Das Wichtigste in Kürze

American Airlines und Alaska Air verhandeln über eine Revenue-Sharing-Partnerschaft. Die Gespräche sind noch früh – könnten aber Alaska in Americans bestehende Joint-Business-Ventures mit British Airways und Japan Airlines einbeziehen. Treiber sind steigende Treibstoffkosten und härterer Wettbewerb.

Die Gespräche laufen. Laut Skift sind American Airlines und Alaska Air in frühen Verhandlungen über eine Revenue-Sharing-Partnerschaft – und möglicherweise mehr. Konkret geht es darum, Strecken besser zu koordinieren, Preise abzustimmen und Erlöse gemeinsam zu bewirtschaften.

Der Umfang würde Americans früheren Northeast Alliance mit JetBlue übertreffen. Damals hatte das US-Kartellamt die Allianz 2023 per Gericht gekippt – ein Präzedenzfall, der beide Carrier jetzt strategisch vorsichtiger macht.

Was auf dem Tisch liegt

Der ambitionierteste Teil der Verhandlungen: Alaska könnte in Americans bestehende Joint Business Ventures eingebunden werden – also in die Transatlantik-Partnerschaft mit British Airways und das Pazifik-Venture mit Japan Airlines. Damit würden nicht mehr nur Codeshares geteilt, sondern echte Erlöspools.

Beide Airlines sind bereits heute enge Partner – beide gehören zur oneworld-Allianz, beide teilen Codeshares auf zahlreichen Strecken. Eine Revenue-Sharing-Vereinbarung wäre der nächste logische Schritt, geht aber regulatorisch deutlich weiter.

Was ist Revenue-Sharing bei Airlines?

Bei einer Revenue-Sharing-Partnerschaft teilen Fluggesellschaften die Erlöse auf gemeinsam betriebenen oder koordinierten Strecken – unabhängig davon, welcher Carrier den Passagier tatsächlich befördert. Das erlaubt Kapazitätssteuerung ohne formellen Zusammenschluss, erfordert aber meist eine kartellrechtliche Genehmigung (sogenannte Antitrust Immunity, ATI) durch die zuständigen Behörden.

Warum gerade jetzt?

Das Timing ist kein Zufall. Beide Carrier kämpfen mit denselben Problemen:

  • Treibstoffkosten auf erhöhtem Niveau – Jet-A-Kerosin belastet die Margen strukturell
  • Intensiver Preiswettbewerb auf US-Inlandsstrecken, besonders von Ultra-Low-Cost-Carriern
  • Alaska will international wachsen, fehlt aber die globale Netzabdeckung allein
  • American will die West-Coast-Position stärken – Alaskas Kernmarkt

Bloomberg hatte zuerst berichtet, dass sogar Fusionsgespräche stattgefunden hätten – diese sollen sich aber nicht weiterentwickelt haben. Der Revenue-Sharing-Ansatz ist nun offenbar der pragmatischere Weg.

Der regulatorische Stolperstein

Hier liegt das eigentliche Risiko. Nach dem gescheiterten JetBlue-Deal weiß die Branche: US-Kartellbehörden schauen sehr genau hin, wenn große Carrier Preisabsprachen oder Erlösteilung koordinieren wollen. Für eine echte ATI – also die Erlaubnis, ohne Kartellrisiko gemeinsam Preise und Kapazitäten zu steuern – brauchen beide die Zustimmung des US-Verkehrsministeriums (DOT).

Das Northeast-Alliance-Urteil gegen American/JetBlue sitzt tief. Diesmal werden beide Carrier den regulatorischen Weg deutlich sorgfältiger abstecken müssen.

Was das für die Branche bedeutet

Airlines suchen weltweit nach Skalenvorteilen unterhalb der Fusionsschwelle. Revenue-Sharing-Modelle wie das zwischen Lufthansa und United auf dem Atlantik zeigen, dass das funktioniert – wenn die Regulierer mitspielen. Ein American-Alaska-Deal würde das US-Netz der oneworld-Allianz erheblich verdichten und Delta sowie United auf der Westküste unter Druck setzen.

  • Für American: mehr Zubringer aus Alaskas starken Märkten Seattle, Portland, Anchorage
  • Für Alaska: Zugang zu internationalen JV-Strukturen ohne eigene Langstreckenflotte aufzubauen
  • Für Passagiere: potenziell mehr Direktverbindungen – aber auch weniger Preiswettbewerb
  • Für Regulierer: ein Prüffall mit hoher politischer Aufmerksamkeit

Die Gespräche laufen – ein Abschluss ist nicht garantiert. Aber der Druck auf beide Airlines, Kosten zu verteilen und Reichweite zu gewinnen, ist real. Der nächste Schritt dürfte zeigen, wie ernst es beide Seiten meinen.

HÄUFIGE FRAGEN

Was verhandeln American Airlines und Alaska Air gerade?

Beide Carrier sind in frühen Gesprächen über eine Revenue-Sharing-Partnerschaft – also die gemeinsame Koordination von Strecken, Preisen und Erlösen. Auch eine Einbindung Alaskas in Americans Joint Ventures mit British Airways und Japan Airlines steht im Raum.

Was ist der Unterschied zur früheren JetBlue-Allianz von American?

Die frühere Northeast Alliance mit JetBlue war geografisch begrenzt und wurde 2023 gerichtlich gekippt. Der mögliche Alaska-Deal wäre breiter angelegt und würde internationale JV-Strukturen einschließen.

Brauchen American und Alaska eine behördliche Genehmigung?

Ja. Für eine echte Revenue-Sharing-Vereinbarung mit Preiskoordination benötigen beide Airlines eine sogenannte Antitrust Immunity (ATI) des US-Verkehrsministeriums – ein regulatorisch anspruchsvoller Prozess.

Warum suchen beide Airlines gerade jetzt einen Partner?

Steigende Treibstoffkosten und harter Preiswettbewerb drücken die Margen. Eine Partnerschaft soll Skalenvorteile bringen – American will die Westküste stärken, Alaska den Zugang zu internationalen Märkten.

Wurden auch Fusionsgespräche geführt?

Laut Medienberichten soll es Fusionsgespräche gegeben haben – diese haben sich aber offenbar nicht weiterentwickelt. Der Revenue-Sharing-Ansatz gilt nun als realistischere Option.
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