Das Wichtigste in Kürze

Laut einer aktuellen Umfrage der American Hotel & Lodging Association (AHLA) melden knapp 80 % der Hotels in den elf US-Ausrichter-Städten Buchungsstände unter den ursprünglichen Prognosen. Besonders hart trifft es Kansas City – während Miami und Atlanta noch am besten abschneiden. Hohe Preise, Visa-Hürden und geopolitische Unsicherheiten gelten als Hauptgründe für die schwache internationale Nachfrage.

37 Tage vor dem ersten Anpfiff ist das Bild ernüchternd: Der erhoffte Buchungsschub für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026 bleibt in weiten Teilen der USA aus. Das zeigt eine aktuelle Mitglieder-Umfrage der AHLA, die am vergangenen Montag veröffentlicht wurde. Was sich viele Hoteliers seit Jahren erhofft hatten – ein Mega-Event als Umsatzturbo – droht für viele ein teures Non-Event zu werden.

Was die Zahlen sagen

Anfang 2025 hatte CoStar gemeinsam mit Tourism Economics noch optimistische Projektionen veröffentlicht: plus 1,6 % bei den durchschnittlichen Tagesraten (ADR) und spürbar bessere Auslastung in den Austragungsorten während der Turniermonate. Davon ist heute wenig übrig.

Knapp 80 % der befragten AHLA-Mitglieder berichten, dass die Buchungen hinter den Erwartungen zurückliegen. Gleichzeitig zeigen Branchendaten, dass die Raten in fast allen Märkten um mehr als 50 % gestiegen sind – die Auslastung und die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ziehen aber nicht mit. Ein klassisches Muster: Wer zu früh zu stark dreht, verliert Gäste an flexiblere Alternativen.

ZAHLEN & FAKTEN WM 2026 – Hotelbuchungen in den USA
~80 %
Hotels unter Prognose
In den 11 US-Austragungsorten berichten knapp 80 % der AHLA-Mitglieder von schwächeren Buchungsständen als erwartet.
unter Erwartung
+50 %+
Ratenanstieg ADR
Raten stiegen in fast allen Märkten um mehr als 50 % – Auslastung zieht nicht mit.
+1,6 %
ADR-Prognose (2025)
CoStar und Tourism Economics prognostizierten Anfang 2025 diesen Anstieg bei ADR sowie verbesserte Auslastung.
11
US-Austragungsorte
Von Kansas City bis Miami – alle elf Städte sind betroffen, aber mit sehr unterschiedlicher Intensität.
Quelle: AHLA-Mitgliederumfrage, Mai 2026; CoStar / Tourism Economics, Q1 2025

Gewinner, Verlierer – und ein deutliches Schlusslicht

Nicht alle Märkte sind gleich betroffen. Miami und Atlanta liegen noch am ehesten im Plan, teilweise sogar leicht über den Erwartungen. Beide Städte profitieren von ihrer Bekanntheit als internationale Reiseziele, einer gut ausgebauten Direktflugnetz-Infrastruktur und einer starken lateinamerikanischen Community in der Region – für ein Fussball-Turnier ein entscheidender Vorteil.

Kansas City hingegen gilt laut Branchenberichten als härtester Fall. Für viele internationale Fans ist die Stadt schlicht kein spontanes Reiseziel – das macht die fehlenden Buchungen dort schwerer aufholbar als in küstennahen Metropolen.

Mehrere nordöstliche Städte beschreiben das Turnier intern bereits als „Non-Event“ – ein Begriff, der in der Hotelbranche für Events steht, die weniger Uplift bringen als ein gewöhnliches Stadtfest.

Warum die Nachfrage schwächelt

Die Ursachen sind mehrschichtig. Hoteliers selbst nennen in der AHLA-Umfrage mehrere Faktoren:

  • Visa-Barrieren: Viele internationale Fans – besonders aus Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten – kommen nicht durch den US-Einreiseprozess. Lange Wartezeiten auf Visa-Termine und gestiegene Ablehnungsraten dämpfen die Reiselust erheblich.
  • Geopolitische Unsicherheiten: Die angespannte politische Lage schreckt Reisende aus mehreren traditionell fussballstarken Nationen ab.
  • FIFA-Ticketpreise: FIFAs Ticketpreise gelten vielen als schlicht zu hoch – wer kein Ticket hat, reist für ein paar Public-Viewing-Abende selten um den halben Globus.
  • Kurzfristige Steuervorschläge: In einigen US-Bundesstaaten kursieren noch offene Steuer- und Abgaberegelungen für Beherbergungsbetriebe – das schafft Planungsunsicherheit auf beiden Seiten.
  • Eigene Ratenüberhöhung: Ein Teil der schwachen Nachfrage ist hausgemacht. Hotels, die ihre Preise schon Monate vor dem Turnier massiv angehoben haben, haben frühe Bucher in Richtung Ferienwohnungen und Kurzzeitmieten getrieben.
Kurzzeitmieten profitieren

Während Hotels schwächeln, verzeichnen Airbnb und vergleichbare Plattformen für WM-Zeiträume starke Nachfrage. Für viele Fans – vor allem Gruppen und Familien – sind flexible Unterkünfte bei weniger restriktiven Stornobedingungen und ohne das Preisschock-Potenzial von Hotel-Tarifen die attraktivere Option. Wer jetzt noch keine Lösung für dieses Segment hat, verliert weitere Marktanteile.

