Expedia Group steht kurz vor dem Kauf der irischen B2B-Mobilitätsplattform CarTrawler – für rund 350 Millionen Dollar (300 Millionen Euro). CarTrawler hat laut einem Insider bereits rechtliche Unterlagen für Aktionäre aktualisiert. Beide Unternehmen kommentieren die Gespräche nicht.
Expedia kauft. Wieder. Nach der Übernahme der Erlebnisplattform Tiqets visiert der US-Konzern nun CarTrawler an – eine irische B2B-Plattform für Mietwagen, Flughafentransfers und Ridehailing-Dienste. Der Preis: rund 350 Millionen Dollar. Das berichtet Skift unter Berufung auf eine mit dem Deal vertraute Quelle.
Der Deal ist noch nicht unterschrieben. CarTrawler hat zwar die rechtliche Dokumentation für Aktionäre aktualisiert – ein klares Signal, dass die Gespräche weit fortgeschritten sind. Sicher ist der Abschluss trotzdem nicht.
Was CarTrawler eigentlich macht
CarTrawler ist kein klassisches Buchungsportal für Endkunden. Das Dubliner Unternehmen arbeitet im Hintergrund: Airlines, Reisebüros und andere Reiseanbieter binden die CarTrawler-Technologie ein, um ihren Kunden Mietwagen, Shuttles und Fahrdienstleistungen als Zusatzleistung anzubieten. Das Geschäft läuft also komplett B2B – und genau da will Expedia wachsen.
- Gegründet in Dublin, Irland
- Führender globaler B2B-Anbieter für Mietwagen- und Mobilitätslösungen
- Partner: Airlines, Reisebüros, Online-Reisebüros
- Produkte: Mietwagen-Buchungen, Flughafentransfers, Ridehailing-Integration
- Geschäftsmodell: Ancillary-Revenue-Plattform für Reisepartner
Warum das für Expedia strategisch Sinn ergibt
Expedias B2B-Sparte wächst – und braucht mehr Substanz. Der scheidende CFO hatte beim letzten Earnings Call bereits angedeutet, dass Investitionen in die B2B-Einheit kurzfristig auf die Margen drücken könnten. Tiqets war eine solche Investition. CarTrawler könnte die nächste sein.
Ground Transportation ist in der Reisekette chronisch unterschätzt. Wer Flug und Hotel bucht, braucht meist auch Mobilität am Zielort – aber viele Plattformen lösen das bisher nur halbherzig. CarTrawler hat genau diese Lücke als B2B-Infrastruktur besetzt. Für Expedia bedeutet das: bessere Ancillary-Revenue-Möglichkeiten für alle Partner, die über Expedia Partner Solutions arbeiten.
CarTrawler-Deal — was dafür und dagegen spricht
Dafür spricht
- Stärkt B2B-Einheit mit echter Infrastruktur
- Ancillary-Revenue-Hebel für alle Expedia-Partner
- CarTrawler hat bereits etablierte Airline-Partnerschaften
- Ergänzt Tiqets-Übernahme zu einem breiteren B2B-Portfolio
Dagegen spricht
- 350 Millionen Dollar belasten die Marge kurzfristig
- Deal noch nicht final – kann noch scheitern oder sich verändern
- Integration zweier B2B-Akquisitionen parallel ist operativ komplex
Expedias B2B-Kurs wird klarer
Mit Tiqets (Erlebnisbuchungen) und nun möglicherweise CarTrawler (Mobilität) baut Expedia ein B2B-Portfolio auf, das weit über klassische Hotel- und Flugbuchungen hinausgeht. Das Ziel dahinter ist lesbar: Expedia will für Airlines, Reisebüros und andere Reiseanbieter zur Komplettplattform werden – inklusive aller Zusatzleistungen, die Ancillary Revenue generieren.
Ob der CarTrawler-Deal tatsächlich abgeschlossen wird, ist offen. Beide Unternehmen haben eine Stellungnahme abgelehnt. Die aktualisierten Aktionärsdokumente deuten aber darauf hin, dass es sich hier nicht mehr um Sondierungsgespräche handelt.


