2025 wollten in Deutschland 3,8 Millionen Erwerbstätige weniger und 1,5 Millionen mehr arbeiten. Laut Destatis lag die normale Wochenarbeitszeit im Schnitt bei 34,7 Stunden, bei Wunsch nach weniger Arbeit sogar bei 40,9 Stunden.
Für Hotels, Restaurants und Spa-Betriebe ist das ein harter Hinweis: Arbeitszeitmodelle entscheiden mit darüber, ob du Personal hältst oder verlierst.
Was Destatis jetzt gemessen hat
Die Zahlen kommen aus dem Mikrozensus 2025. Berücksichtigt wurden Voll- und Teilzeitbeschäftigte im Alter von 15 bis 74 Jahren. Von den Erwerbstätigen mit Reduktionswunsch arbeiteten im Schnitt 40,9 Stunden pro Woche und wollten 10,5 Stunden weniger leisten. Wer mehr arbeiten wollte, kam im Schnitt auf 26,2 Stunden und hätte gern 10,5 Stunden draufgelegt.
3,8 Millionen wollten weniger arbeiten.
1,5 Millionen wollten mehr arbeiten.
34,7 Stunden betrug die gewöhnlich geleistete Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen im Schnitt.
0,6 Stunden wäre das rechnerische Minus pro Woche je Erwerbstätigen bei voller Umsetzung aller Wünsche.
Das klingt erst mal nach Statistik. Für die Praxis ist es eine Warnlampe. In der Hospitality laufen Schichten früh, spät und am Wochenende. Genau dort prallen Wunsch und Realität oft aufeinander.
Warum das für Hotels und Gastronomie zählt
Arbeitszeit ist kein Nebenthema. Sie entscheidet, ob eine Rezeption nachts besetzt bleibt, ob die Küche genug Leute für den Dinner-Run hat und ob im Spa am Samstag noch jemand die Behandlungen übernimmt. Wenn du Dienstpläne zu starr baust, verlierst du Leute. Ganz simpel.
Wo der Druck am größten ist
- Hotellerie: Früh-, Spät- und Nachtdienste machen Vollzeit oft schwer planbar.
- Gastronomie: Wochenenden und Abende bringen Umsatz, aber auch Belastung.
- Spa & Wellness: Behandlungszeiten hängen stark von Auslastung und Saison ab.
Destatis zeigt auch klare Unterschiede nach Beschäftigungsform. Von den 3,8 Millionen mit Reduktionswunsch waren 3,3 Millionen in Vollzeit beschäftigt, nur 0,5 Millionen in Teilzeit. Bei den 1,5 Millionen mit Mehrarbeitswunsch lag der Schwerpunkt dagegen klar in Teilzeit: 1,1 Millionen wollten mehr Stunden, nur 0,4 Millionen in Vollzeit.
Was die Zahlen über Teilzeit und Vollzeit verraten
Vollzeittätige Männer arbeiteten im Schnitt 41,1 Stunden und damit 1,5 Stunden mehr als vollzeittätige Frauen mit 39,6 Stunden. Sie wollten ihre Arbeitszeit seltener reduzieren: 10,3 Prozent gegenüber 13,5 Prozent bei Frauen. Frauen in Teilzeit kamen auf 22,1 Stunden, Männer in Teilzeit auf 19,9 Stunden.
- Teilzeitkräfte brauchen oft mehr Stunden, wenn sie Einkommen aufstocken wollen.
- Vollzeitkräfte wollen eher kürzere Wochen, wenn Dienste zu dicht werden.
- Geschlecht spielt bei der Verteilung der Arbeitszeitwünsche mit rein.
Genau da wird es für Betriebe spannend. Wer Teilzeit als reine Lückenlösung sieht, verschenkt Potenzial. Wer dagegen echte Teilzeitmodelle, Vier-Tage-Wochen oder planbare Wunschdienste anbietet, kann Personal länger halten. Das ist kein Zaubertrick. Es ist saubere Personalsteuerung.
Was du daraus für deinen Betrieb mitnimmst
Die Destatis-Zahlen sagen nicht, dass alle kürzer arbeiten wollen. Sie zeigen aber: Viele Vollzeitkräfte ziehen an der Stundenbremse, während Teilzeitkräfte eher mehr arbeiten möchten. Für Hotels, Restaurants und Spas heißt das: Ein einziges Standardmodell passt selten.
Drei konkrete Hebel für den Alltag
- Dienstpläne früher veröffentlichen: Das senkt Stress und macht Wechsel einfacher.
- Teilzeitmodelle ausbauen: Mehr Stundenoptionen helfen Leuten, die aufstocken wollen.
- Schichten auf Belastung prüfen: Nicht nur auf Deckung, auch auf Dauer.
Wer hier nur auf Verfügbarkeit schaut, läuft gegen die Wand. Wer Arbeitszeit als Teil der Arbeitgebermarke behandelt, hat einen echten Vorteil.
Methodisch bleibt ein Haken
Destatis weist selbst darauf hin, dass Personen- und Haushaltsbefragungen trotz ähnlicher Fragen zu anderen Ergebnissen führen können. Als Beispiel nennt die Behörde den Vergleich zwischen Mikrozensus und SOEP im Fachartikel „Arbeitszeiten und Arbeitszeitwünsche: Unterschiede zwischen Mikrozensus und SOEP“ in WISTA – Wirtschaft und Statistik. Für die Einordnung heißt das: Die Richtung ist klar, die exakte Lage im Betrieb musst du trotzdem selbst messen.
Und genau das solltest du tun. Frag dein Team nicht erst im Austrittsgespräch nach Stundenwünschen. Frag früher. Sonst kommt die Antwort zu spät.

