Corporate Fashion in der Hotellerie ist kein Kostenblock, sondern ein Markentool. Wer Dienstkleidung durchdacht einsetzt, stärkt die Wiedererkennung, schafft Orientierung für Gäste und steigert die Mitarbeiterzufriedenheit. Das Teuerste ist dabei selten das Richtige – entscheidend sind Funktion, Pflege und Passform zur Marke.
Rezeption, Housekeeping, Küche, Bankett – jede Abteilung hat andere Anforderungen an das, was Mitarbeitende tragen. Trotzdem soll alles wie aus einem Guss wirken: Farbe, Schnitt, Material. Genau das ist die Herausforderung hinter dem Begriff Corporate Fashion in der Hotellerie.
Was Corporate Fashion wirklich leistet
Dienstkleidung ist das erste, was ein Gast sieht, wenn er das Hotel betritt. Noch bevor jemand ein Wort gesagt hat, kommuniziert die Kleidung: Wer arbeitet hier? Welche Kategorie ist das? Wie wird Service hier verstanden?
Ein stimmiges Erscheinungsbild schafft Orientierung. Gäste erkennen auf den ersten Blick, wen sie ansprechen können. Das klingt banal, ist in der Praxis aber ein echter Serviceaspekt – besonders in großen Häusern mit vielen Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Abteilungen.
Dazu kommt der Effekt nach innen. Wer ein Outfit trägt, das gut sitzt und zum eigenen Job passt, identifiziert sich leichter mit der Rolle. Dienstkleidung kann Teamgefühl stärken – oder es zerstören, wenn sie schlecht verarbeitet, unpraktisch oder schlicht hässlich ist.
- Rezeption & Front Office: Repräsentatives Erscheinungsbild, formale Schnitte, dezente Farbgebung – meist nah an der CI-Palette des Hotels
- Housekeeping: Strapazierfähigkeit, Bewegungsfreiheit, hitzebeständige Materialien, einfache Pflege bei hohen Temperaturen
- Küche & Bankett: Lebensmittelkontakt-Eignung, hitzebeständig, schnell trocknend – hier gelten zum Teil gesetzliche Anforderungen (HACCP)
- Spa & Wellness: Weiche, körpernahe Materialien, oft in hellen Tönen – Wohlfühlatmosphäre beginnt bei der Kleidung des Personals
Teuer ist nicht gleich gut – die häufigsten Irrtümer beim Kauf
Viele Einkaufsentscheidungen in der Hotellerie landen beim teureren Lieferanten, weil hochwertig mit hochpreisig gleichgesetzt wird. Das ist ein Trugschluss.
Entscheidender als der Einkaufspreis ist der Preis pro Waschgang über die gesamte Laufzeit. Ein Hemd, das nach zwanzig Wäschen aussieht wie nach zweihundert, kostet auf Dauer mehr als ein etwas teureres Modell mit stabiler Verarbeitung. Pflegeleichtigkeit ist kein Nice-to-have – sie ist ein wirtschaftliches Argument.
- Farbstabilität nach vielen Wäschen prüfen (Musterwäsche anfragen)
- Schnittqualität testen – Nähte am Arm- und Schulterbereich sind Schwachstellen
- Materialzusammensetzung: Mischgewebe oft pflegeleichter als reine Naturfasern
- Lieferzeiten und Nachbestellbarkeit klären – besonders bei wachsenden Teams
- Größenrange realistisch prüfen: Deckt die Kollektion alle Mitarbeitenden ab?
- Reinigungskosten einkalkulieren (Outsourcing an Textilservice vs. Eigenwäsche)
CI-Konformität: Wie viel Marke steckt in der Kleidung?
Im Luxussegment ist Corporate Fashion ein Designprojekt. Ketten wie Four Seasons, Mandarin Oriental oder Aman entwickeln ihre Uniform-Kollektionen mit Modestudierende oder etablierten Designbüros – teils mit eigenständigen Kollektionen, die mehrere Saisons laufen.
Für Vier- und Drei-Sterne-Häuser ist das selten wirtschaftlich. Hier liegt der Fokus auf standardisierten Kollektionen, die durch Farbwahl, Accessoires und Logos an die Hausmarke angepasst werden. Das Ergebnis kann trotzdem konsistent wirken – wenn Farbe, Schnitt und Logoposition konsequent durchgezogen werden.
Textilservice oder Eigenverantwortung?
Wer Dienstkleidung kauft, muss auch klären, wer sie reinigt. Zwei Modelle dominieren in der Hotellerie:
Anbieter wie Mewa haben sich auf den Textilservice für Hotellerie und Gastronomie spezialisiert und übernehmen Reinigung, Reparatur und Austausch im Rundum-Service. Für Häuser ohne eigene Wäscherei ist das oft die wirtschaftlichere Lösung – auch wenn die Kollektionsfreiheit dabei kleiner ausfällt.
Nachhaltigkeit: Wo steht die Branche?
Langlebigkeit ist das stärkste Nachhaltigkeitsargument bei Dienstkleidung. Wer Kleidung kauft, die fünf Jahre hält statt zwei, reduziert Ressourcenverbrauch deutlich – ohne Öko-Label oder Zertifikat. Trotzdem steigt die Nachfrage nach zertifizierten Materialien: GOTS (Global Organic Textile Standard) und OEKO-TEX Standard 100 sind die gängigsten Orientierungsmarken im Markt.
Einige Anbieter setzen auf Eigenproduktion in Europa, um Transportwege kurz zu halten und Produktionsbedingungen besser kontrollieren zu können. Dass das funktioniert, zeigen etwa Unternehmen wie Image Wear AG aus der Schweiz, die für den Hospitality-Markt produzieren und Qualität mit regionaler Verantwortung verknüpfen.
Worauf es beim Briefing mit dem Lieferanten ankommt
Viele Einkaufsprozesse scheitern nicht am Budget, sondern am feschlerhaften Briefing. Wer einen Lieferanten kontaktiert, ohne vorher intern Klarheit zu schaffen, landet am Ende bei einer Lösung, die niemanden wirklich zufriedenstellt.
- Bedarfserhebung intern: Wie viele Mitarbeitende, welche Abteilungen, welche Größen – inklusive Sonder- und Übergrößen?
- CI-Unterlagen bereitstellen: Farbcodes (Pantone oder HEX), Logofiles in Vektorgrafik, Styleguide falls vorhanden
- Tragegewohnheiten klären: Wie lange trägt jemand die Kleidung am Stück? Gibt es Schichtwechsel?
- Pflegeanforderungen definieren: Wer reinigt? Wie oft? Welche Temperaturen sind möglich?
- Musterstücke anfordern: Nie ohne Probe bestellen – und Musterstücke realistisch testen lassen, nicht nur im Showroom anprobieren
- Lieferkette und Nachbestellbarkeit sichern: Lieferant sollte die Kollektion mindestens 3 Jahre anbieten können
- Einkauf ohne Abteilungsleiter einzubeziehen – die wissen am besten, was funktioniert
- Zu kleine Größenrange bestellt – unterschätzte Diversität im Team
- Keine Testphase vor der Massenbestellung
- Preis pro Stück bewertet, nicht Preis pro Nutzungsjahr
- Keine Nachbestellgarantie vereinbart – nach sechs Monaten gibt es das Modell nicht mehr

