Das Wichtigste in Kürze

H World International – früher bekannt als Deutsche Hospitality – hat 2025 erstmals seit der Übernahme durch H World Group im Jahr 2019 einen Gewinn erwirtschaftet. Das bereinigte EBITDA lag bei rund 63 Millionen Euro. CEO Stephan Hungeling spricht von einem wichtigen Meilenstein, warnt aber vor zu viel Euphorie: Ein Jahr reicht nicht, um den Turnaround zu bestätigen.

Fünf Jahre nach der rund 700 Millionen Euro teuren Übernahme durch den chinesischen Hotelkonzern H World Group hat dessen internationale Sparte erstmals schwarze Zahlen geschrieben. H World International – bis zur Umbenennung unter dem Namen Deutsche Hospitality bekannt – erzielte für das Geschäftsjahr 2025 ein bereinigtes EBITDA von rund 63 Millionen Euro. Im Vorjahr stand noch ein Verlust von etwa 19 Millionen Euro in den Büchern.

Fünf schwierige Jahre

Die Geschichte der ehemaligen Deutsche Hospitality ist eine Achterbahn. 2019 übernimmt H World Group das Unternehmen für rund 700 Millionen Euro – und dann kommt Covid. Der Einbruch des Reisemarkts, ein schwerer Leasingbestand und strukturelle Umbaukosten haben das internationale Geschäft jahrelang in der Verlustzone gehalten. 118 Hotels betreibt H World International per Ende 2025, die Marken reichen vom Economy-Segment mit Zleep bis hin zu Traditionsmarken wie Steigenberger und Intercity Hotels.

Das Umsatzwachstum zeigt, dass die Restrukturierung wirkt: Der Hotel-Umsatz legte 2025 um 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Neben Preisanpassungen und Kostensenkungen trägt auch der Rückzug aus verlustbringenden Pachtverträgen zur Erholung bei – ein klares Bekenntnis zum Asset-light-Modell.

Was CEO Hungeling sagt – und was nicht

Dr. Stephan Hungeling übernahm im April 2025 die volle CEO-Verantwortung für H World International. In einem Interview mit Skift zeigt er sich bewusst zurückhaltend:

„Es war das erste Mal seit der Übernahme, dass wir ein EBITDA von mehr als 60 Millionen Euro ausgewiesen haben. Wir müssen sicherstellen, dass wir diese 60 Millionen Euro erneut überschreiten. Erst dann können wir wirklich von einem Turnaround sprechen.“

– Dr. Stephan Hungeling, CEO H World International

Das ist keine Jubelrede – sondern Führung mit Bodenhaftung. Ein Gewinnjahr beweist noch keine strukturelle Wende. Die nächsten zwölf Monate werden zeigen, ob das Modell trägt.

Wachstumsstrategie: Asset-light und Zleep

Zwei Hebel stehen im Mittelpunkt der Wachstumsstrategie:

  • Asset-light: Weg von kapitalbindenden Pachtverträgen, hin zu Franchise- und Managementverträgen. Das senkt das Risiko und macht das Portfolio skalierbarer.
  • Zleep Hotels: Die Economy-Marke gilt intern als Wachstumsträger. Das Konzept – funktional, digital, klar positioniert – trifft den Nerv des Markts. Expansion ist geplant.

Dazu integriert H World International schrittweise das Beschaffungsnetzwerk der chinesischen Muttergesellschaft. H World Group betreibt weltweit über 11.000 Hotels und verfügt über entsprechende Einkaufsmacht. Wer davon profitieren kann, senkt seinen Wareneinsatz spürbar – ein struktureller Vorteil, den europäische Wettbewerber nicht einfach replizieren können.

Expansionsmärkte im Fokus

H World International plant Wachstum vor allem in diesen Regionen:

  • Naher Osten
  • Spanien und Portugal
  • Polen

Die Zleep-Marke soll dabei als Wachstumsvehikel im Economy-Segment dienen – mit Asset-light-Modell als Grundlage.

Die offene Flanke: Lifestyle und Premiummarken

Profitabel zu sein ist eine Sache. Im hart umkämpften europäischen Lifestyle- und Premiumsegment gegen etablierte Marken wie Autograph Collection, Curio oder die NH Collection anzutreten, ist eine andere.

Genau hier liegt die größte strategische Herausforderung.

Die Steigenberger-Marke hat Geschichte – aber Geschichte allein verkauft keine Zimmer an Gen-Z-Reisende, die nach Charakter, Lokalität und Storytelling suchen. H World International muss seine Premiummarken emotionaler aufladen, ohne dabei den Anschluss an das operative Effizienzprogramm zu verlieren. Das ist kein Widerspruch, aber es ist schwierig.

Was die Branche jetzt beobachtet

Der Turnaround von H World International ist mehr als eine Unternehmens-Story. Er zeigt, was passiert, wenn ein asiatischer Hotelkonzern versucht, europäische Hotelkultur mit chinesischer Skalierungslogik zu verbinden. Fünf Jahre hat das gedauert. Das Ergebnis ist noch fragil – aber es ist da.

  • Bereinigte Profitabilität erstmals seit Übernahme erreicht
  • Klare Strategie: Asset-light, Procurement-Integration, Zleep-Expansion
  • Umsatz wächst zweistellig – operative Basis stabilisiert sich
  • Expansionsmärkte klar definiert: Naher Osten, Iberische Halbinsel, Polen
  • Premiummarken-Positionierung bleibt strategische Hausaufgabe
Hungeling muss 2026 liefern – das zweite profitable Jahr wird zeigen, ob der Turnaround real ist oder nur ein gutes Börsenjahr war.

HÄUFIGE FRAGEN

Wer ist H World International und was war früher Deutsche Hospitality?

H World International ist die internationale Hotelsparte des chinesischen Konzerns H World Group und wurde 2019 unter dem Namen Deutsche Hospitality für rund 700 Millionen Euro übernommen. Zum Portfolio gehören Marken wie Steigenberger, Intercity Hotels und Zleep Hotels.

Wie hoch war der Gewinn von H World International 2025?

Das bereinigte EBITDA lag bei rund 63 Millionen Euro – nach einem Verlust von etwa 19 Millionen Euro im Vorjahr. Es war das erste positive Ergebnis seit der Übernahme 2019.

Welche Strategie verfolgt H World International für das Wachstum?

Der Fokus liegt auf einem Asset-light-Modell (Franchise und Management statt Pacht), der Expansion der Economy-Marke Zleep sowie der Integration ins Beschaffungsnetzwerk der chinesischen Muttergesellschaft.

In welchen Märkten will H World International wachsen?

Die Expansionspläne zielen auf den Nahen Osten, Spanien, Portugal und Polen – mit Zleep Hotels als zentralem Wachstumsvehikel im Economy-Segment.

Was ist die größte Herausforderung für H World International?

Neben der Verstetigung der Profitabilität gilt die Positionierung der Premiummarken – insbesondere Steigenberger – im hart umkämpften europäischen Lifestyle-Segment als zentrale strategische Aufgabe.
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