Das Last-Minute-Fenster: Chancen noch nicht verspielt

Ganz verloren ist das Spiel noch nicht. Branchenexperten sind sich einig: Ein erheblicher Teil der WM-Buchungen kommt traditionell sehr kurzfristig – getrieben von Spielergebnissen, Team-Progressionen und dem Moment, wenn ein Land ins Achtelfinale einzieht und Fans spontan Flüge buchen.

Diese zweite Buchungswelle ist schneller, zielgerichteter und weniger planbar. Hotels, die ihre Raten dynamisch steuern und kurzfristige Stornierungsrichtlinien flexibel gestalten, können davon noch profitieren. Wer starr auf hohen Preisen sitzt und keine Last-Minute-Pakete anbietet, wird leer ausgehen.

Redaktions-Einschätzung: Wer jetzt die Preisschraube etwas lockert und kurzfristige Buchungen aktiv bewirbt, hat noch echte Chancen – vor allem in den Turnierwochen mit nationalen Spielen.

Was Hoteliers jetzt konkret tun können

  • Raten dynamisch anpassen – weg von statischen WM-Preisen, hin zu tagesaktuellem Revenue Management
  • Stornobedingungen für kurzfristige Buchungen lockern, um spontane Fans anzusprechen
  • Pakete schnüren: Ticket-nahe Zeiträume gezielt bepreisen, Zwischenphasen günstiger halten
  • Direktbuchungs-Kampagnen für den lokalen und nationalen Markt aufsetzen – internationale Gäste bleiben schwieriger erreichbar
  • Kooperationen mit Fanfesten und Public-Viewing-Veranstaltern als Traffic-Treiber nutzen
  • Channel-Manager-Einstellungen prüfen: Kurzfristige Verfügbarkeit auf OTAs und Metasuche sicherstellen

Größere Lektion für die Branche

Die WM 2026 wird ein Lehrbeispiel dafür, wie Großevents und Hotelpreisgestaltung zusammenhängen – oder eben nicht. Wer auf Mega-Event-Demand gesetzt hat, ohne die strukturellen Risiken (Visa, Geopolitik, Ticketpreise, Kurzzeitmieten) einzupreisen, steht jetzt vor leeren Zimmern zu hohen Preisen. Das ist kein neues Phänomen: Ähnliche Muster gab es bei der Rugby-WM in Frankreich 2023 und dem Super Bowl in städtischen Märkten.

Der eigentliche Test kommt in den nächsten vier Wochen: Füllen sich die Häuser, sobald die Gruppenphase läuft und Teams sich qualifizieren? Dann war die Delle nur ein Timing-Problem. Bleibt die Auslastung schwach, wird die Branche ihre Event-Pricing-Strategie grundlegend überdenken müssen.

HÄUFIGE FRAGEN

Warum bleiben die WM-Buchungen 2026 in US-Hotels hinter den Erwartungen zurück?

Mehrere Faktoren spielen zusammen: überhöhte Ticketpreise von FIFA, Visa-Schwierigkeiten für internationale Fans, geopolitische Unsicherheiten und Hotels, die ihre Raten zu früh zu stark erhöht haben – was Gäste in Richtung Airbnb und Co. getrieben hat.

Welche US-Städte schneiden bei WM-Buchungen am besten ab?

Miami und Atlanta liegen noch am ehesten im Plan, teilweise leicht über den Erwartungen. Beide profitieren von ihrer Bekanntheit als internationale Reiseziele und einer starken lateinamerikanischen Community.

Welche Stadt ist am stärksten betroffen?

Kansas City gilt laut Branchenberichten als härtester Fall – für internationale Fans ist die Stadt kein spontanes Reiseziel, was die Buchungsschwäche dort schwerer aufholbar macht.

Können Hotels noch von der WM profitieren?

Ja. Ein erheblicher Teil der WM-Buchungen kommt traditionell sehr kurzfristig – getrieben von Spielergebnissen und Team-Qualifikationen. Wer Raten dynamisch steuert und kurzfristige Buchungen aktiv bewirbt, hat noch echte Chancen.

Was hat die AHLA-Umfrage zur WM 2026 ergeben?

Die American Hotel & Lodging Association befragte ihre Mitglieder in den elf US-Austragungsorten. Knapp 80 % berichten, dass Buchungen hinter den ursprünglichen Prognosen zurückliegen – obwohl Raten um teils über 50 % gestiegen sind.
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