau dieses Bild passte weder zu ihm noch zu seiner Arbeit bei Mandarin Oriental.
Der Knackpunkt: Er wollte freie Zeit nicht als Leere verkaufen, sondern als bewussten Spielraum. Deshalb suchte er nach einem besseren Begriff für einen Aufgabenbereich, der in Resorts, Spa-Bereichen und im ganzen Aufenthalt greift.
Laut Merriam-Webster bedeutet leisure „time free from work or duties“. Das ist die Basis. McCarthy geht einen Schritt weiter: Diese Zeit bekommt erst dann Gewicht, wenn ein Hotel sie sinnvoll gestaltet.
Warum „Resorts“ und „Experiences“ ihm nicht reichen
McCarthy listet drei Begriffe auf, die für ihn nicht funktionieren. „Resorts“ sei zu eng, weil es nur einen Teil des Portfolios abdecke. „Experiences“ sei zu breit, weil in einem Hotel noch viel mehr passiert als nur das, was sein Bereich beeinflusst. „Recreation“ wirke für ihn zu flach.
Das ist mehr als Wortklauberei. In vielen Hotelgruppen verschiebt sich der Fokus gerade weg vom reinen Zimmerverkauf hin zu Aufenthalten mit klarer Idee. Mandarin Oriental steht laut dem Text genau an dieser Stelle: vom urbanen Luxushaus hin zu einer Gruppe mit wachsenden Resort-Anteilen.
- „Resorts“ beschreibt den Ort, nicht den Nutzen.
- „Experiences“ umfasst zu viel und verwässert den Fokus.
- „Recreation“ klingt für McCarthy zu beliebig.
Was freie Zeit inhaltlich bedeutet
Arbeit, Pflicht, Restzeit
McCarthy leitet den Begriff über das lateinische licere her, also „frei sein“. Freizeit entsteht für ihn erst nach Arbeit, Familie, Pflichten und den eigenen Grundbedürfnissen wie Essen, Ruhe oder Sicherheit. Übrig bleibt der Teil des Tages, den wir selbst füllen dürfen.
Genau darin liegt die Relevanz für Hotels. Wer diese freie Zeit prägt, greift tief in das Gästeerlebnis ein. Das betrifft nicht nur Spa und Pool, sondern auch Raum, Tempo, Service und die Frage, ob ein Aufenthalt nach etwas Bestimmtem aussieht oder einfach nur vorbeizieht.
Der griechische Bezug
Der Artikel verweist auch auf das griechische scholē, aus dem sich „school“ ableitet. Der Gedanke dahinter: Freizeit war in der Antike nicht nur Pause, sondern Raum für Denken, Lernen und Beschäftigung mit dem, was zählt.
Genau das macht die Debatte spannend. Leisure ist hier kein Nichtstun. Leisure ist ein Zustand mit Inhalt.
Was das für Hotellerie und Spa heißt
Für Hotels verschiebt sich damit die Frage. Nicht mehr nur: Wie füllen wir Zeit? Sondern: Welche Art von freier Zeit schaffen wir? Das reicht von einem ruhigen Ankommen über ein gutes Spa-Konzept bis zu Aktivitäten, die zur Lage und zur Marke passen.
Mandarin Oriental nennt laut Originaltext Mindful Meetings, Zimmer, Wellness und Resort-Erlebnisse als Teile dieser Logik. Das zeigt: Leisure sitzt nicht am Rand des Geschäfts. Leisure ist Teil des Geschäftsmodells.
- Freie Zeit klar definieren, nicht nur dekorieren.
- Spa, Zimmer und Aktivangebote zusammen denken.
- Aufenthalte so planen, dass sie nicht beliebig wirken.
- Räume für Ruhe, Wahl und Sinn schaffen.
Einordnung: Warum der Begriff gerade jetzt zieht
Dass McCarthy den Begriff ausgerechnet bei einem Luxusresort- und Spa-orientierten Hotelkonzern schärft, ist kein Zufall. Der Markt verschiebt sich seit Jahren in Richtung Aufenthaltserlebnis, längerer Verweildauer und stärkerer Resort-Positionierung. Dazu passt, dass er selbst von einem wachsenden Resort-Portfolio spricht.
Für junge Fachkräfte in Hotellerie und Spa steckt darin eine klare Botschaft: Wer freie Zeit gestaltet, arbeitet nicht am Rand, sondern an der Mitte des Erlebnisses. Klingt kleiner, ist aber größer. Und ja: Das wird spannend.


