Das Hop Apartments & Suites in Interlaken hat im April 2025 nach einem Komplett-Umbau neu eröffnet. Das Zürcher Studio Monoplan zeichnet für Architektur und Interior verantwortlich. Leitmotiv: „From Mountain to Water“ – alpine Gesteinsformationen, türkisfarbenes Flusswasser und dunkle Wälder als Designreferenz.
Interlaken liegt zwischen Thuner- und Brienzersee, mit direktem Blick auf Jungfrau, Eiger und Mönch. Dass ein Hotel an diesem Standort von der Landschaft profitiert, ist keine Frage. Wie es die Landschaft aktiv ins Interior übersetzt – das ist eine andere Geschichte.
Das Hop Apartments & Suites direkt am Aareufer hat genau das versucht. Seit April 2025 ist das Haus nach einer Vollsanierung wieder offen. 20 klimatisierte Apartments mit modernisierten Küchen, Bädern und maßgefertigten Möbeln, dazu ein kleines Café in der Lobby.
„From Mountain to Water“ – mehr als ein Slogan
Das Zürcher Studio Monoplan hat dem Haus ein durchgehendes Designkonzept gegeben, das keine Kompromisse macht: Alle Räume – von der Lobby bis zum Flur – folgen demselben Leitgedanken.
Farben orientieren sich an konkreten Landschaftselementen. Im Café-Bereich dominieren sandige Beige- und Cremetöne, gebrochen durch Akzente in Blau, Nadelgrün und Orange. Das ist keine beliebige Naturpalette – Blau steht für die Aare, Nadelgrün für die Wälder des Berner Oberlands, Orange als warmer Kontrapunkt zum kühlen Bergpanorama.
Licht als Architekturelement
Was das Konzept von vielen „Nature-inspired“-Umgestaltungen unterscheidet: Die Lichtplanung ist kein Nachgedanke. Artemide-Systeme ziehen sich in geschwungenen Linien über die Decken des öffentlichen Bereichs – eine direkte formale Referenz an die Bewegung des Flusswassers.
In der Lobby verstärkt welliges Spiegelglas an der Decke diesen Effekt. Das Glas reflektiert und verformt Licht ähnlich wie eine Wasseroberfläche. Biophile Elemente – hängende Farne, tropische Topfpflanzen – ergänzen das Bild ohne kitschig zu werden.
Flure als Räume
Interessant ist, was das Studio mit den Nebenflächen gemacht hat. Flure sind typischerweise das, was zwischen den eigentlichen Räumen liegt – gestalterisch vernachlässigt, funktional abgehakt. Hier nicht: Organisch geformte Leuchtbänder von Artemide und grüne Wandflächen machen auch die Verbindungsgänge zu eigenständigen Designräumen.
Biophiles Design im Hospitality-Kontext
Biophiles Design ist im Hotelbereich kein Trend mehr – es ist Erwartungshaltung, zumindest im oberen Segment. Was das Hop Apartments & Suites zeigt: Es funktioniert auch ohne spektakuläres Neubau-Budget. Der Umbau eines Bestandsbaus mit klarer konzeptioneller Handschrift kann genauso weit tragen wie ein Neubau.
- Klares Leitmotiv, das alle Designentscheidungen ableitet – kein „ein bisschen Holz, ein bisschen Stein“
- Lichtplanung von Anfang in den Entwurf integriert, nicht nachträglich ergänzt
- Biophile Elemente als gestalterisches Argument, nicht als Dekoration
- Konsequenz bis in die Nebenflächen – Flure, Übergänge, Details
- Materialpalette direkt aus dem konkreten Standort abgeleitet
Was Hoteliers daraus mitnehmen können
Das Hop-Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Standortvorteil zum Designprinzip wird. Interlaken hat Bergpanorama und Flussnähe – das weiß jedes Hotel dort. Monoplan hat daraus eine konsistente Sprache entwickelt, die sich nicht auf Postkartenmotive verlässt, sondern auf Farben, Formen und Materialien.
Biophiles Design meint mehr als Pflanzen und Holz. Kern des Konzepts: Die direkte oder indirekte Präsenz natürlicher Elemente im gebauten Raum – über Licht, Materialtextur, organische Formen, Wasser-Referenzen und Blickbeziehungen nach draußen. Studien zeigen, dass biophile Räume Stress reduzieren und die wahrgenommene Aufenthaltsqualität steigern. Für Hotels bedeutet das: höhere Bewertungen und längere Aufenthalte – aber nur, wenn das Konzept wirklich durchgehalten wird.
- Natürliches Licht priorisieren, Kunstlicht ergänzen – nicht umgekehrt
- Lebendige Pflanzen statt getrockneter Deko – Pflegeaufwand einkalkulieren
- Materialien mit Textur: raues Stein, unbehandeltes Holz, natürliche Fasern
- Wasserelemente – akustisch oder visuell – wirken stärker als erwartet
- Konsequenz: Ein biophiles Lobby-Konzept neben generischen Fluren bricht die Wirkung
Für kleinere und mittelgroße Betriebe ist der Ansatz übertragbar: Nicht jedes Hotel hat einen Millionen-Umbau-Etat. Aber ein klar definiertes Leitmotiv – abgeleitet aus dem, was den Standort wirklich ausmacht – kostet zuerst Konzeptarbeit, nicht Baumasse.

