Die Ausbildungsberufe im Gastgewerbe wurden 2022 grundlegend neu geordnet. Aus Hotelfachmann, Restaurantfachfrau und Co. sind flexiblere Profile mit Schwerpunkten geworden. Wir erklären, welche Berufe es heute gibt, was sich geändert hat und welcher Ausbildungsweg zu welchem Ziel passt.
Wer sich 2026 für eine Ausbildung im Gastgewerbe interessiert, trifft auf ein modernisiertes System. Seit August 2022 gibt es sieben neu geordnete Ausbildungsberufe — mit Wahlqualifikationen, die eine bessere Passung zwischen Betrieb und Lernziel schaffen sollen. Für viele Interessierte ist das System allerdings unübersichtlicher geworden. Hier die Übersicht.
Die sieben Ausbildungsberufe im Überblick
Hotelfachfrau/Hotelfachmann
Der klassische Hotelberuf. Drei Jahre Ausbildung, Einsatz in allen Abteilungen: Rezeption, Etage, Restaurant, Bar, Küche, Wirtschaftsbuchhaltung. Seit 2022 gibt es Wahlqualifikationen, die Betrieb und Azubi in den letzten 18 Monaten festlegen:
- Rezeption und Reservierung
- Küche
- Service und Bankett
- Housekeeping
- Marketing und Verkauf
- Veranstaltungen
Typische Karrierewege: Shift Leader → Front Office Manager → Hotel Manager → General Manager. Oder: Housekeeping Supervisor → Executive Housekeeper.
Kauffrau/Kaufmann für Hotelmanagement
Der „kaufmännische Bruder" der Hotelfachausbildung. Drei Jahre Dauer, Schwerpunkt auf Planung, Controlling, Finanzen, HR. Für Azubis, die später in Revenue-, Sales- oder Finance-Bereiche wollen, ist dieser Weg oft direkter. In Grossbetrieben und Ketten ist der Beruf besonders stark vertreten.
Koch / Köchin vs. Fachkraft Küche
Hier ist der Unterschied deutlich: Die Fachkraft Küche ist eine zweijährige Ausbildung, die auf einfache Küchenbetriebe abzielt — Kantinen, Systemgastronomie, einfache Wirtshäuser. Der Kochberuf dauert drei Jahre, ist anspruchsvoller und öffnet die Tür zur klassischen Restaurantküche mit Chef-de-Partie- bis Küchenchef-Perspektive.
Fachkraft Küche vs. Koch: der wichtige Unterschied
- Fachkraft Küche: 2 Jahre, vereinfachte Prüfung, Zugang eher zu Systemgastronomie und Gemeinschaftsverpflegung
- Koch: 3 Jahre, volle Berufsausbildung, Zugang zu gehobener Gastronomie, Hotels, Meisterausbildung
- Die Fachkraft kann nach zwei Jahren um ein drittes Lehrjahr verlängern und so den Kochabschluss nachholen
Fachmann/-frau für Restaurants und Eventgastronomie
2022 hat die alte „Restaurantfachfrau" einen neuen Namen bekommen — und einen modernen Schwerpunkt. Die Ausbildung dauert drei Jahre und kombiniert klassischen Service mit Eventorganisation, Bankett-Management, Getränkekunde und Gästekommunikation. Perfekt für gehobene Gastronomie, Sterne-Restaurants und Hotels mit starkem Bankettsegment.
Fachmann/-frau für Systemgastronomie
Der Beruf für alle, die in Systemgastronomie, Burger- und Pizza-Ketten, Bäckereikonzepten oder Schnellrestaurants arbeiten wollen. Schwerpunkte: standardisierte Prozesse, Warenwirtschaft, Schichtorganisation, Personalführung. Karriereweg: Schichtleitung → Storemanagement → Regional Operations Manager.
Fachkraft Gastronomie
Die zweijährige „Grundversion" der Servicausbildung. Sinnvoll für einfache Betriebe, Imbisse, Freizeitgastronomie. Wer ambitionierter plant, verlängert auch hier um ein drittes Jahr — und schliesst dann als Fachmann/-frau Restaurants und Events ab.
Vergütung im Vergleich
Weitere Karrierewege nach der Ausbildung
Wer Ausbildung und erste Berufserfahrung in der Tasche hat, kann zwischen mehreren klassischen Weiterbildungs- und Aufstiegswegen wählen:
- Meisterprüfung: Hotelmeister, Küchenmeister, Restaurantmeister (IHK)
- Hotelbetriebswirt (IHK): 18-24 Monate berufsbegleitend
- Weiterbildung zur Hotelfachwirtin / zum Gastronomiefachwirt
- Duales Studium: BA Hotelmanagement / Tourismusmanagement
- Revenue Management Zertifikate: HSMAI CRME, Cornell Certificate
- Management Trainee bei Ketten: 12-24 Monate, oft international
Die Entscheidung zwischen Hotelfach und Kaufmann für Hotelmanagement sollte man nicht nach dem Einstiegsgehalt treffen, sondern nach dem Zielberuf. Wer in fünf Jahren im Revenue Management arbeiten will, nimmt den kaufmännischen Weg. Wer ein Hotel führen will, den operativen.
Die stillen Vorteile der dualen Ausbildung
Gegen das oft bessere Image des Bachelor-Studiums hat die klassische duale Ausbildung drei Trümpfe: Sie ist bezahlt statt kostenpflichtig, sie schafft Praxis vom ersten Tag und sie führt in mittelständischen Häusern oft schneller in Führungsverantwortung. Wer ambitioniert ist, kombiniert Ausbildung mit anschliessender Weiterbildung (Hotelbetriebswirt, duales Master) — und hat im selben Alter wie ein klassischer Hochschulabsolvent fünf bis sechs Jahre Berufspraxis und kein Schuldenkonto vom Studium.

