Das Wichtigste in Kürze

Skift Research hat rund 7.000 Reisende aus Asien, Europa, Lateinamerika, dem Nahen Osten/Afrika und Nordamerika befragt. Das Ergebnis: Der globale Reisemarkt wächst insgesamt – aber die Unterschiede zwischen den Regionen sind enorm. Treueprogramme beeinflussen Buchungsentscheidungen, halten Kunden aber kaum. Und geopolitische Unsicherheit verändert Buchungsverhalten in einer Geschwindigkeit, mit der viele Anbieter nicht mithalten.

86 Prozent der Reisenden aus dem Nahen Osten und Afrika planen, in den nächsten Monaten zu reisen. In Europa sind es gerade mal 61 Prozent. 25 Prozentpunkte Unterschied – das ist keine Nuance, das ist ein anderer Markt. Genau das zeigen die neuen Daten von Skift Research, die rund 7.000 Reisende aus fünf Weltregionen befragt haben.

Für Hoteliers, Revenue Manager und alle, die mit globalem Demand-Forecasting arbeiten, ist das relevant. Die Zahlen zeigen nicht nur, wo Nachfrage entsteht – sondern auch, warum gängige Strategien rund um Loyalität und Pricing an der Realität vorbeigehen.

Nachfrage wächst – aber nicht überall gleich

Die MENA-Region führt den globalen Vergleich mit Abstand an. 86 Prozent Reiseintention klingt nach Boom. Doch hohe Intention allein bedeutet noch keine Buchung. Die Region ist gleichzeitig die geopolitisch volatilste – politische Instabilität bremst aus, was Kauflust aufbaut.

Lateinamerika dagegen gilt laut Skift als unterschätzter Wachstumsmarkt. Die Reisebereitschaft ist hoch, die geopolitische Sensitivität ebenfalls – aber das Momentum ist da. Für europäische und amerikanische Kettenhotels, die bisher vor allem auf APAC und Nordamerika gesetzt haben, ist das ein Signal.

ZAHLEN & FAKTEN Globale Reiseintention nach Region
86 %
MENA
Höchste Reiseintention weltweit – trotz geopolitischer Unsicherheit in der Region.
#1 weltweit
61 %
Europa
Schwächste Reiseintention – obwohl Europa als verlässlichste Reisebasis gilt.
#5 weltweit
25 Pkt.
Regionaler Gap
So groß ist der Unterschied zwischen der begeistertsten und der zurückhaltendsten Region.
~7.000
Befragte weltweit
Skift Research befragte Reisende aus Asien, Europa, LATAM, MENA und Nordamerika.
Quelle: Skift Research, Mai 2026

Geopolitik als Buchungshindernis

Reisende aus MENA und Lateinamerika reagieren besonders sensibel auf politische Entwicklungen. Das ist kein neues Phänomen – aber die Skift-Daten quantifizieren es jetzt auf Regionenebene. Asiatische Reisende zeigen im Vergleich deutlich geringere geopolitische Sensitivität.

Für Hotels und Reiseveranstalter bedeutet das: Demand-Forecasts, die nur auf historischen Buchungsdaten basieren, greifen zu kurz. Wer Märkte wie Saudi-Arabien, die VAE oder Brasilien bearbeitet, braucht eine Risikomatrix, die politische Lageentwicklungen in Echtzeit integriert.

Redaktions-Einschätzung: Revenue Manager, die 2026 noch mit starren Jahresbudgets ohne geopolitische Szenarien arbeiten, werden im zweiten Halbjahr böse überrascht.

Treueprogramme: Viel Einfluss, kaum Bindung

Das ist der Teil der Studie, der wehtut. Loyalty-Programme wirken – sie beeinflussen, wo Reisende buchen. Aber sie halten die wenigsten wirklich. Selbst wer Punkte sammelt, wechselt beim nächsten Trip zur Konkurrenz, wenn der Preis oder die Lage stimmt.

Das ist kein Nischenproblem. Laut Skift hat sich die Loyalty-Landschaft in den letzten zehn Jahren grundlegend verändert: von einfachen Punktesystemen zu komplexen Wachstumsinstrumenten, die Milliardenumsätze stützen. Marriott Bonvoy, Hilton Honors und IHG One Rewards zählen zusammen mehrere hundert Millionen Mitglieder. Und trotzdem: Treue im klassischen Sinne – ein Gast, eine Marke – ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Warum Programme scheitern

  • Punkte und Status sind austauschbar geworden – zu viele Programme bieten dasselbe
  • Blackout-Daten und Einlöse-Hürden frustrieren genau die aktivsten Nutzer
  • Personalisierung fehlt: Angebote passen nicht zur aktuellen Reisesituation
  • Elite-Status hat sich inflationiert – wenn alle Platin sind, ist niemand mehr Platin
  • Preissensibilität schlägt Programm-Loyalität bei der Buchungsentscheidung
Was laut Skift wirklich Loyalität schafft

Die Studie empfiehlt einen Wechsel weg von Status-getriebenen Mechaniken hin zu drei Kernelementen:

  • Purpose: Warum soll jemand loyal sein? Marken brauchen eine klare Antwort jenseits von Punkten.
  • Personalisierung: Angebote müssen zur aktuellen Lebenssituation passen – nicht zum Buchungsverhalten vor zwei Jahren.
  • Echtzeit-Relevanz: Der richtige Moment zählt mehr als der theoretisch beste Deal im Newsletter.

