Am dritten Donnerstag im Mai findet der Welttrinkgeldtag statt. Die Gewerkschaft NGG nutzt den Anlass, um auf die finanzielle Bedeutung von Trinkgeldern für Servicekräfte hinzuweisen. 10 Prozent gelten als Richtwert – in der Praxis bekommen viele Kellner und Kellnerinnen deutlich weniger.
„Der Rest ist für Sie!“ – drei Wörter, die an der Kaffeekasse über gute Laune oder knappes Budget am Monatsende entscheiden können. Jedes Jahr am dritten Donnerstag im Mai erinnert der Welttrinkgeldtag daran, dass Trinkgeld für viele Beschäftigte in der Gastronomie kein nettes Extra ist, sondern ein echter Teil der monatlichen Einnahmen.
Was die NGG fordert – und warum
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat zum Welttrinkgeldtag 2026 einen klaren Appell: Nicht in den Sparmodus schalten, wenn die Rechnung kommt. In Thüringen rief die NGG Verbraucherinnen und Verbraucher ausdrücklich dazu auf, bei Restaurantbesuchen und im Biergarten großzügiger zu sein.
Isabell Mura von der NGG Südwestfalen bringt es auf den Punkt: Trinkgeld komme immer gut an – vor allem dann, wenn es bei dem „Rest“ nicht nur um 20 oder 50 Cent gehe. Allein im Bereich der NGG Südwestfalen in Hagen arbeiten rund 2.280 Beschäftigte in Biergärten, Gaststätten, Restaurants und Hotels, für die das Trinkgeld ein wichtiger „Portemonnaiefüller“ ist.
- 10 Prozent gelten in Deutschland als übliche Orientierung
- Trinkgeld ist für Empfänger steuerfrei, wenn es freiwillig und direkt gegeben wird
- Viele Gäste geben weniger als 5 Prozent – oder gar nichts
- In der Gastronomie liegt der Mindestlohn 2025/2026 bei 12,82 Euro brutto – Trinkgeld bleibt damit ein relevanter Aufschlag
- Digitales Zahlen per Karte macht spontanes Trinkgeld schwerer – viele Terminals fragen aber aktiv danach
10 Prozent als Daumenregel – aber in der Praxis?
In den USA liegt die Erwartung bei 15 bis 20 Prozent, in Deutschland ist man historisch zurückhaltender. 10 Prozent gelten als akzeptabler Richtwert, doch laut NGG unterschreiten viele Gäste diese Marke – oder lassen das Trinkgeld ganz weg. Gerade beim bargeldlosen Zahlen, das seit der Pandemie stark zugenommen hat, geht die spontane Münze auf dem Tisch schlicht verloren.
Dabei ist der Aufwand für Servicekräfte nicht kleiner geworden: Fachkräftemangel, Schichtdienst, körperlich anspruchsvolle Arbeit unter Druck – und ein Grundgehalt, das selten üppig ausfällt. Trinkgeld schließt diese Lücke zumindest teilweise.
Warum manche Betriebe Trinkgeld sogar ablehnen
Dass die Debatte komplizierter ist, zeigt ein Phänomen, das zuletzt mehr Aufmerksamkeit bekam: Einzelne Restaurants lehnen Trinkgelder ab. Gästen wurde laut Berichten erklärt, dass andernfalls steuerliche Komplikationen entstehen könnten. Das ist in dieser Pauschalform falsch – direkt und freiwillig gegebenes Trinkgeld ist für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland steuerfrei. Für Betriebe, die Trinkgelder über die Kasse abwickeln, gelten andere Regeln, was für Verwirrung sorgt.
- Trinkgeld direkt in bar an die Person: steuerfrei für den Empfangenden
- Trinkgeld über den Kartenleser, das der Betrieb verwaltet: steuerlich komplexer
- Pooling-Systeme (gemeinsames Aufteilen im Team): erlaubt, muss aber transparent geregelt sein
- Arbeitgeber darf Trinkgeld nicht einbehalten oder anrechnen
Was du als Gast tun kannst
Du musst kein Trinkgeld geben – rechtlich gesehen. Aber wenn der Service stimmt, ist es eine direkte Anerkennung der Arbeit, die auf dem Teller landet. Und bei bargeldlosem Zahlen hilft es, kurz nachzufragen oder einen Betrag am Terminal einzutragen, statt auf „Keine Trinkgeld“-Schaltflächen zu tippen, ohne nachzudenken.
- Einfaches Café, Imbiss: 50 Cent bis 1 Euro runden auf
- Mittagessen im Restaurant (15–25 €): 2–3 Euro
- Abendessen (40–80 €): 5–10 Euro, gern mehr bei gutem Service
- Große Runde, aufwendiger Service: 10 Prozent als Mindest-Orientierung
Laut NGG Südwestfalen geht es beim Welttrinkgeldtag nicht darum, Gäste zu beschämen – sondern darum, Bewusstsein zu schaffen. Wer weiß, was im Hintergrund eines Restaurantabends steckt, tippt am Terminal vielleicht eine andere Zahl ein.


