Das Wichtigste in Kürze

citizenM hat in 17 US-Hotels die Wäscheverwaltung auf die RFID-gestützte KI-Plattform Laundris umgestellt. Der PAR-Wert sank von 8–9 auf 3–4, die Einsparungen bei den Beschaffungskosten liegen zwischen 680.000 und einer Million US-Dollar.

Wäsche zählt zu den unsichtbaren Kostentreibern in der Hotellerie. Handtücher verschwinden, Bettlaken kommen verspätet aus der Wäscherei zurück, Nachbestellungen laufen auf Verdacht. Das Ergebnis: überdimensionierte Lagerbestände, die teuer sind und trotzdem nicht vor Engpässen schützen. citizenM hat dieses Problem in seinen US-Häusern jetzt systematisch gelöst – mit Technologie statt mit mehr Inventar.

Von manuellen Zählungen zur Echtzeit-Übersicht

Vor der Einführung von Laundris lief die Bestandskontrolle bei citizenM so, wie sie in den meisten Hotels läuft: Personal zählt manuell, schätzt Verluste, bestellt zu viel als Puffer. Der sogenannte PAR-Wert – also wie viele Einheiten pro verfügbarem Zimmer vorgehalten werden – lag bei 8 bis 9. Das ist branchenüblich, aber teuer.

Laundris setzt auf RFID-Chips in jedem Wäschestück. Damit wird jede Bettwäsche, jedes Handtuch einzeln verfolgt: durch die Wäscherei, zurück ins Hotel, ins Zimmer, wieder raus. Die KI-Komponente der Plattform wertet diese Daten aus und erstellt Prognosen für Bedarf und Nachbestellung – ohne manuelle Eingriffe.

ZAHLEN & FAKTEN citizenM × Laundris – Ergebnisse aus 17 US-Hotels
3–4
PAR nach Optimierung
Zuvor lagen 8–9 Einheiten pro verfügbarem Zimmer im Umlauf.
−55 % PAR
$680K–$1M
Eingesparte Beschaffungskosten
Über alle 17 US-Hotels hinweg, allein durch reduzierten Lagerbestand.
17
Hotels im Rollout
Alle US-Häuser von citizenM nutzen die Plattform – Startpunkt war das Hotel in Austin, Texas.
Quelle: Angaben laut Laundris/citizenM, Pressemitteilung 2024/2025

Was steckt hinter dem PAR-Problem?

PAR steht für „Par Level“ – die Mindestmenge an Wäsche, die ein Hotel pro Zimmer vorhalten muss, damit der Betrieb nie stockt. Die klassische Faustformel lautet: dreifacher PAR als Sicherheitspuffer. In der Praxis landen viele Hotels bei weit höheren Werten, weil Verluste und Verzögerungen einkalkuliert werden.

Das Problem: Jeder PAR-Punkt kostet Geld. Bei einer Kette wie citizenM mit Dutzenden Häusern addiert sich das schnell auf sechsstellige Summen – nur für Wäsche, die im Puffer liegt und nicht genutzt wird. Dazu kommt der laufende Schwund durch Beschädigungen, Verluste in der Wäscherei und ungeklärten Verbleib einzelner Stücke.

Was ist PAR im Wäschemanagement?

PAR (Par Level) beschreibt, wie viele Wäscheeinheiten pro verfügbarem Zimmer vorgehalten werden. Ein PAR von 3 bedeutet: drei vollständige Zimmer-Ausstattungen im Umlauf – eine im Zimmer, eine in der Wäscherei, eine im Lager. Je höher der PAR, desto höher die Kapitalbindung. Branchenüblich sind Werte zwischen 4 und 9, je nach Betriebsgröße und Wäschereianbindung.

Wie RFID und KI das Tracking verändern

RFID-basiertes Wäschetracking ist nicht neu – einzelne Luxushotels nutzen die Technologie seit Jahren. Was Laundris anders macht: Die Plattform verbindet das Tracking-System direkt mit der kommerziellen Wäscherei und dem Hotel-Backend. Alle drei Parteien sehen denselben Datenstand in Echtzeit.

Das bringt die Plattform konkret

  • Jedes Wäschestück bekommt einen RFID-Chip – Identifikation beim Ein- und Ausgang
  • Verluste werden sofort lokalisiert, nicht erst bei der nächsten manuellen Inventur
  • KI-gestützte Prognosen berechnen den tatsächlichen Bedarf pro Haus und Woche
  • Automatische Nachbestellungsvorschläge ersetzen das Bauchgefühl des Housekeeping-Teams
  • Vollständige Transparenz zwischen Hotel, Wäscherei und Lieferant

Laundris positioniert sich selbst als „Waymo des Inventory Managements“ – also als Plattform, die nicht nur assistiert, sondern autonom entscheidet. Ob dieser Vergleich trägt, hängt davon ab, wie weit die KI-Komponente in der Praxis tatsächlich ohne menschliche Eingriffe funktioniert.

