Andrea Monti, CEO von EHL Next, kritisiert die starke Fixierung der Hospitality auf ADR und RevPAR. Er fordert Messgrößen, die auch Wirkung auf Team, Gäste, Community und weitere Stakeholder zeigen.
Im Gespräch mit Simone Puorto verweist er außerdem auf einen simplen Test für KI: Wenn sie Zeit freisetzt, muss sich das im Alltag zeigen. Sonst bleibt sie nur ein Marketing-Label.
Warum Andrea Monti die Branche bremst
Monti sagt klar: Die Hospitality misst oft das Falsche. ADR und RevPAR zeigen Umsatz und Auslastung, aber nicht, wie ein Betrieb bei Gästen, Mitarbeitenden und im Umfeld wirkt. Genau dort setzt seine Kritik an.
Das Interview lief im Rahmen des EHL HumanX Summit in Lausanne. Monti führt dort die Innovationsarbeit von EHL weiter und denkt die Branche bewusst über den eigenen Tellerrand hinaus. Seine These: Wirkliche Ideen kommen oft von außen, nicht aus der üblichen Hotelblase.
Drei Punkte aus dem Interview
- Ort
- Lausanne
- Rolle
- CEO, EHL Next
- Kernkritik
- ADR und RevPAR reichen nicht
- Neue Messgröße
- Impact
Welche Kennzahlen Monti stattdessen sehen will
Monti spricht von Impact. Gemeint ist der Wert, den ein Betrieb nicht nur für den Gast schafft, sondern auch für die Belegschaft, die Nachbarschaft und andere Anspruchsgruppen. Das ist ein anderer Blick als bei klassischen Hotelkennzahlen.
Was hinter dem Begriff steckt
Der Artikel verweist auf Konzepte aus anderen Feldern, etwa Social ROI und Theory of Change. Dort arbeitet man schon länger mit Wirkungsmodellen, nicht nur mit Geldflüssen. In der Hospitality fehlt diese Sprache noch oft.
- Wirkung auf Mitarbeitende messen, nicht nur auf Umsatz.
- Einbindung der Community sichtbar machen.
- Gästezufriedenheit nicht nur über Bewertungen nachträglich lesen.
Frag dich bei jedem Projekt: Spart es wirklich Zeit im Team? Verbessert es Abläufe? Oder sieht es nur auf einer Folie gut aus? Wenn du dafür keine Antwort hast, ist die Kennzahl noch zu dünn.
Innovation kommt laut Monti oft von außen
Monti sagt, die spannendsten Ideen entstünden an Schnittstellen: Wellness, Hospitality, Ernährung, Sport. Genau dort treffe die Branche auf Denkweisen, die sie selbst selten entwickelt. EHL setzt dafür auf Workshops, Challenges und Design Sprints mit Menschen aus anderen Branchen.
Der Grund ist simpel. Viele Häuser laufen gut. Wenn ein Hotel in Paris, Mailand, Berlin oder Shanghai an Wochenenden bei 85 bis 90 Prozent Auslastung liegt, fehlt oft der Druck zum Umbau. Dann passiert Veränderung meist erst durch Krise, Regulierung oder einzelne Gründer mit Zeit und Geld für Experimente.
Warum das für Hotels relevant ist
- Neue Ideen kommen häufig aus Retail, Luxury oder Wellbeing.
- Gemischte Teams bringen andere Routinen mit.
- Ohne Druck bleibt vieles beim Alten.
Warum KI mehr liefern muss als Tempo
Monti stellt auch die KI-Debatte auf den Prüfstand. Für ihn zählt nicht, ob ein Tool beeindruckend klingt. Es zählt, ob Mitarbeitende dadurch messbar Zeit gewinnen. Genau da trennt sich Praxis von Folie.
Das passt zu seiner Grundthese. Die Branche redet gern über Technologie. Aber wenn ein System keine Abläufe vereinfacht oder Teams entlastet, bleibt der Nutzen dünn. Hier reicht es nicht, mit Schlagworten zu arbeiten.
Der einfache Test für digitale Tools
- Spart das Tool Zeit im Team?
- Verringert es Reibung im Ablauf?
- Verbessert es die Erfahrung für Gast oder Mitarbeitende?
Wenn du auf diese drei Fragen keine klare Antwort bekommst, lohnt sich der Einsatz oft nicht. Klingt hart. Ist aber ziemlich gesund.
Was die Branche jetzt daraus ziehen kann
Montis Haltung ist unbequem, aber nützlich. Wer Hospitality nur über ADR, RevPAR und Review-Scores liest, bekommt ein halbes Bild. Wer Wirkung messen will, braucht breitere Kennzahlen und mehr Mut zu Pilotprojekten.
Für Hotels heißt das: weniger Buzzwords, mehr Belege. Für neue Tools gilt dasselbe. Und für die nächste Innovationsrunde auch. Der Schein zählt hier wenig. Der Betrieb zählt.

