OpenAI hat das Anzeigenmodell in ChatGPT von Impression-basierter Abrechnung auf Cost-per-Click (CPC) umgestellt. Das ist genau das Preismodell, auf dem Google sein Werbeimperium aufgebaut hat – und auf dem Travel-Marketer ihre Kampagnen seit Jahren messen. Hotel-Anzeigen erscheinen bereits in ChatGPT-Antworten, OTAs führen bei den Placements. Die zentrale Frage: Was ist ein Klick in ChatGPT wirklich wert?
Vom Tausender-Preis zum Klick-Preis
Am 9. Februar 2026 schaltete OpenAI erstmals Werbung in ChatGPT. Das erste Modell war ein klassisches CPM-Setup – Advertiser zahlten für je 1.000 Sichtkontakte, zu einem Einstiegspreis von 60 US-Dollar CPM. Das Mindest-Budget lag bei 200.000 Dollar. Kein kleines Experiment.
Jetzt kommt der nächste Schritt: Cost-per-Click. Laut einem Bericht von Digiday können ausgewählte Advertiser bereits CPC-Gebote abgeben – mit Preisen zwischen 3 und 5 US-Dollar pro Klick. Das ändert die Logik grundlegend. CPM-Modelle belohnen Reichweite. CPC belohnt Intention.
Für Travel-Marketer ist das vertrautes Terrain. Google Ads, Metasearch-Plattformen wie Trivago oder Kayak, OTA-Partnerprogramme – alles läuft auf CPC. Die Fähigkeit, ChatGPT-Performance direkt mit diesen Kanälen zu vergleichen, war bisher nicht gegeben. Das ändert sich jetzt.
Warum der Wechsel auf CPC kein Zufall ist
Der Schwenk vom CPM- zum CPC-Modell war aus technischen Gründen nicht trivial. CPM braucht keine Click-Tracking-Infrastruktur – man zählt Einblendungen, fertig. CPC erfordert hingegen: Klick-Verfolgung, Attribution, Conversion-Tracking, Fraud-Erkennung. OpenAI hat diese Infrastruktur gerade erst aufgebaut.
- Start: 9. Februar 2026
- Erstes Modell: CPM, ca. 60 USD pro 1.000 Impressions
- Mindestbudget Pilotphase: 200.000 USD
- Neues Modell: CPC, 3–5 USD pro Klick (laut Digiday-Bericht)
- Kategorien mit Anzeigen: u.a. Hotels, OTAs
- Status: Erweiterter Pilot, OpenAI baut Ads-Team aktiv aus
Dazu passt, dass OpenAI aktuell Senior-Positionen im Ads-Bereich besetzt. Das ist kein Zeichen für ein Experiment – das ist der Aufbau einer ernsthaften Werbe-Business-Unit.
OTAs vorne, Hotels folgen
Wer schaut sich an, welche Marken bereits in ChatGPT-Antworten mit Anzeigen erscheinen? Wenig überraschend: Online-Reisebüros dominieren die frühen Placements. Booking.com, Expedia und Co. haben die Budgets, die Infrastruktur und die Performance-Marketing-Teams, um schnell in neue Kanäle einzusteigen.
Hotel-Anzeigen tauchen aber ebenfalls bereits auf – laut Skift-Analyse. Für unabhängige Hotels und kleinere Ketten stellt sich damit die klassische Frage: mitspielen oder abwarten? Wer zu lange wartet, zahlt später höhere CPCs, weil der Wettbewerb die Auktionspreise treibt. Das kennt jeder, der 2010 bei Google Ads eingestiegen ist – oder eben 2015, als die Preise schon dreimal so hoch waren.
Die eigentliche Frage: Was ist ein ChatGPT-Klick wert?
Hier liegt der entscheidende Unterschied zu Google Search. Ein Klick auf eine Google-Anzeige kommt von einem User, der aktiv gesucht hat. Die Intention ist klar: kaufen, buchen, vergleichen.
Ein Klick in einer ChatGPT-Antwort kommt aus einem anderen Kontext. Der User hat eine Frage gestellt, eine Antwort bekommen – und klickt dann auf einen Link, der in dieser Antwort erscheint. Ob das dieselbe Kaufabsicht signalisiert wie ein klassischer Search-Klick, weiß aktuell niemand mit Sicherheit.
- Pro ChatGPT-Click: Hohe Kontextualisierung – Anzeigen erscheinen in einer Antwort, die direkt zum Nutzer-Intent passt
- Pro ChatGPT-Click: Weniger Wettbewerb (noch) – CPCs zwischen 3–5 USD vs. teils deutlich höhere Google-CPCs in Travel
- Contra: Attribution ist schwieriger – ChatGPT ist kein direkter Buchungskanal, Conversion-Pfade sind länger
- Contra: Kein historisches Benchmark-Datenmaterial – niemand weiß, was eine gute CTR oder einen guten ROAS in ChatGPT bedeutet
- Contra: Nutzer-Reaktion auf Werbung in KI-Antworten ist noch unerforscht – Akzeptanz könnte kritischer sein als bei klassischer Search-Werbung
Was Travel-Marketer jetzt konkret tun können
ChatGPT-Ads sind noch kein Pflicht-Kanal. Aber sie sind ein Signal: Die KI-Plattformen werden zum vollwertigen Performance-Marketing-Kanal. Wer das ignoriert, riskiert in zwei Jahren die gleiche Überraschung wie 2019, als Voice Search als „nächstes großes Ding“ angekündigt wurde – und dann doch anders verlief.
Konkret sinnvoll für Hotel-Marketer und Travel-Brands:
- Pilotbudget reservieren: 5–10 % des digitalen Testbudgets für neue Kanäle. ChatGPT Ads sind ein legitimer Kandidat.
- Tracking-Setup vorbereiten: CPC braucht sauberes UTM-Tracking und Conversion-Ziele. Ohne das fliegt man blind.
- OTA-Konkurrenz beobachten: Welche Anzeigen erscheinen bei chatbasierter Suche nach deinem Hotel oder deiner Destination?
- Content für KI-Sichtbarkeit optimieren: Wer in ChatGPT-Antworten organic erscheint, braucht weniger paid. Strukturierte Daten, klare Fakten, Hotel-Schema helfen.
- Lernen, nicht skalieren: Noch keine Zahlen, die eine massive Budgetverschiebung rechtfertigen. Erstmal verstehen, wie der Kanal tickt.
OpenAI baut gerade das Fundament für ein ernsthaftes Werbegeschäft. Der Wechsel auf CPC ist kein Detail – er verändert, wer bereit ist zu investieren und wie Performance gemessen wird. Für die Travel-Branche, die bei Google Ads seit Jahren Erfahrung mit genau diesem Modell hat, sollte der Einstieg in die Logik vertraut sein. Die Frage ist nur: zu welchem Zeitpunkt und mit welcher Erwartungshaltung. Wer jetzt lernt, hat 2027 einen Vorteil. Wer wartet, bis alle Zahlen klar sind, zahlt die Lernkurve als erhöhten CPC.



