Das Wichtigste in Kürze

Booking.com hat seinen elften Jahresbericht zur Reise-Nachhaltigkeit veröffentlicht – befragt wurden 32.500 Reisende aus 35 Märkten. Ergebnis: Klimaunsicherheit verändert messbar, wann Menschen fahren und wohin. Beliebte Alternativen wie Slowenien und Norwegen verzeichnen deutlich mehr Suchanfragen.

Hitzewellen in Südeuropa, überfüllte Strände, Waldbrände im August – das sind keine Randnotizen mehr, sondern Buchungsfaktoren. Das zeigt der neue Booking.com Sustainable Travel Report 2026, der am 20. April in Amsterdam veröffentlicht wurde. Die Zahlen machen deutlich: Reisende reagieren längst auf den Klimawandel – nicht mit Verzicht, sondern mit Umplanung.

42 % weichen bewusst auf die Nebensaison aus

Traditionell war Juni bis August die Hochsaison. Diese Konzentration bröckelt. 42 % der befragten Reisenden planen laut der Studie, gezielt außerhalb der klassischen Reisemonate zu buchen. Weitere 25 % suchen aktiv nach kühleren Zielen – unabhängig vom Timing.

Das schlägt sich direkt in den Suchdaten nieder. Unterkünfte in Slowenien wurden 29 % häufiger gesucht, in Norwegen sogar 33 % häufiger. Beide Länder profitieren von einem Image, das klimatisch attraktiv und weniger überlaufen wirkt als klassische Sommerziele am Mittelmeer.

Studiendaten auf einen Blick
  • 32.500 Reisende aus 35 Märkten befragt
  • 42 % planen Reisen außerhalb der Hauptsaison
  • 25 % suchen bewusst kühlere Destinationen
  • +29 % mehr Suchanfragen für Unterkünfte in Slowenien
  • +33 % mehr Suchanfragen für Unterkünfte in Norwegen
  • 85 % sagen, nachhaltigeres Reisen ist ihnen wichtig oder sehr wichtig
  • Quelle: Booking.com Sustainable Travel Report 2026, April

Das Generationen-Paradox: Wollen vs. Handeln

Die Studie beschreibt einen Widerspruch, den die Branche kennt: 85 % aller Reisenden – über alle Altersgruppen hinweg – bezeichnen nachhaltigeres Reisen als wichtig oder sehr wichtig. Der tatsächliche Buchungsverhalten hängt dem deutlich hinterher.

Booking.com nennt das einen „generationalen Widerspruch“. Jüngere Reisende artikulieren die stärksten Klimabedenken, buchen aber nicht automatisch klimafreundlicher. Ältere Generationen zeigen teils mehr Konsistenz zwischen Einstellung und Verhalten – möglicherweise weil sie längere Vorausplanung gewohnt sind.

Der Gap zwischen „Wollen“ und „Buchen“ ist das eigentliche Problem – und die eigentliche Chance für Hotels, die konkrete Angebote machen statt grüner Versprechen.

Was das für Hotellerie und Gastronomie bedeutet

Für Betriebe in klassischen Hochsaisonregionen ist das ein Warnsignal – und ein Hebel. Wer bisher stark auf Juli und August gesetzt hat, sollte die Saisonverlängerung jetzt aktiv gestalten statt abzuwarten.

Konkrete Ansätze für die Praxis

  • Shoulder-Season-Pakete gezielt bewerben: Mai/Juni und September/Oktober mit eigenen Angeboten positionieren
  • Kühlere Lage als USP kommunizieren – höhere Lagen, Seenähe, Waldnähe
  • Klimatische Vorteile des Standorts auf der eigenen Website klar benennen (Durchschnittstemperaturen, Wetterstatistiken)
  • Kooperation mit DMOs in „Coolcation“-Regionen prüfen (Alpen, Norddeutschland, Skandinavien)
  • Grüne Zertifizierungen (EU Ecolabel, Green Key) sichtbarer machen – 85 % der Reisenden sagen, es ist ihnen wichtig

Steigende Nachfrage nach zertifizierten Unterkünften

Der Bericht adressiert auch die Nachfrage nach nachweislich umweltfreundlichen Unterkünften. Reisende wollen keine Selbstauskunft der Hotels – sie wollen externe Bestätigung. Plattformen wie Booking.com listen deshalb Nachhaltigkeitszertifizierungen prominent in den Suchergebnissen. Wer hier nicht gelistet ist, fällt bei einem wachsenden Segment schlicht aus dem Relevant Set.

Overtourism als zweiter Treiber

Neben dem Klima nennt die Studie Overtourism-Bedenken als weiteren Faktor, der Reisende von klassischen Hotspots wegbewegt. Barcelona, Mallorca, Venedig – in vielen Medien war das 2024 und 2025 Dauerthema. Der Effekt zeigt sich nun in den Buchungsdaten: Reisende weichen aus, bevor lokale Behörden Maßnahmen ergreifen müssen.

Für Destinationen abseits der ausgetretenen Pfade ist das eine Chance. Für Hotels in überlaufenen Regionen bedeutet es: Die Differenzierung über Erlebnis und Qualität wird wichtiger, weil Menge allein kein Argument mehr ist.

Fazit: Klimarisiko ist jetzt ein Buchungsparameter

Die Booking.com-Daten zeigen, dass Klimaunsicherheit keine abstrakte Zukunftsdebatte mehr ist – sie verändert heute Buchungsentscheidungen. 42 % Nebensaison-Orientierung und zweistellige Zuwächse für kühlere Ziele sind keine Randtrends. Wer als Hotel oder Destination jetzt Angebote schafft, die diese Nachfrage bedienen, hat einen echten Vorteil. Wer wartet, bucht sich selbst aus dem Relevant Set heraus.

HÄUFIGE FRAGEN

Was sind die wichtigsten Ergebnisse des Booking.com Sustainable Travel Reports 2026?

42 % der Reisenden planen, außerhalb der klassischen Sommermonate zu reisen. 25 % suchen gezielt kühlere Ziele. Unterkünfte in Norwegen verzeichnen 33 % mehr Suchanfragen, in Slowenien 29 % mehr. 85 % aller Befragten sagen, nachhaltigeres Reisen sei ihnen wichtig.

Warum weichen immer mehr Reisende auf die Nebensaison aus?

Klimaunsicherheit – Hitzewellen, Waldbrände, extreme Temperaturen im Sommer – und Overtourism-Bedenken bei klassischen Zielen wie Mallorca oder Venedig treiben die Verlagerung. Reisende suchen kühlere, weniger überlaufene Alternativen.

Welche Destinationen profitieren vom Trend zu kühleren Reisezielen?

Laut Booking.com-Daten besonders Norwegen (+33 % Suchanfragen) und Slowenien (+29 %). Grundsätzlich gewinnen höher gelegene Regionen, Norddeutschland, Skandinavien und der Alpenraum an Relevanz.

Was können Hotels konkret tun, um vom Nebensaison-Trend zu profitieren?

Shoulder-Season-Pakete für Mai/Juni und September/Oktober aufbauen, klimatische Standortvorteile klar kommunizieren und Nachhaltigkeitszertifizierungen (z. B. Green Key, EU Ecolabel) sichtbar machen – da 85 % der Reisenden Nachhaltigkeit wichtig finden.

Wie viele Reisende wurden für den Booking.com-Bericht 2026 befragt?

32.500 Reisende aus 35 Märkten weltweit. Der Bericht erschien am 20. April 2026 in Amsterdam – es ist die elfte Ausgabe der jährlichen Studie.
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