Der HospitalityNet-Text von Jungho Suh, Lorraine Hanson und Nadeen El Maalouf kritisiert ein Modell, bei dem Hotels lokale Anbieter vom Strand und aus dem Tourismusgeschäft drängen. Stattdessen sollen Hotels mit Gemeinden und kleinen Gewerben als Wirtschaftspartner arbeiten.
Ausgangspunkt ist eine Szene aus Costa Rica: öffentliche Strandzugänge, lokale Dienstleister, Polizei, Hotelbetrieb. Die Autoren lesen daraus einen klaren Konflikt zwischen Image und Realität.
Was die Szene am Strand zeigt
Der Text beginnt nicht mit Theorie, sondern mit einem Morgen am Strand. Lokale Arbeiter schieben in Costa Rica früh schwere Wagen durch einen öffentlichen Zugang zwischen zwei Strandhotels. Später greift die Polizei ein und räumt ihre Massagebetten und Schilder weg. Laut den Autor:innen soll der Strand für einen Besuch von Führungskräften der Hotelkette sauber und kontrolliert aussehen.
Genau da setzt die Kritik an. Die Autor:innen nennen das eine Form von extractive hospitality: Das Hotel nutzt den Ort, aber die lokale Wertschöpfung bleibt draußen. Offizielle Strandnutzung und reales Machtgefälle laufen nebeneinander her.
Public access path: öffentlicher Zugang zum Strand, der in dem Beispiel zwischen zwei Hotels liegt.
Extractive hospitality: ein Modell, bei dem ein Hotel von der Umgebung profitiert, ohne lokale Akteure fair einzubinden.
Community-washing: ein starkes Versprechen nach außen, das im Alltag nicht trägt.
Warum das für Hotels relevant ist
Der Text trifft einen Nerv. Viele Häuser sprechen über Community, lokale Lieferketten und verantwortungsvolles Reisen. Im Betrieb passiert dann oft das Gegenteil: externe Anbieter, abgeschottete Flächen, wenig echter Zugang für die Nachbarschaft. Das fällt besonders in Destinationen auf, in denen Strand, Straße oder Markt nicht nur Kulisse sind, sondern Teil des öffentlichen Lebens.
Die praktische Frage dahinter
Wer verdient an einem Hotelstandort mit? Nur das Haus selbst. Oder auch Menschen aus dem Umfeld — vom Fahrradverleih über Guides bis zu kleinen Händlern? Genau das ist der Punkt dieses Kommentars.
- Lokale Dienstleister brauchen verlässliche Flächen, statt nur geduldet zu werden.
- Hotels gewinnen Vertrauen, wenn sie öffentliche Räume nicht faktisch abschirmen.
- Tourismus wirkt stabiler, wenn Geld im Ort bleibt.
Was Hotels anders machen können
Die Antwort des Textes ist kein wohlklingendes Label, sondern ein Betriebsmodell. Hotels sollen lokale Anbieter als Partner behandeln, nicht als Störfaktor. Das heißt: feste Verkaufsflächen, transparente Regeln, Einbindung in Gästeflüsse und klare Kooperationen mit kleinen Unternehmen vor Ort.
Konkrete Hebel im Alltag
- Lieferanten und Anbieter aus dem Umfeld in die Angebotsplanung holen
- Öffentliche Zugänge frei halten und nicht indirekt blockieren
- Externe Angebote wie Touren, Massage oder Transfers sauber regulieren statt verdrängen
- Mit Gemeinde, Behörden und Nachbarschaft vor Saisonstart sprechen
Warum der Konflikt in Emerging Destinations schärfer wird
In aufstrebenden Reisezielen trifft Hotelwachstum oft auf knappen Raum. Das sieht man nicht nur an Stränden, sondern auch an Zufahrten, Märkten und Küstenwegen. Je stärker ein Haus Fläche kontrolliert, desto schneller geraten lokale Angebote unter Druck. Genau deshalb ist der Konflikt in Costa Rica kein Einzelfall, sondern ein Muster.
HospitalityNet ordnet das Thema als Opinion Piece ein; die Seite selbst beschreibt den Beitrag als Meinungsartikel zu nachhaltigem Hotelwachstum. Das macht ihn nicht kleiner. Im Gegenteil: Er bringt die Frage auf den Punkt, die in vielen Destinationen längst unter der Oberfläche liegt.
Was du aus dem Text mitnehmen kannst
Für Hotels heißt das: Community-Engagement darf nicht bei Spenden, Fotos und Jahresberichten stehen bleiben. Es muss im Betrieb sichtbar sein — bei Flächen, Einkäufen, Zugängen und Regeln. Sonst bleibt von „gemeinsam wachsen“ nur ein Satz.
Oder anders gesagt: Wenn ein Hotel den Ort mitbenutzen will, muss es auch Platz machen. Sonst nennt es sich selbst modern und arbeitet trotzdem alt.


