Die Singapur-basierte COMO Group von Milliardärin Christina Ong hat eine strategische Beteiligung an Heston Blumenthals Fat Duck Group erworben — laut Berichten eine kontrollierende Mehrheit. Die Investition fließt in die Holdinggesellschaft SL6 Limited und soll die Restaurants in Bray stärken sowie internationale Expansion ermöglichen.
Heston Blumenthal und die COMO Group: Das klingt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Auf den zweiten ergibt es Sinn. Die Singapur-Gruppe — bekannt für Luxushotels wie das COMO Metropolitan und das COMO The Halkin in London — bringt genau das mit, was Blumenthal für den nächsten Schritt braucht: globale Reichweite, Kapital und ein Netzwerk aus Luxus-Hospitality-Standorten weltweit.
Was steckt hinter dem Deal?
Die Investition fließt in SL6 Limited, die Holdinggesellschaft der Fat Duck Group. Konkrete Zahlen nennen weder COMO noch Blumenthal — das Investment heißt offiziell „significant“, die Summe bleibt undiskutiert. Berichten zufolge hat sich COMO eine kontrollierende Mehrheit gesichert.
Zur Fat Duck Group gehören zwei Betriebe in Bray, Berkshire:
- The Fat Duck — drei Michelin-Sterne, eines der bekanntesten Restaurants der Welt
- The Hind's Head — das dazugehörige Gasthaus, ebenfalls in Bray
Beide häuser haben laut Blumenthal in den vergangenen zwölf Monaten stark performt — das sei der Auslöser für den jetzt verkündeten Deal gewesen.
Die COMO Group ist das Imperium von Christina Ong, einer der reichsten Frauen Singapurs. Das Portfolio umfasst Luxushotels auf mehreren Kontinenten, Mode-Labels und Wellness-Konzepte. In London betreibt COMO zwei Properties: das Metropolitan in Mayfair und das kleinere The Halkin in Belgravia. Ein Food-Investment in Spitzengastronomie ist für COMO neu — und signalisiert, wo die Gruppe als nächstes wachsen will.
Warum dieser Deal jetzt?
The Fat Duck Group hat in der Vergangenheit Verluste geschrieben — das ist in der Spitzengastronomie kein Geheimnis und kein Einzelfall. Drei-Sterne-Restaurants arbeiten strukturell mit dünnen Margen: Personaleinsatz, Produktqualität und Inszenierung verschlingen, was der Tisch-Umsatz kaum hereinholt. Was zählt, ist der Markenwert — und der ist bei Blumenthal enorm.
COMO bringt dazu die Infrastruktur. Wer Luxushotels in London, Singapur, Bhutan und auf den Turks and Caicos betreibt, hat Zugang zu genau den Gästen, die für ein Blumenthal-Erlebnis buchen würden. Das Potenzial für Pop-ups, Residencies oder sogar feste Ableger in COMO-Properties liegt auf der Hand — auch wenn konkrete Pläne bisher nicht kommuniziert wurden.
Was bedeutet das für die Restaurants?
Kurzfristig: wenig sichtbare Veränderung. Die Restaurants in Bray laufen weiter. Blumenthal bleibt kreativ federführend. Die Botschaft lautet: Kontinuität, nicht Disruption.
Mittelfristig ist das anders. COMO hat kein Interesse daran, zwei Restaurants in der englischen Provinz zu finanzieren — ohne Upside. Expansion ist der erklärte Zweck des Deals. Ob das Ableger in Asien bedeutet, neue Konzepte im COMO-Netzwerk oder eine andere Form der Skalierung, ist offen.
- Weiterentwicklung der bestehenden Standorte in Bray gesichert
- Kapital für operative Stabilität vorhanden
- Internationales Expansionspotenzial durch COMO-Netzwerk
- Blumenthal bleibt kreative Führungsperson
Was Gastronomen daraus mitnehmen können
Der Deal zeigt ein Muster, das sich in der gehobenen Gastronomie gerade wiederholt: Starke Marken mit hohem kulturellen Kapital, aber strukturell schwacher Profitabilität, suchen strategische Partner statt klassische Investoren. Kein Private-Equity-Fonds mit Exit-Horizont — sondern ein Partner, der vom Markenwert direkt profitiert.
Für die Branche ist das eine relevante Blaupause. Wer ein Konzept mit echter Strahlkraft aufgebaut hat, muss es nicht allein skalieren. Und wer als Investor in Luxus-Hospitality unterwegs ist, denkt längst über Zimmer hinaus.

