Das Wichtigste in Kürze

Beim Gastwelt-Summit in Berlin diskutierten rund 220 Führungskräfte aus Tourismus, Hotellerie und Gastronomie mit Bundespolitikern. Kernforderungen: steuerliche Entlastungen, niedrigere Energiekosten, schnellere Fachkräftezuwanderung und ein klares Bekenntnis zur Wachstumsagenda für die Gastwelt. Der Sektor beschäftigt nach Angaben der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) bundesweit mehr als sechs Millionen Menschen.

Großes Treffen, klare Botschaft

Berlin, Montag, rund 220 Unternehmer, Verbandsvertreter und Führungskräfte – der Gastwelt-Summit der DZG war diesmal kein Branchentreff unter sich. Schirmherr war Armand Zorn, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Für das Bundeswirtschaftsministerium saß Janina Jänsch am Tisch, Abteilungsleiterin für Mittelstandspolitik. Das Format zeigt: Die Branche sucht nicht nur den Dialog untereinander, sondern direkten Zugang zur Wirtschaftspolitik.

DZG-Vorstandsvorsitzender Marcel Klinge brachte es direkt auf den Punkt:

„Der persönliche Austausch mit den Parlamentarierinnen und Parlamentariern ist für uns alle von großer Bedeutung – gerade in Zeiten, in denen die steuerpolitischen Verteilungskämpfe immer härter werden.“

– Marcel Klinge, Vorstandsvorsitzender DZG

Was die Branche konkret verlangt

Fünf Themen dominierten die Diskussionen beim Summit. Keine davon ist neu – aber die Dringlichkeit ist gestiegen.

  • Steuerliche Entlastungen – insbesondere für personalintensive Betriebe
  • Sinkende Energiekosten – Strom- und Gaspreise belasten Küchen, Hoteltechnik und Wellnessbereiche überproportional
  • Schnellere Fachkräftezuwanderung – Visa-Verfahren und Anerkennungsprozesse gelten weiterhin als zu langsam
  • Bürokratieabbau – Dokumentationspflichten, Hygiene-Auflagen, HACCP-Nachweise binden Ressourcen in Betrieben jeder Größe
  • Neue Wachstumsagenda – ein politisches Bekenntnis zum Dienstleistungssektor als Wachstumsmotor, nicht nur als Krisenmanagement
Was ist die „Gastwelt“?

Den Begriff hat das Fraunhofer IAO gemeinsam mit der DZG 2022 definiert. Er umfasst Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft. Laut DZG kommt der Sektor auf rund 500 Milliarden Euro Anteil am Bruttoinlandsprodukt und beschäftigt 6,1 Millionen Menschen – das macht die Gastwelt zum drittgrößten Arbeitgeber in Deutschland.

Ministerium signalisiert Offenheit

Janina Jänsch betonte beim Summit die Bereitschaft des Bundeswirtschaftsministeriums, die Anliegen der Gastwelt ernst zu nehmen. Sie verwies auf die bereits beschlossene Nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung und auf geplante Maßnahmen zum Bürokratieabbau. Konkrete Zusagen blieben aus – das ist auf einem Gipfeltreffen dieser Art selten anders. Aber die Präsenz auf Abteilungsleiterebene zeigt, dass das Thema zumindest gehört wird.

6,1 Millionen Beschäftigte – das ist die Zahl, mit der die DZG politischen Druck aufbaut. Drittgrößter Arbeitgeber des Landes, und trotzdem fehlt bislang eine kohärente Wachstumsstrategie speziell für diesen Sektor.

Warum der Zeitpunkt kein Zufall ist

Der Summit kam nicht aus dem Nichts. Die Branche kämpft seit mehreren Jahren mit einer Kombination aus Kostendruck, Nachwuchsmangel und regulatorischer Belastung. Die Mindestlohn-Erhöhungen der letzten Jahre haben Margen in der Gastronomie weiter komprimiert. Energiepreise, die seit 2022 auf erhöhtem Niveau pendeln, fressen Reserven auf. Und das Fachkräftethema löst sich nicht von selbst.

Klinge formulierte das beim Summit als strukturelle Frage: Die Gastwelt sei eine zentrale Säule der Volkswirtschaft und Garant für Lebensqualität und soziales Miteinander – sie brauche jetzt aber klare Perspektiven und bessere Standortbedingungen. Das ist keine Lobbyrhetorik. Es ist eine realistische Beschreibung dessen, was passiert, wenn der Sektor weiter unter Druck gerät.

Der Summit läuft unter dem Leitmotiv #HerzUnsererGesellschaft – das klingt nach Marketing, trifft aber einen Punkt: Gastronomie und Hotellerie sind Orte sozialen Lebens, nicht nur Wirtschaftsfaktoren.

Was bleibt nach Berlin

Gipfeltreffen erzeugen Momentum, selten direkte Gesetzgebung. Der Wert des Gastwelt-Summits liegt im direkten Kontakt: Führungskräfte aus dem Mittelstand sitzen nicht mit Verbandsfunktionären zusammen, sondern mit Parlamentariern und Ministeriumsvertretern. Das verkürzt den Weg von der Betriebsrealität in die Anhörung.

Ob die Forderungen nach Bürokratieabbau und steuerlicher Entlastung in der laufenden Legislaturperiode tatsächlich ankommen, bleibt offen. Die Nationale Tourismusstrategie existiert – ihre Umsetzung ist das eigentliche Messkriterium. Der Summit hat die Erwartungen klar formuliert. Jetzt liegt der Ball beim Ministerium.

HÄUFIGE FRAGEN

Was ist der Gastwelt-Summit?

Der Gastwelt-Summit ist ein jährliches Gipfeltreffen der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG), bei dem Führungskräfte aus Tourismus, Hotellerie und Gastronomie direkt mit Bundespolitikern über Standortbedingungen und Branchenthemen diskutieren.

Was ist die „Gastwelt“ und wie viele Menschen arbeiten dort?

Die Gastwelt bezeichnet einen 2022 vom Fraunhofer IAO und der DZG definierten Sektor rund um Gastlichkeit: Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft. Laut DZG beschäftigt er 6,1 Millionen Menschen und trägt rund 500 Milliarden Euro zum BIP bei.

Welche konkreten Forderungen stellte die Branche beim Summit?

Zentrale Forderungen waren steuerliche Entlastungen, niedrigere Energiekosten, schnellere Fachkräftezuwanderung, Bürokratieabbau und eine neue Wachstumsagenda für den Dienstleistungssektor.

Wer nahm vonseiten der Politik am Gastwelt-Summit teil?

Schirmherr war Armand Zorn, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Das Bundeswirtschaftsministerium war durch Janina Jänsch, Abteilungsleiterin für Mittelstandspolitik, vertreten.

Was ist die Nationale Tourismusstrategie, auf die beim Summit verwiesen wurde?

Die Nationale Tourismusstrategie ist ein bereits beschlossenes Rahmenprogramm der Bundesregierung für den Tourismussektor. Janina Jänsch vom Bundeswirtschaftsministerium verwies beim Summit darauf als Beleg für die Bereitschaft, Branchenanliegen ernst zu nehmen.
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