Expedia und CarTrawler haben sich vergangene Woche in Dublin getroffen – gemeinsam mit der Investmentbank Evercore und CarTrawlers Eigentümer TowerBrook Capital Partners. Zur Debatte stehen Übernahme, Beteiligung oder Partnerschaft. CarTrawler wird auf 450 bis 550 Millionen US-Dollar geschätzt und versorgt über 300 Reisemarken in mehr als 150 Ländern mit B2B-Mietwagen-Technologie.
Expedia kauft wieder ein. Nachdem der Konzern im Februar bereits Tiqets übernommen hat, deuten aktuelle Berichte auf den nächsten B2B-Zug hin: Ein möglicher Deal mit CarTrawler, dem Dubliner Spezialisten für Mietwagen-Tech, rückt näher. Das berichtet Skift unter Berufung auf eine Branchenquelle.
Was in Dublin passiert ist
Vergangene Woche trafen sich das CarTrawler-Management und TowerBrook Capital Partners – der Private-Equity-Eigentümer des Unternehmens – mit Expedia-Vertretern und der Investmentbank Evercore am CarTrawler-Hauptsitz in Dublin. Ein konkreter Deal ist noch nicht bestätigt. Laut Skift hat Expedia für Montag eine „wichtige“ Ankündigung geplant – ob die CarTrawler betrifft, ist offen.
Drei Szenarien kursieren: vollständige Übernahme, strategische Beteiligung oder eine erweiterte Partnerschaft. Alle drei würden CarTrawlers Eigentümer TowerBrook einen Exit ermöglichen – der Private-Equity-Investor hält das Unternehmen seit einer Transaktion im Jahr 2020, bei der CarTrawler durch die Covid-Krise besonders hart getroffen worden war.
- Gründung: 2004 von den irischen Brüdern Niall und Greg Turley
- Sitz: Dublin, weitere Büros in Melbourne und New York
- Mitarbeiter: rund 425
- Reichweite: 300+ Reisemarken, 150+ Länder
- Produkte: B2B-Mietwagen, Bodentransport, Insurtech
- Eigentümer: TowerBrook Capital Partners (seit 2020)
- Bewertung: 450–550 Mio. US-Dollar (laut Skift)
Warum das für Expedia strategisch Sinn ergibt
Expedias B2B-Sparte – bekannt als Expedia B2B – wächst deutlich schneller als das Konsumentengeschäft. Hotels laufen stark. Aber Mietwagen sind ein anderes Feld: ein hochkonsolidierter Markt mit wenigen großen Playern, starker Konkurrenz durch spezialisierte Mietwagenportale und technisch anspruchsvollen Buchungsprozessen.
Genau da klafft die Lücke. CarTrawler schließt Airline-Partnerschaften seit Jahren professionell ab und bringt eine ausgereifte Technologie-Infrastruktur mit, die Expedia im eigenen Mietwagensegment fehlt. Für Expedia-Partner würde das bedeuten: Flug, Hotel und Mietwagen aus einer Technologieplattform – ein echter One-Stop-Shop.
Deal mit CarTrawler — was dafür und dagegen spricht
Dafür spricht
- Schließt die technologische Lücke im B2B-Mietwagensegment
- 300+ bestehende Partner-Beziehungen sofort verfügbar
- Stärkt das One-Stop-Shop-Angebot für Expedia-Partner
- Passt zur B2B-Wachstumsstrategie nach Tiqets-Kauf
- Airline-Partnerschaften als strategischer Mehrwert
Dagegen spricht
- CarTrawler kämpfte zuletzt mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten
- Mietwagenmarkt hochkonsolidiert, Margen eng
- Bewertung bis 550 Mio. USD – kein Schnäppchen
- Integration einer B2B-Plattform in bestehenden Tech-Stack komplex
Expedias Übernahme-Appetit kehrt zurück
2015 war Expedia eine Akquisitionsmaschine: Travelocity, Orbitz und HomeAway wurden binnen Monaten geschluckt. Dann wurde es ruhiger. Mit Tiqets Anfang 2026 und dem möglichen CarTrawler-Deal scheint die Bereitschaft zurück, gezielt zuzukaufen – diesmal aber mit klarem B2B-Fokus statt Konsumenten-Expansion.
CarTrawler selbst hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. TowerBrook übernahm die Kontrolle 2020 mit einer Investition von mehr als 100 Millionen Euro – mitten in der schwersten Krise der Reisebranche. Zuvor war unter anderem ECI Partners als Eigentümer beteiligt, Insight Venture Partners hielt eine Minderheitsbeteiligung. Dass TowerBrook jetzt verkaufen will, ist wenig überraschend – Private-Equity-Zyklen laufen, und die Branche hat sich erholt.
Expedia B2B ist der am schnellsten wachsende Teil des Konzerns – und genau dort soll CarTrawler einzahlen.Was jetzt zu beobachten ist
Expedia hat für Montag eine Ankündigung angekündigt. Ob CarTrawler darin vorkommt, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Gespräche sind weit genug fortgeschritten, dass Evercore als Investmentbank am Tisch sitzt – das deutet auf konkrete Verhandlungen hin, nicht nur auf Sondierungsgespräche.
Für die Branche wäre ein Abschluss ein klares Signal: Expedia denkt das B2B-Geschäft neu und will nicht nur Hotelkapazitäten vermarkten, sondern die komplette Reisekette technologisch abdecken – inklusive Bodentransport.

