Rund 300 Hoteliers, Betreiber und Zulieferer reisten Mitte Mai 2026 nach Washington D.C., um den US-Kongress in drei zentralen Forderungen unter Druck zu setzen: Modernisierung des H-2B-Visaprogramms, Verabschiedung des American Franchise Act und Wiederherstellung der Brand-USA-Finanzierung. Hinter dem Lobbytag steckt die American Hotel & Lodging Association (AHLA) – der größte Branchenverband der US-Hotellerie.
Warum 300 Hoteliers nach Capitol Hill fuhren
Der 13. Mai 2026 war kein gewöhnlicher Arbeitstag für einen Großteil der amerikanischen Hotelbranche. Hoteleigentümer, General Manager, Betreiber und Zulieferer aus dem ganzen Land reisten in die Hauptstadt – nicht für eine Konferenz, sondern um direkt mit Parlamentarierinnen und Parlamentariern zu sprechen. Organisiert hat den Lobbytag die AHLA, die drei konkrete Gesetzgebungsvorhaben auf der Agenda hatte.
Der Hintergrund: steigende Betriebskosten, anhaltender Personalmangel und rechtliche Unsicherheit für Franchisenehmer belasten die Branche. Das ließ sich offenbar nicht länger per Pressemitteilung lösen.
Die drei Kernforderungen im Überblick
1. American Franchise Act: Rechtssicherheit für Franchisenehmer
Das Franchise-Modell trägt einen Großteil der US-Hotellerie. Marken wie Marriott, Hilton oder IHG betreiben ihr Netz zu weiten Teilen über unabhängige Franchisenehmer – oft Familienunternehmen. Genau hier liegt das Problem: Die Definition des sogenannten „Joint Employer Standard“ ist seit Jahren juristisch umkämpft. Gilt ein Franchisegeber als Mitarbeitgeber seiner Franchisenehmer? Die Antwort entscheidet darüber, wer für Arbeitsbedingungen und Löhne haftet.
Der American Franchise Act würde den traditionellen Standard gesetzlich festschreiben und damit Planungssicherheit für tausende kleine Hotelbetreiber schaffen. Die AHLA sieht das als Voraussetzung dafür, dass das Franchise-Modell wirtschaftlich funktioniert.
2. H-2B-Visa: Personal aus dem Ausland planbar machen
Das H-2B-Programm erlaubt US-Unternehmen, saisonale Arbeitskräfte aus dem Ausland einzustellen – für Hotels besonders relevant in Saisonspitzen. Das Problem: Das aktuelle System ist bürokratisch, mit harten Kontingenten und langen Wartezeiten. Wer im Sommer Personal braucht, weiß oft bis kurz vor der Saison nicht, ob die Visa rechtzeitig kommen.
Die AHLA fordert eine Modernisierung, die das Programm vorhersehbarer macht. Konkret heißt das: höhere Kontingente, schnellere Bearbeitung, mehr Verlässlichkeit für Betriebe, die strukturell auf saisonale Kräfte angewiesen sind.
3. Brand USA: Tourismusmarketing wiederherstellen
Brand USA ist die offizielle Tourismusmarketingorganisation der Vereinigten Staaten – vergleichbar mit dem Deutschen Zentrum für Tourismus. Sie wirbt weltweit für Amerika als Reiseziel und wird teils durch eine Abgabe auf Visa-Bearbeitungsgebühren finanziert. Zuletzt wurde die Finanzierung beschnitten, was die AHLA als direkten Schaden für die Nachfrageseite der Branche bewertet.
Das Argument ist einfach: Weniger internationale Gäste bedeutet weniger Hotelbuchungen. Wer also die Hotellerie stärken will, muss auch in Tourismuswerbung investieren.
- American Franchise Act: Joint-Employer-Standard gesetzlich verankern, Rechtssicherheit für Franchisenehmer
- H-2B-Modernisierung: Saisonale Arbeitsvisa planbarer und kontingentreicher machen
- Brand USA: Finanzierung des US-Tourismusmarketings wiederherstellen
Was steckt dahinter – und warum jetzt?
Der Lobbytag ist kein Zufall. Die US-Hotellerie kämpft auf mehreren Fronten gleichzeitig: Personalmangel trifft auf steigende Lohnkosten, der internationale Reiseverkehr erholt sich ungleichmäßig, und die politische Lage macht langfristige Planung schwer. Drei Gesetzgebungsvorhaben, die alle gleichzeitig auf dem Tisch liegen – das ist eine seltene Konstellation.
Die AHLA nutzt das Momentum. Fast 300 Branchenvertreter persönlich nach Washington zu bringen, ist organisatorisch aufwendig und teuer. Es signalisiert: Diesmal ist der Druck real.
Franchise Act: Was auf dem Spiel steht
Dafür spricht
- Planungssicherheit für kleine Franchisebetriebe
- Klare Haftungsverteilung zwischen Franchisegeber und -nehmer
- Schutz des bewährten Modells vor juristischer Aushöhlung
Dagegen spricht
- Arbeitnehmerverbände sehen niedrigere Arbeitnehmerrechte für Beschäftigte bei Ketten
- Großkonzerne profitieren möglicherweise stärker als kleine Betreiber
- Politisch umstrittenes Thema, Mehrheitsfindung im Kongress unsicher
Was das für die internationale Hotellerie bedeutet
Auf den ersten Blick ist das ein US-Thema. Aber die Signalwirkung geht weiter. Visa-Beschränkungen für saisonale Arbeitskräfte, rechtliche Unsicherheit im Franchiserecht und schrumpfende Tourismusmarketing-Budgets – das sind Themen, die auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz bekannt klingen.
Und: Wer Geschäftsreisende oder internationale Gäste betreut, merkt direkt, wenn die USA als Reisedestination schwächelt. Weniger US-Incoming bedeutet auch weniger Reiselust in Gegenrichtung.
H-2B, Franchise Act, Brand USA – drei Themen, ein Lobbytag, eine klare Botschaft: Die Hotellerie ist kein stiller Sektor mehr.