Pricing unter Druck: Regional denken statt global glätten

Die Studie zeigt auch: Preissensitivität ist keine universelle Größe. Sie variiert stark nach Region – und nach Buchungsphase. Wer einen einheitlichen Preis für alle Märkte ansetzt, verliert in beiden Richtungen: zu teuer für preissensible Märkte, zu günstig für Reisende mit höherer Zahlungsbereitschaft.

Skift empfiehlt, Pricing-Strategien entlang der tatsächlichen regionalen Ausgabenentwicklung zu kalibrieren. Das klingt nach Lehrbuch – ist aber in der Praxis vieler mittelgroßer Hotelketten noch nicht angekommen. Besonders im direkten Buchungskanal gibt es hier Potenzial.

Die entscheidende Phase im Buchungsprozess

Ein zentrales Argument der Studie: Reisende entscheiden nicht in einem Schritt. Der Buchungsprozess ist mehrstufig – und smarte Anbieter fokussieren sich auf die Phase, in der sie tatsächlich Einfluss nehmen können. Das ist selten die erste Suche. Und oft nicht die letzte Nacht vor der Buchung.

Wer versteht, in welchem Moment ein Reisender wechselbereit ist oder eine Entscheidung festigt, kann Pricing und Loyalty-Mechaniken gezielt einsetzen – statt mit Gießkanne zu kommunizieren.

Was das für die Hotellerie bedeutet

Die Daten sind global, aber die Konsequenzen sind lokal. Ein Stadthotel in Wien, das stark auf amerikanische und arabische Gäste setzt, muss jetzt anders planen als noch 2024. LATAM-Nachfrage wächst – aber nur, wenn der Buchungsprozess reibungslos ist und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Und Loyalty? Funktioniert als Akquise-Instrument. Als Retention-Tool taugt es ohne Reform kaum.

  • Regionale Demand-Unterschiede in der Jahresplanung abbilden – nicht mit einem globalen Durchschnitt arbeiten
  • Geopolitische Szenarien in Forecasting-Modelle integrieren
  • Loyalty-Programme auf Einlöse-Einfachheit und echte Personalisierung prüfen
  • Pricing nach Regionen und Buchungsphasen differenzieren
  • LATAM als Wachstumsmarkt aktiv ansprechen – direkte Buchungskanäle priorisieren

Die vollständige Skift-Studie ist hinter einer Paywall verfügbar – der Original-Artikel auf Skift.com gibt einen guten Überblick über die Kernthesen. Wer tiefer einsteigen will, findet dort auch Zugang zum vollständigen Research-Report.

HÄUFIGE FRAGEN

Welche Region hat weltweit die höchste Reisebereitschaft?

Laut Skift Research liegt die MENA-Region (Naher Osten und Afrika) mit 86 Prozent Reiseintention weltweit vorne. Europa bildet mit 61 Prozent das Schlusslicht unter den fünf untersuchten Regionen.

Warum funktionieren Treueprogramme in der Reisebranche nicht mehr richtig?

Treueprogramme beeinflussen zwar Buchungsentscheidungen, binden Kunden aber kaum langfristig. Punkte und Elite-Status sind zu ähnlich und austauschbar geworden, Einlöse-Hürden frustrieren aktive Nutzer, und Personalisierung fehlt in den meisten Programmen.

Welcher Markt gilt laut Skift als unterschätzter Wachstumsmarkt?

Lateinamerika (LATAM) wird in der Studie als vielversprechender Wachstumsmarkt eingestuft. Die Reisebereitschaft ist hoch, und das Momentum spricht für eine steigende Nachfrage.

Wie beeinflusst Geopolitik das Buchungsverhalten?

Reisende aus MENA und LATAM reagieren besonders sensibel auf politische Unsicherheit. Asiatische Reisende zeigen im Vergleich eine deutlich geringere geopolitische Sensitivität. Für Demand-Forecasting bedeutet das: rein historische Buchungsdaten reichen nicht mehr aus.

Was sollten Hotels beim Pricing konkret ändern?

Skift empfiehlt, Pricing-Strategien nach regionaler Zahlungsbereitschaft und Buchungsphase zu differenzieren. Ein einheitlicher globaler Preis verliert in preissensiblen Märkten Buchungen und verschenkt in kaufkräftigen Märkten Potenzial.
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