Redaktions-Einschätzung: Der PAR-Rückgang von 8–9 auf 3–4 ist bemerkenswert – aber die entscheidende Frage ist, ob die Plattform auch in Hochlastphasen zuverlässig liefert. Das wird die nächste Bewährungsprobe sein.

citizenM als Testfeld für Hospitality-Tech

citizenM gilt in der Branche als ungewöhnlich technikaffin. Das Konzept – kompakte Zimmer, Self-Check-in, automatisierte Prozesse – setzt seit der Gründung 2008 auf schlanke Abläufe statt auf klassisches Full-Service-Denking. Das macht die Kette zum naheliegenden Testpartner für Plattformen wie Laundris.

Der Rollout startete im Hotel Austin, Texas – einem der neueren US-Häuser. Von dort wurde die Plattform auf alle 17 US-Standorte ausgeweitet. Facility-Management-seitig ist HFC als integrierter Dienstleister für citizenM aktiv, was die Implementierung von übergreifenden Systemen strukturell einfacher macht als bei dezentralen Eigentümern.

Was das für andere Hotels bedeutet

Die Zahlen aus dem citizenM-Rollout sind konkret genug, um Rückschlüsse zu ziehen. Bei einem Haus mit 200 Zimmern und einem PAR-Rückgang von 5 Einheiten pro Zimmer fallen rund 1.000 Wäscheeinheiten weg – bei Durchschnittskosten von 15–25 Euro pro Stück sind das schnell fünfstellige Ersparnisse, nur durch den Abbau des Pufferbestands.

Für unabhängige Hotels oder kleinere Ketten stellt sich die Frage nach dem Implementierungsaufwand: RFID-Chips müssen in die gesamte Wäsche eingenäht werden, die Wäscherei muss mitmachen, und das System braucht eine Anlaufphase für aussagekräftige KI-Prognosen. Das ist kein Wochenend-Projekt.

  • Geeignet für: Ketten mit mehreren Standorten und zentralem Einkauf
  • Weniger geeignet für: Kleinbetriebe ohne eigene Wäscherei-Kooperation
  • Voraussetzung: Wäschereipartner muss RFID-kompatible Schleusen haben
  • Typische Amortisierungszeit: Laut Branchenangaben 12–24 Monate bei größeren Häusern

Laundris ist nicht das einzige System auf dem Markt – auch Kannegiesser und andere Wäscherei-Anlagenhersteller bieten RFID-gestütztes Tracking an. Der Unterschied liegt bei Laundris im KI-Layer und der direkten Integration mit dem Hotel-Backend. Ob das den Preisunterschied rechtfertigt, müssen Betreiber im Einzelfall kalkulieren.

HÄUFIGE FRAGEN

Was ist PAR im Hotelwäsche-Management?

PAR (Par Level) beschreibt, wie viele Wäscheeinheiten pro verfügbarem Zimmer vorgehalten werden. Ein PAR von 3 bedeutet drei vollständige Ausstattungen im Umlauf – eine im Zimmer, eine in der Wäscherei, eine im Lager. Je höher der PAR, desto höher die Kapitalbindung.

Wie viel hat citizenM durch Laundris eingespart?

Über alle 17 US-Hotels hinweg liegen die eingesparten Beschaffungskosten zwischen 680.000 und einer Million US-Dollar. Der PAR-Wert sank von 8–9 auf 3–4 Einheiten pro Zimmer.

Wie funktioniert RFID-Wäschetracking in Hotels?

Jedes Wäschestück bekommt einen eingenähten RFID-Chip. Beim Durchlaufen von Leseschleusen – im Hotel und in der Wäscherei – wird der genaue Standort erfasst. Eine KI wertet die Daten aus und erstellt automatische Nachbestellungsvorschläge.

Ist Laundris auch für kleinere Hotels geeignet?

Die Plattform eignet sich vor allem für Ketten mit mehreren Standorten und zentralem Einkauf. Für Kleinbetriebe ohne eigene Wäscherei-Kooperation ist der Implementierungsaufwand in der Regel zu hoch.

Wo wurde Laundris bei citizenM zuerst eingeführt?

Der Rollout startete im citizenM Hotel in Austin, Texas, und wurde anschließend auf alle 17 US-Standorte der Kette ausgeweitet.
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