Die Auslastung (Occupancy Rate) ist neben dem ADR die zweite zentrale Volumen-Kennzahl der Hotellerie. Sie zeigt, welcher Anteil der verfügbaren Zimmer in einem definierten Zeitraum verkauft wurde — und ist die Grundlage für RevPAR, GOPPAR und alle weiteren Performance-KPIs. Während der ADR den Preis-Hebel beschreibt, ist die Auslastung der Volumen-Hebel: hohe Auslastung mit niedrigem ADR ergibt den gleichen Umsatz wie niedrige Auslastung mit hohem ADR — die Kombination macht die Profitabilität.
Formel und Berechnung
Auslastung in Prozent = (verkaufte Zimmer / verfügbare Zimmer) × 100
Verfügbare Zimmer = Anzahl Zimmer × Anzahl Nächte im Berechnungs-Zeitraum (typisch 1 Tag, 1 Monat oder 1 Jahr). Out-of-Order-Zimmer (Renovierung, Schaden) werden meist herausgerechnet, Out-of-Service (manuell gesperrt) nicht — die Konvention sollte konsistent dokumentiert sein.
Beispiel-Rechnung
Ein 100-Zimmer-Hotel verkauft im Mai 2.480 Zimmer-Nächte. Verfügbare Zimmer im Mai: 100 × 31 = 3.100. Auslastung = (2.480 / 3.100) × 100 = 80 %. Im Jahresdurchschnitt liegt die Auslastung von DACH-Stadthotels typisch zwischen 65 und 78 Prozent, Resort-Hotels saisonal volatil zwischen 45 und 90 Prozent.
Bettenauslastung berechnen — die Formel
Neben der Zimmerauslastung ist die Bettenauslastung eine zentrale Kennzahl, besonders in Häusern mit vielen Doppel- und Mehrbettzimmern, in Hostels und in der Ferienhotellerie. Sie zeigt, wie gut die tatsächlich verfügbaren Schlafplätze ausgelastet sind — nicht nur die Zimmer.
Bettenauslastung (%) = (belegte Betten ÷ verfügbare Betten) × 100
Rechenbeispiel: Ein Hotel hat 80 Zimmer mit insgesamt 150 Betten. An einem Tag sind 120 Betten belegt. Die Bettenauslastung beträgt (120 ÷ 150) × 100 = 80 Prozent. Zum Vergleich: Wären dieselben Gäste auf 70 belegte Zimmer verteilt, läge die Zimmerauslastung bei (70 ÷ 80) × 100 = 87,5 Prozent. Der Unterschied entsteht durch einzeln belegte Doppelzimmer.
Faustregel: Die Bettenauslastung liegt fast immer unter der Zimmerauslastung. Eine große Lücke zwischen beiden Werten ist ein Hinweis auf viele Single-Use-Doppelzimmer — ein Hebel für Preis- und Belegungssteuerung.
Benchmark-Werte 2026
DACH-Stadthotels: Jahresdurchschnitt 70-78 Prozent (Top-Locations München, Hamburg, Berlin), 60-70 Prozent (B-Standorte). Resort und Wellness-Hotels: Sommer-Saison 80-95 Prozent, Winter-Saison 35-55 Prozent. Boutique- und Apartment-Hotellerie: 55-72 Prozent. Konzern-Hotellerie: typisch 75-82 Prozent durch optimiertes Revenue-Management. Pickup-Phasen mit über 95 Prozent Auslastung sind Indikator für Preis-Erhöhungs-Spielraum.
Hotel-Praxis und Steuerungs-Hebel
Die Auslastung ist täglich beeinflussbar über mehrere Tech-Systeme: das RMS empfiehlt dynamische Preise basierend auf Pickup-Geschwindigkeit, der Channel-Manager verteilt Verfügbarkeiten an OTAs in Echtzeit, die Booking-Engine verstärkt Direct-Booking-Conversion. Operative Hebel: Last-Minute-Discounts in unterauslasteten Wochen, Stop-Sell auf bestimmten Kanälen in Spitzen, MICE-Group-Bookings als Auslastungs-Polster in Schwachwochen.
Die Auslastung allein sagt nichts über Profitabilität — ein Haus mit 95 Prozent Auslastung bei dumpenden ADR-Werten verbrennt Geld. Steuerung daher immer in Verbindung mit ADR, RevPAR und GOPPAR.
Verwandte KPIs
RevPAR kombiniert Auslastung und ADR in einer Kennzahl, ADR ist die Preis-Komponente, GOPPAR bewertet die Profitabilität nach Kostenabzug. Übersicht aller Hotel-KPIs unter Hotel-KPI-Hub.

